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Das Weinlog

24.03.05 @ 18:20

Terroir bringt nichts, aber Robert Parker 2,80€

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Die ”Royal Economic Society” veranstaltet alljährlich eine Konferenz (http://tinyurl.com/66ym4 ), auf der ökonomische Aspekte einer Vielzahl von Lebensbereichen diskutiert wird. Zwischen Themen wie „A critique of rule-of-thumb/indexing microfoundations for inflation persistence” und „National uncertainty aversion and sectoral growth pattern” wurden in Nottingham am vergangenen Dienstag auch Vorträge zum Thema „The Economics of Wine” gehalten.

Victor Ginsburgh präsentierte bei dieser Gelegenheit eine Studie, die obzwar schon über ein Jahr alt, geeignet sein könnte sein könnte die französischen Freunde ernsthaft zu ergrimmen. Unter dem Titel: „Natural endowments, production technologies and the quality of wines in Bordeaux. Is it possible to produce wine on paved roads?” wird da nicht mehr und nicht weniger behauptet, als dass das ganze Gerede von Terroir als unabdingbare Voraussetzung zur Produktion großer Weine nichts als kontinentaler Humbug sei. tinyurl.com/4jymp

Gemeinsam mit Olivier Gergaud untersuchte der Vortragende 100 Weingüter des Medoc und verglich die Korrelation zwischen der Einstufung der Weingüter bei Kritikern wie Robert Parker, Michael Broadbent und anderen und der in den vergangenen Jahre erzielten Preise mit den Faktoren Boden, Exposition, Rebsorten und Alter der Rebstöcke aber auch den vorhandenen weintechnologischen Einrichtungen und den bei der Produktion angewandten Prozessen wie Selektion, Mazeration, Pressung, Holzfassausbau etc. Dabei stellten sie fest, dass die sogenannten Terroirfaktoren in keiner Weise signifikant mit Qualität oder Preis korrelieren, wohl aber die eingesetzte Technologie. Ein harter Schlag für die Franzosen, die seit vielen Jahren auf ihr einzigartiges Terroir verweisen, um möglichst hohe Preise für ihre Weine zu lukrieren. Zwar gelten diese Ergebnisse nur für das Médoc, aber die Autoren glauben daraus auch auf alle anderen Weinregionen schließen zu können und erklären das AOC-System für obsolet.

Weitaus wichtiger auf die erzielbaren Preise scheint der Umstand zu sein, ob der amerikanischer Wienkritiker Rober M. Parker junior einen en-primeur angebotenen Bordeaux beschreibt oder nicht. Das zumindest erklärt Michaël Visser auf derselben Konferenz. Er behauptet, gemeinsam mit Héla Hadj Ali und Sébastien Lecoq (auch schon im vergangenen Jahr) herausgefunden zu haben, dass im Durchschnitt über alle beschriebenen Weine ein Wein, der von Robert Parker beschrieben wird 2,80€ (oder 15%) mehr kostet als nicht beschriebene Weine. Das bedeutet, gute Noten von Parker bringen (dem Produzenten und Händler) mehr als schlechte Noten kosten. (Ermittelt wurde dies auf der Basis der Primeur-Campagne 2002, die erstmals seit vielen Jahren ohne Parker-Punkte auskommen musste, weil dem Weinadvokat infolge von 9-11 der Flug über den Atlantik in Relation zur erwarteten Qualität zu risikoreich schien).

Na bitte.

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