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Zur schwarzen Katze (Wien) - ARCHIV

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HAT GESCHLOSSEN!

The Rise and Fall auf Günther S and the Katze from Hernois

Das alte Wirtshaus hatte regelmäßig frische Innereien auf der Karte und weniger frische Gäste im Lokal. Diese verstanden es, sehr langsam zu mittagessen und nahmen sich ihr Abendessen gleich in Reindeln und Töpfen mit nach Hause. Sozialromantik pur.

Athmo
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Dann war es zu und August 2005. Die Angst, es könnte ein Wettcafé oder eine Admiral-Wind'n werden, war berechtigt aber unbegründet. Es kam ganz anders.

Ein erster Besuch und die Geschichte beginnt, zaghaft. Denn wir blieben, abgesehen von den „Querulanten” (Stammgäste hatten bei G & S Spitznamen), auf lange Zeit die einzigen Gäste und stellten uns die Frage, wie lange er das aushalten wird – nämlich fantastisch kochen zu können, aber keine Gäste zu finden. Aber er wollte auch nicht suchen, sondern offensichtlich entdeckt werden. Zu entdecken gab es ausreichend:

Das Angebot an Speisen war zweigeteilt: Einerseits die Wirtshaus-Klassiker mit Beuscherl, Wangerl, Fledermaus – andererseits Günthers Kreationen. Und diese ließen einen aufschmecken! Wachtel, Topinambur, Lamm, Rotbarbe, Risotto, Limetten, Ingwer, Avocado, Ente, Frühlingszwiebeln, Tascherln, Flusskrebse, Polenta, Sesam, Puree, Chorizo, Pomodori secchi, süsses Pesto!, Pinienkerne, Sugho, Jus, Glace ….

Seine Kunst ist, dass es für ihn wahrscheinlich keine Kunst ist – es kommt alles so selbstverständlich daher, leicht, klar und ohne jedes Blenden. Die Begeisterung seiner Gäste schien ihm daher nicht ganz nachvollziehbar.
Die Gastwirtschaft hatte viel Patina, einen uralten Schankraum und einen Speiseraum im 50/60er-Stil. Das blieb auch so, schnörkellos.

Ein eisiger Winter, eine schlechte Heizung, zugige Fenster und nur wenige Gäste ließen ein frühes Ende absehbar werden – Günther S sprach bereits von Kündigung des Pachtvertrages. Jetzt wurden seine Gäste aktiv – denn man konnte doch nicht zusehen, wie dieser liebenswert „schöne” Familienbetrieb nach nur wenigen Monaten wieder zusperrt.

Ein Speising-Eintrag, ein Corti-Bericht und eine Nowak-Erwähnung machten schon fast Reservierungen notwendig, es ging aufwärts, es ging Richtung Sommer. Ein launiges Fest „Alt trifft Neu” mit Herrn Theo, dem singenden Kellner, und jeder Menge Wein aus Wien-Unbekannt ließen die Katzenfreunde enger zusammenrücken.

Ein Sommer ohne Schanigarten bot Gelegenheit zu Direktmarketing, hunderte Kopien der Speisenkarte wurden im Hernals verteilt und schmückten zahlreiche Autos der näheren Umgebung. Die Speising-Community wurde immer aktiver und der Katze widerfuhr ein für Wien typischen Phänomen – sie wurde zu einem Geheimtipp, den jeder kannte.

Es folgte die beste Wildkarte der Welt. Günther übertraf sich und die Erwartungen seiner Gäste Abend für Abend. Bewundernswert auch seine Partnerin Sabine, die fast jeden Abend, nach ihrer eigentlichen Tätigkeit in einem Büro, gemeinsam mit Herrn Theo die Gäste umsorgte. Herr Theo, der sämtliche Sorgen seiner Gäste im Gesicht trägt, ist auch Familienmitglied und launig-versierter Oberkellner der ganz alten Schule.

Die Gastwirtschaft zur schwarzen Katz' - von Insidern und Besseressern liebevoll kurz Katze genannt, war fast immer gesteckt voll, selten leer und wöchentlich Thema im Speising.net: Die User/Esser überschlugen sich vor Schwärmereien, und wahrscheinlich war täglich irgendein Speisinger in der Katze genießen. Mehr Gäste brauchen mehr Kellner - Viola, Christine und Manuel deckten diesen Bedarf zum Teil charmant, zum Teil professionell.

Die Karte wechselte alle paar Wochen, mit Spannung wurden die neuen Gerichte verkostet. Die Suppen waren ein Pflichtpunkt, die kleinen Vorspeisen konnte man nicht auslassen, bei den Hauptgängen war eine Entscheidungsfindung fast unmöglich, so Genuss verheißend war das alles. Schluss? Nein – die Desserts setzten noch einen kreativen Höhepunkt drauf, wenn man sich bereits glücklich entspannt zurücklehnte und leise in sich hineinlächelte. Es war einfach nur schön.

„Ich habe den Pachtvertrag gekündigt, mit Ende März ist Schluss” schlug ein wie eine Bombe, tat weh und kam einer Kränkung gleich. Wieso, wieso jetzt, Du bist doch jeden Abend ausreserviert, Du kannst den Sommer übertauchen, warum nur…? Wie trotzige Kinder wollten wir uns mit einer Realität nicht abfinden. Eine Realität, die für Günther anders aussah als für seine Gäste:

Eine einsinkende Küche, ein semipermeables Dach (Frischluft blieb draußen, der Regen ging durch), kein Kühlhaus, eine lebensgefährliche Elektrik, kein echtes Bratrohr und vieles mehr. Auch die Situation für seine Gäste war ihm ein Dorn im Auge: Die Lüftung irreparabel kaputt, der Gästeraum kaum -, die Toiletten gar nicht zu heizen. Das alles zu einer sehr hohen Pacht und ohne jede Aussicht auf Besserung. „Ich koche mir ein gutes Publikum, dass dann im Winter auf der Klobrille festfriert und dessen Kleidung tagelang ein Souvenir der Katze mit sich trägt – das will ich nicht.”

Die Ankündigung des absehbaren Zusperrens schlug Wellen und führte dazu, dass sich hinter Akronymen versteckende Poster zu Menschen aus Fleisch und Blut verwandelten, die einander kennen lernten. Es wurde intensiv über ein Fortführen der Katze nachgedacht, doch es blieb bei der Absicht.

Jetzt ist es vorbei, es bleibt die Dankbarkeit und Freude, diese herrliche Zeit intensiv miterlebt zu haben. Die nächste Türe wird aufgehen.

Was war es? Warum ist gerade dort, zu dieser Zeit, mit diesen Protagonisten etwas entstanden, das über ein gutes Gasthaus weit hinausgeht?

Patzig meint: Die Katze wollte nie mehr sein, als sie war. Keine modernen Bilder oder stylische Food-Fotos, keine cool-urbanen Kellner, frei von Firlefanz in jeder Hinsicht. Selbst die Gäste waren bar jeder Anwesenheits-Eitelkeit.

Das allein war es aber nicht. Die Ehrlichkeit der Hauptdarsteller, die Geradlinigkeit der Küche, diese gelebte Unkompliziert- und Unkapriziertheit schufen einen Raum tiefer Entspannung, der von Genuss und Lebensfreude geprägt war.
Danke Günther, danke Sabine.

Was meinen die Katzenfreunde – was war es?

OberkllnerPatzig

47 Kritiken | Kritik verfassen

OberkllnerPatzig, 05.03.07 @ 13:10

ABSCHIEDSFEST / RUNNING KATZE 30./31. März !!!!!!!!!!!

Liebe Katzenfreunde,
von Freitag, 30.3. (ca. 17:00 Uhr) bis Samstag Nacht (31.3.) geben Günther, Sabine und Herr Theo ihr Abschiedsfest: RUNNING KATZE, und ich habe die traurige Ehre, das Fest anzukündigen.
Es wird ständig kleine Katzenteller aus der Küche geben, 2 Euro der Teller, mit feinen Günthereien, je nach Laune und Nachfrage. Zusätzlich wird der Weinkeller "aufgelöst", das Achterl um 1.8 Euro, unabhängig von Wein und Winzer.
Ich verspüre bereits unbändigen Appetit und entsetzlichen Durst ...

C U THERE, SPEISINGER

kubse, 05.03.07 @ 10:25

Endlich war das Geburtstagsfeierbedürfnis stärker als die diversen Viren.
Lazarett in die Hernalser Hauptstraße verlegt.
Gesundgegessen mit Topinambur- und Kokos-Kürbissupperl, Rieslingbeuscherl (Foto) und Kalbszüngerl, Limettenrisotto, Thunfisch und Backhendl, Chardonnay-Medizin vom Edlmoser brav eingenommen, und schon geht's viiiiiiiel besser ;-)

Muss noch einmal hin, bevors aus wird sein.

PS: Die vielen Endungen auf -erl täuschen ein bissl über die wahren Portionengrößen - ist eher liebevoll als verkleinernd gemeint...

dradra, 02.03.07 @ 16:19

ABSCHIEDSKATZE
Seit Montag gibt es die Abschiedskarte, ein "Best of Katze":
Melancholie kam gestern abend auf bei:

- Topinamburcremesuppe mit Entenverhackertem
- Ente à la Dra (mit Topinambur-Pilzgröstl und Traubenglace)
- Karamellisiertem Frischkäse mit Apfel-Melissensalat und süssem Pesto.

Wer bis jetzt nicht dort war, hat jetzt noch 1 Monat lang Gelegenheit, eine "Leistungsschau" von Günther Szigeti zu verkosten - denn am 1. April ist es zu spät. Kein Scherz.

mazi, 17.02.07 @ 19:08

Dort, wo man den g’schupften Ferdl grad um die Ecke biegen gesehen hat, dort, wo die Wiener Vorstadt noch unbeleckt von Fast Food Ketten existiert, dort, wo sich die Straßen fast schon obszön breit ausnehmen im Vergleich zum sonst so dichten Wiener Straßennetz, dort beginnt meine Geschichte: in Hernals.

Das Hauserl, bescheiden einstöckig schmiegt es sich an seine Nachbarn, die Fenster verdeckt durch milchigweiße Halbfenster und Weinflaschen, streckt vorwitzig seine grünen Blätterkugeln in die Luft. Unwillkürlich denkt man an lauwarme Fritattensuppe und g’röste Knödel mit Ei und lächelt gerührt über das „Vorzügliche Küche”, das in schwarzen Lettern am Windfang prangt. Und doch – betritt man das Lokal, wird man wohl sein Lebtag nicht vergessen, was man erleben darf. Eine Verquickung von unglaublichen Genüssen, eine Hommage an alles, was einem lukullisch heilig ist, ein Glücksfall, wie man ihn nur alle paar Jahrzehnte erleben darf.

Vergleichen wir diesen Glücksfall vielleicht mit einer Wellnessoase. Ein skurriler Vergleich? Wir werden sehen.

Der Beginn. Beim Eintreten leuchtet einem in absolut schrägem 50er Jahre Stil (Vorsicht, wenn die FM4 Gemeinde und die Intellektuellen aus dem 4er Hieb davon erfahren, wird die Schwarze Katze auf Wochen, ja Monate hinaus ausgebucht sein!) das Interieur entgegen. Unverfälscht, ohne Fremdbehübschung, ohne Tütü und Chichie – und wer braucht schon einen Neorokokosaal mit Zimmerbrunnen und Wandmalerei, ehrlich?-, die Schank in Holz und blitzendem Chrom, der Steinboden, die mit Karo überzogenen Stühle, die alte Uhr – eine Hässlichkeit, die man lieben muss. Weil sie Stil hat! Kein Steh-grad-der-Herr-Doktor-Sowieso-schaut-her, kein Sitzt-meine-Frisur-gut, kein Wer-sieht-mich-aller. Ein schlichtes Griass-di-Mama.

Einzig die Blumentöpfe würde ich aus persönlichen Gründen gegen Vasen mit einer Unzahl frischer, bunter, bunter Blumen ersetzen. Und die Seidenblume im Makrameehänger verschwinden lassen. Aber sonst soll man nichts, aber auch gar nichts am charmanten Innenleben der Katze verändern. Man betritt sie, gibt seine Garderobe ab und erwartet das Verwöhnpackage.

Das Lakonium. Eine Sauna der alten Römer. Es kommt als Kürbis-Ingwersuppe daher, mit gebackenen Strudelblättchen als Do-it-yourself-Einlage am Extratellerchen. Grenzgenial heiß, lüstern scharf, unverschämt cremig. Man schließt die Augen, hört förmlich, wie sich die Muskeln entspannen und die letzten drei, vier Jahre Stress sich in Luft aufzulösen beginnen. Man will nur mehr genießen und schickt den Verstand, den eifernden Hüter der Zeit, auf Urlaub. Nur mehr wallen, nur mehr wogen, nur mehr sein. Als kalten Guss, um nicht schon jetzt die Sinne vollkommen zu verlieren, einen Wieninger aus der reich bestückten Weinkarte.

Das Heubad. Olfaktorische Genüsse erreichen die Nase, wenn die Räucherfischravioli dampfend am Tisch stehen. Man meint zu träumen, sticht wärmumhüllt in die perfekt al dente gekochten Teigtascherl, lässt die weiche Fülle auf der Zunge zergehen, die mollige Sauce im Gaumen verschmelzen. Und wünscht sich mehr, mehr, mehr.

Das Whirlpool, 37 Grad. Man möchte tanzen, springen, vor Freude jauchzen, tut es aber dennoch nicht, um nicht ein Molekül dieser Geschmackspolka zu versäumen: Hasenfilets mit Polenta, Pfirsichen und Dörrzwetschken, die Jugend hüpft im Hinterkopf auf und ab und übermütig reicht man sich dazu den Kelch mit Pinot Noir, der das Seinige dazu tut, die Stimmung sprudeln zu lassen!

Das Osmanische Bad. Eine Explosion der Sinne: Zweierlei Gebratenes vom Rind. Nicht nur die Frida Kahlo Darbietung am Teller, auch die schlichte Kombination von Filetstücken und zart gegarten Gemüsestreifen lassen erkennen, dass hier ein begnadeter Künstler am Herd steht! Die pure Fleischeslust, bezwingend majestätisch, unentrinnbar. Gnade.

Der fulminante Abschluss, die Finnische Sauna. Der Rest der Müdigkeit verschwindet, wenn ein schamlos an den Rand der Maillard-Reaktion in Butter gebratener, flauschig-krosser und bis zur Besinnungslosigkeit überwältigender Krapfenschmarrn gebracht wird. Unterstrichen von schockierend köstlichem Apfelzimteis und luftig dichter Vanillecreme lässt er sich einen das Paradies recht irdisch vorstellen. Und draußen parken schon die Wolken, auf denen man nach Hause schweben wird.
Aufguss, BITTE…

dfw, 08.02.07 @ 00:50

Die vielen euphorischen Kritiken und das wehleidige Gejammere, daß da sowas wie die Schwarze Katze in Hernals ihre Pfoten von sich strecken und alsbald die Pforten schließen wird, haben mich mehr als neugierig gemacht. Und die kritischen Speisinger haben halt - wie fast immer - recht. Ich weiß nicht, ob ich es bereuen soll, daß ich nicht die Wachtelsuppe bestellt habe. Wiewohl meine Kürbis-Ingwer-Suppe ganz formidabel war, so hat mich der eintopfartige Suppentopf meines Tischnachbarn doch sehr fasziniert. Beide Suppen waren das Präludium zu einem wunderbaren Abendessen. Es folgten Räucherforellentascherln und ein Basilikumrisotto, als Zwischengang fast schon zu viel bzw. zu schwer. Und dann die Hauptspeisen !! Kaninchenrücken auf Polenta mit Dörrzwetschken, Clementinen(oder so)-spalten und gerade nicht zu säuerliche Apfespalten, alles zusammen geschmacklich huiwui! Ebenso Steinbuttfilet mit Speck, Salbei und Süßerdäpfelpüree, letzteres zum Verlieben. Schon mehr als satt und weil die Neugier groß war ein heißer "Krapfenschmarren" mit Apfelzimteis (himmlisch) und noch so was vanillig Süßes dazu (höllisch gut). Vorher ein Budweiser gegen den ersten Durst, zum Essen Polz und Loimer, und als Abschluß ein Glaserl Süßwein. Die Aussicht auf ein rauschendes Katzen-Abschiedsfest machen das naherückende Ende dieses Schmausetempels vergessen, für kurze Zeit zumindest, aber keinesfalls erträglich. Seit heute verstehe ich die Szigeti-Fans. Wie recht sie haben. Der Mann ist ein Meister. Ich(wir) kommen wieder und immer wieder; vielleicht hilft ein Sitzstreik gegen das bedrohliche Ende...

Seite 6 von 10     « zurück | weiter »alle anzeigen
Speising sagt

sehr gut

ø 2.59 Punkte (17x bewertet)

empfohlen am 04.12.05 @ 14:28

Adresse

Hernalser Hauptstraße 85
1170 Wien
Telefon: 01.480 13 05

Küchenzeiten: geschlossen!
Menüpreis: €

Inhaber: Günther Szigeti
Küchenchef: Günther Szigeti

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