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SPEISING Open
02.12.09 @ 17:44
Eine Schutzgemeinschaft hat eingeladen ...
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... zu einer Pressekonferenz, mit folgenden Worten:
"Die Wirtshauskultur ist traditionell identitätsstiftend für die österreichische Gesellschaft und auch ein zentrales Element für das Tourismusland Österreich.
Wir wollen unsere kulinarischen und kulturellen Besonderheiten für unsere Gäste, aber auch für kommende Generationen erhalten. Dazu gehört auch die Unterstützung für unsere Wirtsfamilien und deren Mitarbeiter, die dem Gast einen unvergesslichen Eindruck unserer schönen Heimat vermitteln. Durch viele Richtlinien der Europäischen Union - aber auch durch so manche österreichische Aktivitäten - wird die Wirtshauskultur bedroht und läuft letztendlich Gefahr, zerstört zu werden.
Die Aufgabe des Vereins besteht darin, diese Entwicklung zu verhindern und zur Rettung und Erhaltung der österreichischen Wirtshauskultur beizutragen.
Konsterniert halte ich kurz inne, lese mir den Text noch einmal durch, und schön langsam stellen sich mir Fragen:
Von welcher österreichischen Gesellschaft ist da die Rede? Bin ich Bestandteil dieser? Will ich das sein?
Welchen unvergesslichen Eindruck (was für ein Deutsch!) unserer schönen Heimat hat mir ein Wirtshaus vermittelt?
Und welche Aktivitäten der EU und Österreichs stellen eine Bedrohung für die unterstützenswerten Wirtshäuser dar bzw. werden diese zerstören? Und fehlt in dieser Aufzählung nicht noch die Ostküste?
Hmm. Sehr seltsam das. Kann mir jemand weiterhelfen?
11 Kommentare | Kommentar abgeben
OberkllnerPatzig, 10.12.09 @ 13:21
Ein paar Häuser weiter von der Schwarzen Katze im 18. liegt ein uraltes Wirtshaus versteckt, voll bis unters Dach mit den schönsten Wirtshausmöbeln, Intarsien, Lampen usw. dass mir das Heulen kommt. Die Eigentümer, Idioten, wollen das Zeug nicht verkaufen, sondern bewahren es als "Familien-Museum" auf. Die Vorhänge sind natürlich zugezogen.
Meidlinger12, 10.12.09 @ 12:29
Was dieser Verein tun könnte ist folgendes. z.b. gibt es oder gab es viele Wirtshäuser wo sich kein Nachfolger findet/fand und die dann unwiederbringlich verloren gehen.
Was sind die Gründe das diese Lokale keine Nachbesitzer finden?
Die Kinder sind halt keine geborenen Wirtsleute die gern von 7 od. 8 Uhr früh bis 22 Uhr im Wirtshaus stehen. Oder die Renovierung des Lokals, der Küche verschlingt solche Unsummen, das es auch viele abschreckt.
Hier kann sich der Verein einsetzen um solche Wirtshäuser zu erhalten zu fördern.
OberkllnerPatzig, 04.12.09 @ 17:46
Für die Erhaltung der Wirtshauskultur sehe ich in erster Linie die Wirten selbst verantwortlich. Es beginnt beim Betreten des Lokals: Wonach richt es? Frittieröl der letzten Jahrzehnte als anheimelnde Patina einer nie erreichten großen Zeit? Ist das Lokal sauber? Wie sind die Toiletten beinander? Sind die Menagen geputzt?
Mein Vorschlag: Die selbsternannten Erhalter der unvergesslichen Eindruck vermittelnden Wirtshäuser sollen sich uniformieren, am besten rauchgraue, aus den speckigen Vorhängen genähte Hemden, und an Stelle eines Dolchs stecken sie sich einen Klobesen an den Gürtel und verleihen einander Abzeichen für Tapferkeit vor dem Grind. Das würde den Wirtsfamilien schon einmal helfen. Am Locus können Sie dann ja Identität stiften.
Ich mag Wirtshäuser, ich hochfrequentiere Gasthäuser - aber ich möchte diese Lokale nicht von einer bierschäumenden Mir-san-mir-Partie verteidigt wissen.
PundE, 03.12.09 @ 19:09
lieber walterkunz
a.) wir sprechen von weniger steuern, und nicht von gar keiner....:-))
aber das sollte ja jetzt hier nicht das thema sein!
b.) wo viel touristen ....viel 08/15 futter....."gib den leuten was sie verlangen" ( von germany und austria ) aber nur damit wir uns richtig ver-
stehen....es geht um die masse der leute, und denen machst du
freude mit spaghetti vongole, carbonara, tomate-mozzarella und wie
sie alle heißen, die klassiker.
wir zum beispiel, sind recht oft in der gegen triest und im karst
unterwegs ...da können wir uns nicht beschwerden.
vor allem auch die slowenen in diesem gebiet....gutes traditionelles
futter.:-))
auch im friaul wenn man nicht gerade die " kärntner strasse" erwischt
ist es ganz in ordnung.
aber als kleiner tipp ( aber ich denke als profi weißt du es ) der
füher " osterie d italia ", ist dafür wirklich super. noch nie eine schlechte
empfehlung !!
mit lieben grüssen
walterkunz, 03.12.09 @ 16:33
Wirtshauskultur in Italien
Es war vorhin von „Esskultur-Spritze alla Italia“ die Rede. Dort unten ist auch nicht alles Eitel Wonne, MacDonald & Co, Pizza am Blech und Italo-Fast-Food finden bei unserem südlichen Nachbarn Verbreitung, und zum Teil ist der Massentourismus recht schädlich.
Ich war vor wenigen Jahren in Peschiera del Garda. Ich habe das kleine Städtchen am (von sehr vielen Touristen besuchten) Gardasee auf der Suche nach einem Lokal mit typischer Regionalküche des Veneto durchstreift. Fast alle Betriebe boten nur 08/15-Standardgerichte und Meerestiere an, also jene Sachen, die der durchschnittliche Italienreisende schon kennt und in jeder Stadt vorfindet. Von Fischen aus dem See oder von typisch venetischen Gerichten war in Peschiera fast nirgends die Rede.
walterkunz, 03.12.09 @ 16:00
@PundE
1. Jede Organisation hat das Recht, Lobbying für sich und Ihre Mitglieder zu betreiben, dagegen habe ich ja nichts gesagt. Niemand zahlt mit echter Begeisterung Steuern und Abgaben, aber ohne diese Notwendigkeit funktioniert das Gemeinwesen nicht.
2. Ich habe mich schon in einigen Beiträgen als Liebhaber der heimischen Wirtshauskultur zu erkennen gegeben, ich schätze die Institution des Gasthauses und die Verabreichung von Spezialitäten der regionalen Küche über alle Maßen.
PundE, 03.12.09 @ 15:13
schwierig.... sollte der betreff werden..:-)
also:
schwierig ist es,zu einem auszug aus einer pressekonferenz etwas
zu sagen, wenn man die anderen zusammenhänge nicht kennt
wer, warum, wieso etc.etc.
die annahme von walterkunz,
steuererleichterung,- dagegen hätten wir aber nix !!!
grundsätzlich sind wir aber aus kulinarischen gründen auch
für eine erhaltung des wirtshauses, inkl. bauernschnapsen,( vielleicht
für uns ohne gesangsdarbietungen ).
aber kurz gesagt, es wäre schön, wenn die bevölkerung vermehrt auf
unsere guten produkte zurückgreifen würde. dadurch könnte sich
auch wieder ein grösseres interesse an der einheimischen küche
breit machen und das wirtshaus wäre wieder besser plaziert .
damit in verbindung wären auch die ausbildungstätten gefordert
( hotelfachschulen ) etc., damit die junköche verstehen, daß man
ausser mit " mozzarella-tomate " auch mit einer super regional-küche
sehr erfolgreich sein kann.
zum wirtshausambiente: da ist uns halt in graz aufgrund der "einheitsbrei-schick-verplattungs-lokale" einiges verloren gegangen
...da gibt es in wien ja noch einige schmankerln.
also zusammenfassend sind wir der meinung, hier müsste eine
" ess-kultur spritze " alla italia verabreicht werden, aber wenn ich mir
so den nachwuchs in masse ansehe, hat der junk- food america style
schon recht gute arbeit geleistet.
aber dieses thema ist natürlich seitenfüllend und sicherlich leichter zu diskutieren,als es schriftlich abzuhandeln.
aber was solls,- wir freuen uns vorerst mal auf einen besuch im stern !
p.s.: comeback der dirndeln!!!! (überschrift eines kochmagazins)
bei uns zu hause gab und gibt es die kornelkirsche schon
immer und nicht als comeback. würde die dirndel auf der wirts-
hauskarte stehen, wüßten viele,daß es sich nicht nur um eine
Tracht handelt. nur ein kleines beispiel zur ess- und damit
verbundenen wirtshauskultur....
aber es sieht leider so aus (nicht neg. gemeint),als reißen sich die
dirndeln die haubenlokale unter den nagel.
PundE, 03.12.09 @ 14:15
schwierig
walterkunz, 03.12.09 @ 09:05
Ich denke, der konsternierte Verfasser des obigen Artikels gehört der österreichischen Gesellschaft an, ob er will oder nicht, sofern er nicht als Eremit auf einem hohen Berg lebt und sich von den Früchten des Waldes ernährt. Meiner bescheidenen Meinung ist die Gesellschaft die Zusammenfassung von etwa acht Millionen Individuen, somit nicht unbedingt eine sehr homogene Masse.
In der Einladung zur Pressekonferenz steht manch Eigenartiges, Geschwollenes, sicherlich, und mit dieser Werbekampagne scheint eine bestimmte Gruppe des heimischen Wirtschaftslebens Steuererleichterungen, Förderungen oder sonstige Erleichterungen anzustreben.
Allerdings, wenn ich an den erst kürzlich von PundE initiierten Blog übers Gasthaus denke, verstehe ich, dass dieses manchen abgeht. Nur, das Geschehen wird nicht von Pressekonferenzen geregelt, sondern von Angebot und Nachfrage, vom Markt, vom Wunsch des Kunden. Wenn immer mehr Menschen verschiedenste Lokaltypen und Küchenrichtungen aus der ganzen Welt dem klassischen Gasthaus vorziehen, wird das zwangsläufig zur Verringerung dieser Betriebe führen, das muss man das akzeptieren, allenfalls zähneknirschend.
dschungeltier, 02.12.09 @ 19:31
"Die Wirtshauskultur ist traditionell identitätsstiftend"
irgendwie stellen sich da alle meine haare auf
OberkllnerPatzig, 02.12.09 @ 18:50
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