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Sättigung ohne Gegenleistung

Über Gänsebraten in Slowenský Grob

21.11.11 @ 19:28

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Streber und Gastrotrumpfkarten spielende Schreiberlinge haben längst darüber berichtet. Jetzt bin halt ich dran, der Nachzügler. Es hat mich dorthin verschlagen. Was soll ich schreiben? Gut war es? Hm. Besonders war es? Hm. Auf seine Art ganz speziell war es? Eventuell.

Ich schreibe von Slowenský Grob, dem Paradies für Gänse verzehrende Fäaken aus dem In- und Ausland. Zumindest hat mir das eine Arte-Doku in Schwarzweiß mit rotwelschen Untertiteln einst suggeriert. Und auch das bunte Reisebüchel meint, dort könne man gut Gänse verzehren.

In Slowenský Grob braucht man nicht nach Restaurants zu suchen. Die Gänsebraterei geschieht im halbprivaten Rahmen. In Hinterhöfen, Vorderhöfen und Gärten stehen gewaltige Öfen, die locker 10 Gänse am Stück aufnehmen, rauchen und dampfen, dass es nur so eine Freude ist und lassen die Saliva fließen. Verzehrt wird in Zubauten zum Privathaus, mitunter bessere Verschläge oder Keuschn. Manche erinnern mich an die Garagenheurigen in der näheren Herzogenburger Umgebung in den frühen Achtzigern.

Die Gänsesuppe scheint mir der Bratensaft zu sein, den man mit Wasser ein wenig gestreckt hat. Ein paar tote Gemüsefasern schwimmen auch darin.
Die Gans ist in Ordnung, nicht mehr aber auch nicht weniger. Dazu essen die Einheimischen und so auch ich sauer eingelegte Gemüse: Paprika, Pfefferoni, Gurkerl, Perlzwiebel. Das Rotkraut dazu war wässrig und deutlich zu süß. Die Kohlenhydrate: Lokse. Das entspricht dünnen Erdäpfelpalatschinken, die eher blass gereicht werden. Mann kann sie pur oder mit Gänseschmalz bestrichen bestellen, oder als Vorspeise mit Gänseleber gefüllt. Davon rate ich ab, Sättigung ohne Gegenleistung.

Ich glaube, liebloser wurde ich noch nie bekocht, liebloser wurde noch nie zubereitet, liebloser wurde noch nie serviert. Selbst mein nächster Assimilationsversuch an den Slowaken, der reichliche und notwendige Zuspruch an Hochprozentiges, konnte den Eindruck selbst retrospektiv nicht in mildes Dämmerlicht tauchen.

Staatspräsidenten aller Welt müssten immer dorthin, wenn es sie in die Slowakei verschlägt. von Folgebesuchen wird nichts erzählt.

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Und jetzt das Ganze positiv:
Wer wirklich urig und ohne jeden Pipapo Gänsebraten verzehren möchte, mit viel Hunger, Freude an Fett findet und mit einer Leber ausgestattet ist, die Schnaps flaschenweise aushält, dort am besten übernachtet, für den wird halbprivates Ganslessen in Slovenský Grob ohne Alternative bleiben und für die tollsten Geschichten sorgen. Garantiert.

Gregor Fauma

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