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Restaurant 1070 (Wien)

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Es ist Sonntag Abend und die Dinge stehen schlecht...

Wer in Wien Sonntag abends Hunger hat, aber nicht kochen will - oder kann - , hat es meist nicht sehr leicht. Ein neues Lokal im 7. Wiener Gemeindebezirk allerdings reiht sich seit geraumer Zeit (einschlägige Kritiken gab es dazu schon) in eine Liste von Restaurants ein, die Hoffnung geben: Ja, es gibt sie noch, die gemütlichen Wirtshäuser mit Niveau, die auch sonntags für Gäste da sind! Und das mit einem Wohlfühlambiente, das in einer manchmal schon ungustiösen Schickimickiszene durchaus auffällt. Und mit einer kunstfertigen Besonderheit, die berauscht...
Das "Restaurant 1070", so der lakonisch-programmatische Name, ist vor allem von zwei einzigartigen Persönlichkeiten geprägt: von der charismatisch-natürlichen Hausherrin Dagmar Maria Wulz, einer gebürtigen Kärntnerin, und dem neugierig-kreativen Koch Patrick Sowa, der eigentlich nach Berlin wollte, fotografiert, tanzt und Musik macht. Die Kühnheit, die die beiden bewog, das "1070" aufzumachen, ist bewundernswert: sie kannte das, was er kochte, nicht, er kannte das, was sie pachtete, nicht. Die Liaison aus Kühnheit und Kreativität lässt nunmehr ein Restaurant aufblühen, das wohl bald kein Geheimtipp mehr sein wird...

Die "hard facts": Paprikafans, freut Euch! Was Herr Sowa aus dieser Frucht zaubert, grenzt an Physik - und zwar an extrem fruchtige. Nicht nur Konsistenz und Farbe, auch und besonders die geschmacklichen Nuancen scheinen eine unendliche Geschichte zu sein, sobald der junge Kreative sich darum bemüht. Selbstverständlich ist auch die stets marktfrische Ware eine wichtige Komponente, aber das versteht sich in dieser Branche ohnehin von selbst.
Den Schwerpunkt setzt man auf die mediterrane Küche, man will einkochen, beglücken, überzeugen. Und das gelingt auf unnachahmliche Weise: Während man sich gemütlich einrichtet, kommt gleich mal Brot und Wasser ("Das gehört zum Leben dazu, drum ist es gratis, eh kloar!"), diesmal Dinkelbrot mit Nüssen, Koriander und Schwarzkümmel und ofenfrisch ein Olivenbrot. Ja, es SIND Oliven, auch wenn man zunächst auf Kirschen tippt - die Fruchtigkeit ist verblüffend!
Wer mutig ist, lässt sich beim Menü einfach überraschen. Als besondere Herausforderung hatte ich die Bitte, keinen Fisch zu bekommen, Patrick Sowa kam dem selbstverständlich nach - und wie!

Als Beginn ein samtiger Monet: Vitello Tonnato (meine vorsichtigen Kostversuche bestätigten meine Meinung: ein harmonisches Ganzes, der Fisch verschwand im Wohlgeschmack), vom Kalbstafelspitz anstelle vom Kalbsrücken, abgerundet mit sensationell getrockneten Tomaten und einem Welschriesling aus der Südsteiermark.

Der darauf folgende strahlende Kandinsky: Paprikasalat mit Minze und Rosmarin, zart gebratenem Brie de Meaux und Serranoschinken ließ mich fast aufjauchzen, das Olivenöl nebst den schon erwähnten "Kirschliven" samt Paprikamus, welche über dem Ganzen verteilt waren, schafften es dann tatsächlich.

Der dritte Gang, Frida Kahlo at her best: Grießgnocchi, so pur, wie ich sie selten gegessen habe, angerichtet mit Pignoli, Salbei, Rosmarin, getrockneten und frischen Tomaten, umhüllt von intensiver Parmesancreme. Ein Gemälde, das unter die Haut ging! Dazu ein Glas GV, unerwartet rauchig und schwer, säurebetont, aber nicht aufdringlich, pfeffrig und sich immer und immer mehr am Gaumen entwickelnd - a Wahnsinn!

Das Dessert, wie kann es anders sein: Picasso, blaue Phase! Blassweiße Creme Caramel mit frischen, in Vanillezucker gebratenen blauen Trauben und Cassismus. Atemberaubend.

Damit man nicht so schnell vergisst, was echte Kunst ist, wird noch ein Trüffelchen nachgereicht, an diesem Abend versetzt mit Wasabi. Und was soll man sagen: ein echter Franz Marc!

Der Kaffee von Illy, einige Flaschenweine, gut sortiert, auch offene Weine, fünf Rot, fünf Weiß. Und feines Wiener Wasser - denn viel Wasser trinken ist Dagmar Maria Wulz ein Anliegen. Dass man in ihrem Restaurant gleichzeitig in eine andere Welt getragen wird, hält sie offenbar für selbstverständlich. Und genau das macht das Ambiente zu dem, was es ist: zu einem Gesamtkunstwerk, in seiner unaufgeregten Echtheit aufregend wie ein erstes Rendezvous im Pariser Louvre...

6 Kritiken | Kritik verfassen

Speising sagt

empfehlenswert

ø 2.17 Punkte (6x bewertet)

empfohlen von mazi am 07.03.09 @ 23:17

Adresse

Gutenberggasse 28
1070 Wien
Telefon: 0676.566 1774
Email: restaurant.1070@datonet.at

Ruhetag(e): Mo
Küchenzeiten: Di-So 17-1.00 Uhr
Menüpreis: €€

Inhaber: Dagmar Maria Wulz

www.restaurant-1070.com

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