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Das Weinlog

06.04.06 @ 22:17

Bio-Dynamik als Gegenstrategie zu industrieller Weinbereitung?

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Die Diskussion um Designerweine verläuft weiterhin sehr emotional und immer irrationaler, Schlagwörter wie Eichenchips, Wasser im Wein und Spinning Cone-Columns versetzen patriotische Weinfreunde in helle Aufregung. Dass diese Designerweine schon seit Jahren in den Regalen österreichischer Supermärkte stehen, ist nicht bis zu allen vorgedrungen. Die Urheber jeglicher Weinmanipulation werden in den USA geortet, dass aber auch Vorreiter im bio-dynamischen Weinbau in Kalifornien zu Hause sind, wird gerne verschwiegen.

Und jetzt auch noch das: Auch Frankreich will Eichen-Schnitzel einsetzen, um die Weine mit künstlichen Barrique-Aromen anzureichern. „Unter dem Konkurrenzdruck der Weine aus der "Neuen Welt" erlaubt auch Frankreich seinen Winzern den Einsatz moderner Techniken. Das Landwirtschaftsministerium in Paris erklärte, künftig dürften die Weine mit Holz-Chips aromatisiert werden. Dieses Verfahren sei bereits von der Europäischen Union zugelassen und werde bald in nationales Recht umgesetzt.”

Auch in Österreich gab es schon angemeldete Versuche und es wird nicht lang dauern, bis die Eichenchips auch bei uns verbreitet zum Einsatz kommen. Das ist absehbar. Wie sollten sich österreichische Winzer, die Weine auf traditionelle Weise bereiten nun positionieren? Je industrielle die Weinerzeugung auf der einen Seite wird, desto mehr ist auch ein Trend zu traditioneller Weinbereitung zu merken. Immer mehr Winzer versuchen es mit bio-dynamischer Bewirtschaftung, wie man so hört. Offenbar wollen beispielsweise alle Pannobile-Winzer mittelfristig auf Bio-Dynamik umstellen.

Diese homöopathische Weingartenpflege hat sich offenbar zu einem anerkannten Gegenpol zur Industrialisierung im Weinbau entwickelt. So etwas wie eine Reinheitsgarantie für den Wein, immerhin international bekannt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere lenkenden Weinwirtschaft-Verantwortlichen eine bessere Gegenstrategie erfinden können. Schaun wir uns nur mal an, wie das mit der Herkunftsgarantie schleppend und verwirrend umgesetzt wird. Zieht sich schon über Jahre – mit dem Ergebnis, dass jetzt alle glauben, dass DAC für Grünen Veltliner steht. Das Weinbaugesetzt ist streng und vermutlich auch wirklich gut, aber sogar interessierte Konsumenten haben mittlerweile den Überblick verloren. Wie kann der Endverbraucher sicher gehen, dass er konventionell bereiteten Wein in der Flasche hat. Was sollte am Etikett stehen? Könnte es eine gemeinsame Deklaration der Winzer geben? Oder ein Reinheitsgebot von Josef Pröll?

10 Kommentare | Kommentar abgeben

Minimalist, 18.04.06 @ 09:17

Grand Cru Lagen
Ich glaube die beste Gegenstrategie der "Kleinen" wäre "Klassifizierung".
Sorry liebe Kremstaler und Kamptaler (ich liebe Eure Spitzenweine!), aber die GV, RS Grand Cru Lagen liegen in der Wachau?!
Grand Cru hilft auch einmal über eine Schwäche hinweg.
Dieses Wochenende habe ich einen mittelprächtigen 00, Clos de Vougeot, Meo Camuzet getrunken. Ist aber trotzdem teuer.
(und einen himmlischen 03, GV Reserve, Alzinger; natürlich zu jung).

-hs, 16.04.06 @ 13:09

Stradivari und Authentizität
bekanntermaßen ist nicht alles was hinkt ein Vergleich. Dennoch: Irgendwo (vielleicht gar in diesem Bezirk?) bilde ich mir ein, unlängst gelesen zu haben, Stradivaris Geigenbau wäre absolute Hochtechnologie des Wechsels vom 17. zum 18. Jahrhundert gewesen.
Auch wenn es nach wie vor nicht möglich ist, gleichwertige Streichinstrumente zu bauen, so verstehen wir unter diesem Begriff heute Anderes.

Ich sehe auch den Einsatz moderner Methoden in der Weinbereitung à priori durchaus nicht negativ, obwohl ich andererseits schon gerne wüsste, was der Winzer denn zwischen Kellerstiege und Spinning Cone so alles getrieben hat. Aber das ließe sich auch ohne mehrseitiges Begleitheft zu jeder Flasche lösen.

Das Hauptproblem scheint mir eher darin zu liegen, dass manche Winzer derartige Technologien einsetzen, um "halt besseren" Wein zu machen. Etwas das im Niedrigpreissegment ja durchaus angehen mag, aber in der Topkategorie suche ich nicht einfach nur sehr guten Wein, sondern Individualität. Und wenn dann ein Pinot Noir wie ein Zinfandel schmeckt, ein Pommard wie ein Chambolle Musigny oder der Chambertin von Rousseau wie der von Bouchard (was er nicht tut) dann wäre ich enttäuscht.
Gleiches gilt natürlich im Bordeaux, wenn beispielsweise Cos d'Estournel wie Caymus schmecken sollte (was auch – zumindest noch - nicht der Fall ist).

À propos: Wenn jemand nachlesen möchte, wie Jancis Robinson vom aktuellen Bordeauxjahrgang schwärmt, kann er das hier tun.

Klingt gut und teuer. Und das ganz ohne Beipacktext.

Minimalist, 14.04.06 @ 15:05

provokativ gesagt,
es ist wurscht, Weinbauern sollten sich nur überlegen, für WELCHES Markt-Segment sie gerne Wein machen MÖCHTEN , ob sie das auch kompromisslos-qualitätsvoll KÖNNEN und ob sie die ökonomische Grundlage dafür geschaffen haben.
Nur das zu tun, was die "Erfolgreichen" tun, kann zu wenig sein.
Mit "gewissen Kreisen" hat das gar nichts zu tun. Nur mit "Vermögen" und "Unvermögen".
Bordeaux 2005. Wir werden nur das subskribieren können, was uns die Powermärkte (vor allem Asien) übrig lassen. Biologisch dynymisch? Garage? High Tech?
MOUTON!! LATOUR!! "CEVAL BLANC"!!....

PICCOLO, 14.04.06 @ 10:56

Tradition
Der Weinbau ist anders als die normale Landwirtschaft eine reine "Spartenökonomie". Hier müssen aber auch bald andere Grundlagen geschaffen werden, sonst zahlt es sich für die Winzer nicht mehr aus zu bestehen.
Einerseits wird der Wein als Edelgetränk verherrlicht, andererseits kann es sich kein Bauer mehr leisten einen schlechtne Jahrgang zu produzieren, weil er wie jeder normale Bürger im Zwang der Wirtschaft liegt.

Gewisse Kreise hätten gerne dass es so altertümliche Gesellen wären die sonst nichts mmachen sollten als gutne Wein herzustellen, und das noch mit prähistorischen Mitteln. Die Frauen laufen halbnackt herum und er sitzt wie Dionysos im Keller ....

Ich glaube hier sollte einmal ein Durchbruch gemacht werden. Wer bei Molekularköchen die Gefährlichkeit verschiedener Mixturen nicht sieht, sollte beim Wein nicht so stur sein.

Ein Getränk, das unter strengen und nachvollziehbaren Umständen hergestellt wird, kann weit weniger schaden als ein ungesund gemischtes Essen, wo für den Gourmet nicht einmal nicht einmal fundierte Lebensmittelkenntnisse beim Erzeuger ein Rolle zu spielen scheinen...wie man immer wieder lernen muß...

Happy Easter!

pastinake, 13.04.06 @ 14:55

Danke für den Link zu Merum.
Gelesen und "haarsträub"!
Ich komme ja eher von der Speising-Seite und weiss, dass jedes Traditionalismus beim Kochen nicht automatisch gute Ergebnisse zur Folge hat. Das gilt auch für die Önologie.
Zitat aus Merum: " Wein, der so entsteht, wie der gutgläubige Weinfreund sich das vorstellt: Boden, Jahrgang, an Traditionen gebundenes menschliches Können und basta..."
Nach dieser Maxime sollten wir eigentlich noch Wein trinken, wie ihn die Römer erfunden haben und jeden Fortschritt der Önologie negieren. Neue Technologien können qualitätssteigernd sein oder nur zu Profitmaximierung eingesetzt werden. Sie grundsätzlich abzulehnen, halte ich für genauso falsch, wie biologisch produzierten Wein per se als qualitiativ gut zu befinden.

pivu, 13.04.06 @ 14:07

Reinheitsgebot
Davon halte ich überhaupt nichts. Am Ende kommt so etwas wie das Deutsche Reinheitsgebot beim Bier heraus, das auf dem Deutschen lebensmittelrecht aufbaut. Dort sind u.a. "Nichtzusatzstoffe" definiert, deren Liste ungleich länger ist als die der "Zusatzstoffe" ist, und die sehr wohl im angeblich reinen Bier enthalten sein dürfen.

-bd, 13.04.06 @ 10:45

weils grad dazu passt...
Merum fordert eine ”Charta des reinen Weins”. Damit soll den traditionell hergestellten Weinen im Zeitalter der Power-Önologie eine rettende Insel gesichert werden. Doch wie soll diese ”Charta des reinen Weins” aussehen? Welche Maschinen, Methoden und Mittel sollen für "reinen" Wein erlaubt sein, welche nicht?
Melden Sie sich zu Wort, bevor Politiker und Interessenvertreter für Sie entscheiden, wie rein „reiner Wein” zu sein hat!
Für die Umfrage und weitere Informationen klicken Sie bitte hier:
www.merum.info/de/24leserumfrage.lasso

pilzkopf, 10.04.06 @ 16:26

piccolo sehr frech...
..aber wahr! Nur ich meine das wird nicht aufzuhalten sein, denn wer will es den Weinbauern verdenken. Es gitb immer weniger gute Weitrinker... Die anderen denen ist es wurscht was sie trinken und was drin ist.

andreasbigler, 09.04.06 @ 19:39

Überladene "Pickerl"
Ich denke es ist jetzt schon verwirrend genug, für all jene, die vor dem Konsum immer den "Beipacktext" lesen, denn da steht zum Beispiel "lieblich" drauf und das ist eine wirklich große Bandbreite, was den Restzucker betrifft und es klingt meistens viel süsser und "ruppiger", als es dann schmeckt und ich selbst hab schon oft erlebt, dass ein Wein sehr gut bei den "Testern" angekommen ist, weil ich vorerst die Lieblichkeit verschwiegen habe und dann herrschte beim Einkauf eine gewisse Zickigkeit, weil da ja "lieblich" drauf steht.

Wenn wir wirklich den gesamten Herstellungsverlauf auf der Flasche deklarieren wollen (müssen), dann werden wir wohl wieder auf den Doppler zurück kommen, denn auf so einem niedlichen 0,75l-Flascherl wird das alles nicht mehr drauf passen ......

Ich für meinen Teil wünsche mir nur, wenn es dann auch in Österreich einmal so weit sein wird, dass "Sogschartenwein" drauf stehen muss, wenn der edle Rebensaft niemals ein echtes Holzfass "gespürt" hat!

PICCOLO, 07.04.06 @ 15:44

Kein Wein ist so rein...
Es ist wie mit der unbefleckten Empfängnis, der gute Christ glaubt und wird selig dabei. So scheint auch dem Wein jetzt endgültig seine Götzendämmerung anzubrechen, das Kapital richtet sich nicht nach Bodernbeschaffenheit, Lage oder Jahrgang mit endlosen Risiken für den jetzt immer mehr in die Geld - Abhängigkeit gedrängten Weinbauern.

Mein Freund und Weinbauer plaudert aus der Schule. Von irgendwelchen Bio Wein, oder Reinheitsgeboten zu reden ist wie das angesprochene Dogma, logisch aufzuarbeiten eine höchst widersprüchliche Sache. Der Schmäh rennt beim Wein wie überall in der LAndwirtschaft wo große Verbände das Sagen haben.

Aber : Was machen wir denn wenn die Gärung nicht anspringt, was wenn sie nicht richtig stoppt oder stecken bleibt? Chemische Trockenhefe. Gärführung mit Enzymen. Dutzende Nebenprodukte die sich so nett lesen wie etwa Buttersäureethylester oder Isobutanol. Dann ganz feine gute liebe Filtrationsenzyme, Glucanase und Pektinase Präparate zum Schmuck.

Am Ende aber muss der Wein „munden”. Und wenn er nicht mit seiner Chemielast aus dem Rahmen die zulässigen Grenzwerte fällt, ist das eine Entwicklung die nicht so schlimm ist. Ich begrüße das, sie gehört zur Zeit wie die Experimentier Laborköche. Freiheit!

Sie gibt aber auch unseren Weinbauern die Möglichkeit Eigenbau Designergetränke zu verkaufen. Ziemlich billig sogar.
Ich glaube hinter dieser auffälligen Wehrhaftigkeit sind jene Weinritter die ihr großes Geld mit billigen Getränken machen und eine Konkurrenz nur fürchten müssen. Schützt uns ja die Weinbauern, damit wir was zum Trinken haben.

Wenn der Thomas Muster ein Tschapperlwasser vermarkten kann....

Ich kann mir nicht vorstellen regelmäßig Redbull oder Power Horse zu trinken. Wer will schon jeden Tag Flügel haben oder so potent sein. Ich will sagen der Mensch säuft sowieso jeden Shit.

Wenn es jedoch ein Weingetränk geben würde, so mit 2 % Alkohol, leicht nach Himbeeren schmeckend, weil mit einem Aromaenzym zur Steigerung der Terpenverbindungen produziert (cis – Rosenoxyd). Ich würde das nicht dem Bier, jedoch vielen mir viel zu säurehältigen (PH Wert unter 3,0) Weinen, vorziehen. Wenn ich dazu noch wüsste dass dieses Getränk aus Österreich oder Deutschland stammt wo der Wein ohnehin wirklich gut hergestellt wird.. Es würdeauch in der Gastronomie eine gute Alternative zu stärkeren Alkoholgetränken und Limonaden sein.
Daher auch die Lobby gegen die in Ihrem Aufsatz angesprochenen Widerstände..
Denke ich so cirka, ungefähr...

Prosit!

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