Home | Blogs | Das Weinlog | 16.10.05
Das Weinlog
16.10.05 @ 13:30
Was weiß WEISS, das ROT nicht kann?
Kommentar abgeben
Sie müssen eingeloggt sein um diese Option zu nutzen. Falls Sie noch nicht Mitglied von SPEISING.NET sind, können Sie sich hier registrieren.
Fortsetzung der Farbdiskussion mit unlauteren Mitteln. Eine Provokation.
Diese Geschichte ist nicht auf meinem Mist gewachsen, aber ich erhielt Anregung dazu durch eine fast beiläufige Bemerkung eines in seinem Leben hauptsächlich mit Wein befassten Menschen, die ich bei näherer Betrachtung für durchaus diskussionswürdig erachtete. Der Form halber schicke ich aber zunächst eine Grundhypothese voraus:
Rotwein ist in den Köpfen der Menschen, ob Weintrinker oder nicht, als die hochwertigere, wertvollere, renommiertere, ruhmreichere Weinvariante verankert.
Und so sammelt der Weinkenner eher Rotwein, wird Rotwein gewählt, wenn ein Geschenk zu machen ist. Selbst ein Weißweinland wie Österreich nützt jede Gelegenheit, um sich im internationalen Vergleich auch in seiner Rotweinwertigkeit ganz vorne zu platzieren.
Mit welcher Begründung kommt nun ein Weinmensch dazu, Weißwein als die spannendere, vielschichtigere Art darzustellen? Ich habe noch das süffisante Lächeln vor mir, mit dem die Bemerkung garniert wurde, dass Rotwein, um zu bemerkenswertem Ausdruck zu finden und bestehen zu können, immer des Holzfasses, vornehmlich des kleinen bedürfe. Und auch das Aromarad, jenes Verkostungshilfsmittel, das die verschiedenen Aromazuordnungen auflistet, zeige doch eine wesentlich größere Bandbreite an Möglichkeiten bei Weißwein!
Wohltuende Worte für eine passionierte Weißweintrinkerin wie mich, aber haltbar? Ich denke an die Vielfältigkeit bei jungen, frischen fruchtigen Weißweinen; denke an die Veränderungen der Aromen, wenn sich der Reifeprozess einstellt, denke an die unnachahmlichen Möglichkeiten im süßen Bereich. Und mir fällt jene Geschichte unseres Bürgermeisters ein (das fällt jetzt in den unlauteren Bereich), in der er einen Zweigelt hochleben ließ, weil er zu solcher Dichte ganz ohne Holz fähig sei - was belegen würde, dass Rotwein in bestimmter Qualitätsausformung, wie sie von Rotwein eben erwartet wird, als Stahltankgeschöpf nicht zu erwarten ist (http://www.speising.net/winzer/weblog/?detail=28104 )
Der Korrektheit halber muss ich noch anfügen, dass ich außer spannenden Weißweinen eine Rotweinsorte als ähnlich hingabetauglich empfinde, den Pinot Noir.
In Erwartung leidenschaftlicher Repliken verbleibe ich sonntäglichst
23 Kommentare | Kommentar abgeben
Minimalist, 24.10.05 @ 12:00
molto profumo
Zurück aus dem Golf von Salerno (unfallfrei zwischen Neapel und Salerno und zurück!).
Arbeit? Abseits der Strasse scheint es eine kampanische "Gemütlichkeit zu geben (auch bei den Softwerkern!)
Be Wein war Feudi die Sang Gregorio und Mastroberardino war mein Ziel. Und? Ja wunderbar.
Aber, 03, Fior d'uva Furore Bianco, Marisa Cuomo, Costa d'Amalfi!!; 50% Fenile, 50% Ginestra.
Der Wirt: "molto profumo". Mehr kann ich nicht sagen. Süd-Früchte, Sommerr-Blumen, Gewürze,.. der beste Weisswein seit langem.
Die Herausforderung im gleichen "Atemzug": ein 01, "Montevetrano", Costa di Salerno, CS, ME, Aglianico.
Wunderbar vielschichtig, aber kein "Leiberl"
weiss: EUR 33
rot: EUR 90
Hot-Volant, 24.10.05 @ 03:41
Nachtrag zu Rot versus Weiß
Meine gefühlsmäßige Einstellung zur Güte und Qualität kann ich doch ziemlich deutlich an folgenden Klischees festmachen. Vor dem Weinskandal, war weißer Wein der Wein des Heurigen, manchmal auch mit ein wenig Wahrnehmung der Rebsorte. GV oder Riesling waren die bekannten Sorten. Und Tokayer, den ich auf Ungarnreisen bis zur Besinnungslosigkeit soff. Der galt als etwas Besonderes.
Ich kann mich noch erinnern, als ich das erste Mal bewußt Muskat-Ottonel, Neuburger, Sämling, Riesling-Sylvaner verkostete und da so etwas wie einen Unterschied schmecken konnte.
Wenn man in einem Restaurant auf "das Mädel" Eindruck machen wollte, so bestellte man am besten einen SchatonöffdüPab, das kam gut an. Man konnte immer sicher sein, dass es eine "edle" Bestellung war, selbst wenn man am nächsten Tag Kopfweh bekam. Rotwein am besten französisch ist gleich teuer ist gleich bessere Qualität. Wenn man wirklich unedle Absichten hatte und einen gewissen Hemmschwellenabbau beim Gegenüber erhoffte, reichte das Geld beim Weißen für zwei Flaschen. Das war dann die Gelegenheit, Patriotismus zu zeigen. "Der österreichische Wein ist genauso gut, wenn nicht besser. Aber dann sollten wir besser einen weißen trinken."
An einen nicht so guten Rotwein kann ich mich auch erinnern. Eines der größten Besäufnisse im Zwölfapostelkeller war durch eine Unmenge von Stierblut charakterisiert. Ich schwor mir, nie wieder dieses süße G'schlader zu trinken, bei dem man die Grenzen so leicht übersehen kann.
Was allerdings fein war, waren die italienischen Weißweine, durch die wir uns in den Siebzigerjahren am Gardasee durchkosteten. Da gab es die an sich durch nichts begründete Vermutung, dass es edler wäre, weiße Weine zu bestellen. Und die waren auch noch in der heutigen Erinnerung fantastisch. Es war das erste Mal, dass wir zu jedem Gang einen anderen Wein tranken, weil die nicht ausgetrunkenen Flaschen für uns aufgehoben wurden und zum Abendessen oder am nächsten Tag ausgetrunken werden konnten.
In der Zeit zwischen '88 und '93 konnte ich oft auf Geschäftsspesen speisen. Die Weine sollten allerdings nicht zu teuer sein, sonst maulte der Chef. Daher versuchte ich bewußt, die Gäste auf weiß hinzutrimmen. Damals gab es noch das Restaurant Brahms in der Favoritenstraße und die Restaurantbesitzer halfen mir da auch sehr gekonnt. Der Weinkeller vom Restaurant war aber an sich recht imposant. Dort trank ich das erste Mal von einem Wein aus St. Margareten, der damals ab Hof 180 ÖS gekostet hatte.
Und heute ist gefühlsmäßig der rote, und zwar der rote österreichische emotional als wertvoll besetzt, weil ich mich einfach stolz fühle, dass Österreicher einen so qualitativen Rotwein herstellen können. Mit oder ohne Holz ist mir da egal, in der Hinsicht bin ich nationalistisch. Für mich stellt der burgenländische Rote so etwas wie einen Bestandteil des Heimatbegriffes dar, so ähnlich wie Stahl aus der Voest oder die Tauruslokomotive, die mich jedesmal mit nationalistischem Österreichstolz erfüllt. Sie schaut so viel schöner als als jede Lokomotive eines anderen Landes. Und meistens ist sie knallrot!
Hot-Volant, 22.10.05 @ 23:39
Barrique oder nicht Barrique ...
das sei jetzt vollkommen dahingestellt. Zwei vollkommen unzusammenhängende Ereignisse kommen mir in den Sinn.
Bei all dem Gerede über Pinot Noir - angeblich soll ich ja eher ein Cabernet Sauvignon Typ sein - hatte ich gestern noch echte Lust auf einen Pinot Noir.
Nachdem das Hummel, wo sich meine Freundesrunde tarockierenderweise zurückgezogen hatte, jetzt schon um Mitternacht schließt, (wo sind sie hin, die Zeiten, als man dort noch um halb zwei ein ungesundes Cordon Bleu bestellen durfte?) gesellten sich drei der Tarockierer noch auf ein Fluchtachterl ins Panigl. Es gab aber keinen offenen Pinot. Nach dem ersten Achterl vertschüßte sich ein weiterer Freund, danach tranken wir noch jeder 2 Achterl. Macht insgesamt 7, die Flasche wäre sich also schon ausgegangen. Stattdessen gab es einen CS vom Pittnauer und einen Sangiovese, dessen Name ich vergessen habe. Bardiola oder so ähnlich.
Moral von der Geschichte. Am besten, man ist ehrlich zu sich und weiß, dass es nicht bei einem Glaserl bleibt, dann kann man auch das bestellen, worauf man wirklich Lust hat.
Geschichte 2: Es gibt noch eine andere Art, Fässer und ihr Holz zu geniessen. In Japan, - ich glaube, es war in Nara - wurde ich einmal zum Mittagessen eingeladen, wo das gesamte Restaurant aus Fässern bestand. Jeder Tisch war sein eigenes Fass, in dem ungefähr 4 Personen Platz fanden. Die Kellnerinnen huschten von Fass zu Fass und brachten Futter und Trank. Ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt. Der Ordnung halber möchte ich aber erwähnen, dass es Sakefässer waren.
Und als Ergänzung sei noch hinzugefügt, dass die Japaner mit Sake einem ähnlichen Kult wie wir mit dem Heurigen huldigen.
In der Nähe von Osaka wurde ich einmal zu einem solchen Sake-Heurigen eingeladen. Ich glaube, dafür benötigt man gute Freunde, dass man dort als "henna gaijin" (verrückter Ausländer) hingeführt wird.
alma, 20.10.05 @ 19:59
Barrique Phobie
Schick in Barrique denkt sich so manche/r, aber angeschmacks von unschicklichen Holzversuchen kann schon eine gewisse Phobie auftreten - wenn etwa jeder zweite Zweigelt aus dem Weinviertel in gar süßer Holzverkleidung auftritt. Oder ähnliches. Auch Spanien ist gut darin gg
profiler, 20.10.05 @ 11:07
@minimalist
post kommt nächste woche
gruss
Minimalist, 20.10.05 @ 11:06
Angst, Vorsicht?
schon fast auf einem Businesstrip nach Salerno (freue mich auf Feudi di San Gregorio und Mastroberardino Weine, w u r).
Angst? Ich bin einfach vorsichtig, wenn mir jemand der 80 Zigareten am Tag (und Zigarren) raucht oder in der Nähe von Kokereien, Zellstoffanlagen,.. wohnt,...., Weine empfiehlt.
Denn ich beobachte eine deutliche Zigaretten/Holz Korrelation.
Trotzdem nichts gegen den feinfühligen Holzeinsatz.
-hs, 19.10.05 @ 23:29
Vogelgrippe!
Derzeit geht ja wieder die Angst vor der Vogelgrippe um und bedroht Fluglinien, die Existenz von Geflügelzüchtern sowie das allgemeine Wirtschaftswachstum.
Für mich ein weiterer Fall von irrationaler Risikobewertung der ersten Kategorie (wie SARS, Rinderwahn Flugangst und viele andere).
Eine ähnliche Widersprüchlichkeit vermeine ich (in aller Ehre) zu orten, wenn die Angst vor dem Holzfass oder Robert M. jr. umgeht.
Worin liegt das Problem, einen Wein zu mögen den auch Robert M. schätzt nur weil es auch welche gibt bei denen die Geschmäcker differieren? (Die möglicherweise problematische Preisentwicklung will ich hier beiseite lassen.)
Und wie kann man (frau!) angesichts eines Barriques in Panik verfallen (okay ich übertreibe) zugleich aber angeschmacks der Burgunder von Méo-Camuzet ins Träumen geraten?
Daher auch bei dieser Gelegenheit ein Lob der Blindverkostung!
Minimalist, 19.10.05 @ 10:04
Die Bauchreihenfolge
Gestern im Selbstversuch: 6 Weine, die ich immer und immer wieder trinken möchte; ohne Nachdenken in Sekunden hingeschrieben (in dieser Reihenfolge).
00, RS Vinotheksabfüllung, Knoll, 90; Monfortino, G. Conterno; 90, weisser Hermitage, Chave; 86, Mouton; 6? (vergessen), Romenee Conti, 97, Singerriedl, Hirtzberger.
-ad-, 19.10.05 @ 09:02
Balance
Riesling gegen Cabernet ist natürlich unfair; bei Pinot bin ich natürlich ganz bei Pastinake.
Balance ist das hehre Ziel jedes Weines; wenn aber ein Roter ein Gutteil seiner Struktur und Ausgewogenheit aus dem Umstand langer Holzfasslagerung bezieht, dann spricht das für das von mir grundgelegte Weißweinargument.
Was ja wiederum nichts gegen die Subjektivität und Umstandsbezogenheit von Sinnesfreuden im Schilde führt!
katiza, 18.10.05 @ 19:09
Weiß und Rot und Stimmung
Aus dem wilden Westen kommend, waren die ersten Weine, die ich vom Vater genießen gelernt habe auch eher Rote - neben den Südtirolern auch der eine oder andere Franzose, später dann mit Freundinnen ein Glas Chianti, weil Italien so schön ist. Den Weißwein trank ich nur gespritzt. Als Kellnerin im Wiener Studentenbeisl lernte ich den Unterschied zwischen Veltliner und Welschriesling (die einzigen zwei Sorten auf unserer Karte, Roten gab es mehr) nach dem Motto "Zum Spritzen, nimm den Rielsing". Erst die angeheiratete niederösterreichische Verwandschaft brachte mir Neuburger, Morillon, sauvignon und andere gute Weße nahe. So nach und nach lerne ich den Weißen schmecken und lieben. Da geb ich den TraubingerInnen gerne recht, die Vielfalt ist gewaltig.
Wenn' s aber - der Herbst steht vor der Tür und die ersten Nebelschwasen wabbern schon daher - ein leicht pathetisch, melodramatisches, melancholisches Glas Wein (oder zwei, drei) an einem stillen Abend mit traurigem Buch sein soll, greife ich gerne zum schweren Roten. Auch zum französischen Spielfilm darf es rot sein. Schreiben tu ich auch gerne mit Rot. Für die herzliche Runde mit lieben Freunden, die die Kälte vor der Türe lässt, ziehe ich mittlerweile aber den Weißen vor. Während des Kochens trinke ich auch gerne Weiß (außer ich koche mit Rot). Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.....
noapino, 18.10.05 @ 17:43
Laut und Leise
Zweifellos gibt es einige hocharomatische Weißweinsorten wie Sämling, Muskateller, Sauvignon und Rieslang, aber doch auch etwas dezentere wie die Burgundersorten und Grüner Veltliner. Trotz manch anderslautenden Meinungen würde ich auch Viognier und Marsanne eher zur zweiten Kategorie zählen.
Aber bei Rotwein ist es doch ähnlich: Dolcetto, Barbera, Zinfandel und Zweigelt sind im allgemeinen aromatischer als Grenache, Merlot und Blaufränkisch. Bei Cabernet, Pinot und Syrah kann man wieder diskutieren.
Aber hier das eine dem anderen vorzuziehen, wäre ähnlich als zöge man laute Musik der leisen vor (oder umgekehrt) oder aber die in der mehr unterschiedliche Instrumente, Harmonien, Rhythmen oder gar Töne vorkommen...
Zeigt sich Qualität nicht eher in Kategorien wie Komplexität, Subtilität, Finesse und Balance? (Ganz und gar kraftlos sollte das Ganze dann nach Möglichkeit auch nicht sein.)
pastinake, 18.10.05 @ 17:07
Lange gegrübelt
habe ich, liebe Angelika, über Spannung und Vielfältigkeit von Weiss oder Rot. Das ist eine gefinkelte Fragestellung! Wenn ich 2 Rebsorten rot und weiss vergleiche: z. B. Riesling gegen Cabernet Sauvignon. Riesling siegt bei mir eindeutig, ich halte ihn für ein echtes Chamäleon. Aber am 2. Platz wäre bei mir auch schon der Pinot Noir.....
Ich glaube, ich grüble weiter, am besten mit je einer Flasche weiss und rot!
Minimalist, 18.10.05 @ 09:37
Die Farbe des Kellers
In meinem Keller hat eine Transformation stattgefunden. Von beinahe nur rot zu 70% weiss.
Grübel, grübel: ich beobachte, dass meine "Nase" (und auch der Gaumen) mit zunehmendem Alter zu "schwächeln" beginnen.
Und ich glaube, dass ich, durch den Nebel, aus den Weissen mehr Vielfalt herausrieche/schmecke.
Vielleicht ist es aber auch nur die diffuse Angst zum Parkerwein-Liebhaber zu mutieren?
-hs, 17.10.05 @ 23:08
Faktor 7
eine kurze Bestandsaufnahme zeigt: in meinem Keller harren gut sieben mal soviel mit Rotwein wie mit Weißwein gefüllte Flaschen der Entkorkung. (Süß und Schaum nicht gerechnet.)
Auch für die Anzahl Weine, für die ich mir in den letzten Jahren Notizen gemacht habe, gilt das gleiche Verhältnis.
Beim Verbrauch dürfte die Relation nicht ganz so extrem sein aber auf 3:1 (diesmal geschätzt) wird sie wohl immer noch kommen. (Der Unterschied erklärt sich wohl dadurch, dass die Weißen doch etwas weniger lange auf die Erfüllung ihres Schicksals warten müssen und ich beim Essen selten Notizen mache.)
Somit kann ich eine deutliche Rotweinpräferenz (mit oder ohne Barrique) kaum leugnen, möchte aber keineswegs die Weißweine Österreichs, des Burgunds, des Elsass und (horribile dictu) Deutschlands missen.
(Letztere müssen ja nicht unbedingt korken und zu eigenwilligen Salzburger Nockerl Abwandlungen serviert werden. ;-)
Bedeute das nun, ich wäre holzfixiert und zu engstirning, die Variationsbreite von Weißwein zu erkennen? Wer weiß?
alma, 17.10.05 @ 20:12
ungebührlich
Wieso war ich nicht dabei, chèr Minimalist? Da lag viel Freude in den Gläsern! Und einem Ausflug zu profiler tät ich mich auch anschließen ....
Doch zurück zur Holzfrage: bei der Architekturausstellung rund um den Wein (siehe vorhergehender Thread) kam mir angesichts der Barrique-Kathedralen (jene in Horitschon, im Arachon-Keller, kenn ich aus eigener Ansicht) der ungebührliche Gedanke, dass ein Teil dieser ausladenden Bauten nur deshalb benötigt würde, um die Barriquefässer wachsender Zahl unterzubringen. Was auch noapinos Statement, den roten Österreichern stünde Holz gut zu Gesicht, entspräche.
Minimalist, 17.10.05 @ 12:09
@profiler
Bitte, einfach der Redaktion erlauben mir Ihre Adresse zu geben. Ich komme gerne und halte dicht. Schreibe ich halt, "Tatort: Lieblingswestösterericher?". (Allerdings, die [schrecklichen] 13er Partie von gestern bringe ich nicht zusammen).
profiler, 17.10.05 @ 11:28
@ minimalist
solche gäste würde ich mir auch öfters wünschen.
gleichzeitig muss ich zugeben, selbst schon an solchen gelagen teilgenommen zu haben. da existiert zum beispiel die gewissheit einen 90 er cheval blanc, 90 er chambertin rousseau,
89 er ducru, 90 er montrose an einem abend getrunken zu haben, nur, mir fehlt jegliche erinnerung daran. ewig schade.
mit mitleidigem gruss bezüglich des körperlichen zustandes
Minimalist, 17.10.05 @ 09:45
weiss-weiss-rot-weiss-rot-weiss
Tatzeit: 16-Oct-05, 14:00 bis 24:00
Tatort: Lieblingsinder
Tatgegenstand: 9 gängiges indisches Menü mit Wein. Geht indisches Essen mit Wein überhaupt? Ja, aber nicht so einfach. Bestimmte scharfe Gewürzmischungen (rote) machen die schönste Säure zur Bitternis.
Wie auch immer, ein Auszug: Lamm mt einer Minzesauce verstärkt durch eine puristische Minzecreme (die beste, die ich je hatte): Versuche dazu: Hiedler, Riesling, Maximum, nein! Süsse Muskateller Auslese, Koll, nein! Prieler CS Ungerbergen 2002, Ja!
Die weitere ?schreckliche? Folge: 04, GV, Loibenberg, Knoll, 04, GV SM Reserve, Alzinger; 04, GV SM Honivogl, Hitzberger; 03, Pinot Noir Reserve, Schneider; 04, Neuburger SM. Hirtzberger, 01, GV Lamm, MG, Gobelsburg; 02, BF Goldberg, Prieler gleichzeitig mit, 02, BF Mariental, ET; 02, Honivogl, MG; 02, RS "M" MG, FX; 00, RS Vinotheksabfüllung, Knoll; 99, Mariental; 96, Montrose gleichzeitig mit 96, Grand Puy Lacoste; 01, Ornelaia.
Und dann (schon ziemlich benebelt) ein Reparaturwein: 01, Singerriedl und ein Reparaturbier (Kingfisher).
Und heute? Don't ask! Aber aufrecht.
Jedenfalls, in 100%iger Übereinstimmung mit CW, nicht w oder r sondern UND. UNDbedingt.
andreasbigler, 16.10.05 @ 23:49
rot - weiß - rot ....
aber trotzdem gibt es in unserem Land wohl nichts Spannenderes als die Weißweine, denn diese Vielfältigkeit kann nur schwer überboten werden, also sollten wir unsere Flagge auf "Weiß - Rot - Weiß" ändern, zumal wir ja noch immer mehr Weiße, als Rote vinifizieren (nur auf den Wein bezogen) .....
Hot-Volant, 16.10.05 @ 23:08
in Österreich ist das ja ganz einfach ...
Wie kennt man in Österreich den Weißen? Als G'spritzten beim Heurigen oder sonst wo. Ich kann mich erinnern, dass Almdudler sogar Werbung gemacht hat, wie gut man (Weiß)-Wein mit Almdudler strecken kann. Tirili, Tirilu, mit oder ohne Wein, - Almdudler muss es sein.
Wir sind ja auch stolz darauf. Der G'spritzte hat immer Saison und ist erschwinglich. Das Aroma muss frisch und eher sauer sein, sonst kommt es zusammen mit der Kohlensäure nicht gut zur Wirkung.
Dann trinken wir einen "richtigen" Weißen. Der muss doch zuerst einmal ganz fad wirken. Da muss man schon sehr aktiv schmecken, um die feineren Töne zu entdecken.
Der Rote ist da ganz anders. Ein gespritzter Roter schmeckt fast schon wie Himbeerwasser. Das passt nicht.Ergo - rot ist edel.
Tja, gilt vermutlich nur für Österreich, aber die meisten der Leser kommen ja von hier.
noapino, 16.10.05 @ 22:28
wer weiß.....?
Die Frage der Präferenzen ist für mich etwas differenzierter zu sehen. Heute möchte ich nur kurz auf die Argumente des süffisant Lächelnden eingehen:
a)Rotwein benötige stets einen Holzton, um interessant zu sein.
Einspruch!
Das mag vielleicht in gewissem Umfang für (junge!!) Bordeaux gelten, deutlich mehr für die neue Welt, italieneische IGTs und (leider auch) Österreich sowie für einen bestimmten Typus (junger!) Burgunder.
Keineswegs gilt dies jedoch für Châteauneuf-du-Pape und für rote Burgunder generell nicht mehr als für weiße. Auch im Piement wird eine Reihe von Weinen gekeltert, die dieser Beschreibung spotten.
Ganz generell traue ich mir auch nicht zu, bei gelungenen Weinen die älter als 10-15 Jahre sind, mit einiger Sicherheit zu entscheiden, ob sie in ihrer frühkindheitlichen Phase mit jungen Holzfässern in Kontakt waren oder doch nicht.
Zum Punkt zwei: Es gebe mehr unterschiedliche Weißweine als Rotweine.
Naja.
Wäre das alleine (so es denn stimmte) schon ein stichhaltiges Qualitätskriterium?
Wäre Popmusik oder (noch schlimmer) volkstümliche Musik den paar Wagneropern schon allein deshalb vorzuziehen, weil es mehr davon gibt?
profiler, 16.10.05 @ 20:25
hauptsache guter wein....
der überaus interessante text der verehrten frau deutsch hat mich dazu veranlasst, einmal kurz resümee zu ziehen, über das von mir bisher getrunkene in den vergangenen zwanzig jahren, denn solange befasse ich mich jetzt, anfangs weniger seit fünfzehn jahren intensiv, mit wein.
aufgrund meines berufes komme ich, gottseidank, immer wieder in die glückliche situation, nicht nur alltagsweine, sondern auch in den hohen und höchsten kategorien der weinwelt herumzuschmecken und zu kosten.
aber ich kann, für meinen teil, beim besten willen keine präfernz, ob rot oder weiss, abgeben. natürlich gibt es dinge die man sehr, und welche die man weniger liebt.
aber alles in allem, wenn man es in die waagschale werfen könnte, steht es doch bis jetzt unentschieden.
irgendwie hoffe ich sogar, dass es so bleibt. denn wenn ich mich entscheiden müsste, mir ginge es so wie dem esel zwischen den beiden heuhaufen.
ChristophWagner, 16.10.05 @ 19:01
Ich bin auch ein Weißweintrinker...
...allerdings nur so lange, bis ich dann, über kurz oder lang, zum Rotweintrinker werde. Ich beginne (gerne nach einem Glas Champagner oder einem Pfiff Bier) mit Weiß (von Welschriesling bis Montrachet) und setze mit Rot (von Stahltank-Zweigelt bis La Tâche) fort. Gottlob entspricht dies, alles in allem, auch der überlieferten Menüfolge. Zum Käse trinke ich, obwohl ich deshalb immer häufiger scheel angeschaut werde, gerne meinen Rotwein weiter oder lasse einen neuen aufmachen. Und zum Dessert (so ich eins nehme) liebe ich — encore du champagne, weiß oder rosé, Hauptsache gut.
Das ist, ich gebe es zu, ein nicht wirklich differenziertes, aber doch recht praktikables alkoholisches Vademecum, das mir eine mittlerweile drei Jahrzehnte währende Tour de force durch den Makrokosmos der Feinschmeckerei bis dato bei hohem Komfort un dleidlicher Gesundheit (Mineralwasser dazu nicht vergessen!) ermöglicht hat.
Süßwein ist was anderes, Port schon gar, und natürlich Zigarren, Whisky, Cognac, Brände etc. Das sind die mikrokosmischen Disziplinen der Gourmandise.
--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]
--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 06.05. @ 11:56
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33