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SPEISING Open
09.10.09 @ 14:47
Steak in Wien
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Gut, Österreich ist keine Steakkultur im engeren Sinne. Da gibt es mehr Fleisch in der Panier oder in diversen Safterln oder in der Suppe, als Fleischlaberl etc. etc., aber das gegrillte Fleisch wohnt in Österreich in den privaten Gärten und nicht im Restaurant. Und auch in den privaten Gärten kann der Grad der Fleischgrillunkultur leicht an der Menge an „Grilltassen“ die jährlich über die Budel gehen skizziert werden. Auch wenn man in Speising nach dem Wort „Steak“ sucht, gibt es nur wenige Suchergebnisse.
Das ist einmal so und ich nehme es auch zur Kenntnis. Was ich mich aber weigere zur Kenntnis zu nehmen ist, dass es in einer Stadt wie Wien (angeblich Großstadt) kein einziges Lokal mit einem vernünftigen Steak gibt. Zumindest bin ich bis jetzt in meiner Suche gescheitert. In Frankreich gibt es das Steak Minute (oft mit Sauce Béarnaise) quasi überall und meist in brauchbarer Qualität. Auch in Belgien gibt es da wenig Probleme. In Italien gibt es mit der Bistecca Fiorentina eine wahre Hochkultur in der Toscana, aber auch im Rest Italiens bekommt man überall ein anständiges Steak. In Kroatien, dem Land des Fogolars (ich muss mir auch so einen beim Wochenendhaus bauen!!!) gibt es natürlich ebenfalls hervorragende Steaks und gerade jetzt im Herbst mit einer menge Trüffel oben drauf. Mein bestes Steak überhaupt in all meinen Leben habe ich im Dorchester's Grillroom in London bekommen. Da werden mir 3 Jahre danach noch die knie weich wenn ich daran denke. Das perfekte Steak.
Aber in Wien – Nichts! Nicht nur kein perfektes Steak, sondern nichteinmal ein brauchbares Steak. Wenn man ein Steak „rare“ bestellt bekommt man es bestenfalls „medium“, und „medium“ ist „well done“ und „well done“ ist ein anderes Wort für „in der Küche ruiniert“. Alleine diese kollektive Panik vor dem rohen Fleisch macht die Suche nach einem vernünftigen Steak schon einigermaßen schwierig.
Versuche wie im Da Moritz eine Bistecca Fiorentina anzubieten sind gut gemeint aber nicht ernst zu nehmen. Der Renner hat Steaks auf der Karte und die Dinger schauen im rohen Zustand auch wirklich gut aus, aber auf dem Teller sind sie immer zu durch (egal wir blutig man sie auch bestellen mag) und ausserdem sind 1,5kg für ein Steak einfach eine sinnlose Übergröße. In die diversen Amerikanischen Steakhäuser gehe ich nicht gerne. Die sind meist eine Art Erlebnisgastronomie mit höchst durchschnittlichem argentinischem Fleisch. Das mag sehr Amerikanisch sein, aber gutes Rind haben wir hierzulande doch wirklich, da muss man nicht extra Tiere um die halbe Welt schiffen. Außerdem sind die meisten Steakhäuser von der Atmosphäre her so unangenehm wie Irische Pubs außerhalb Irlands. Also zum vergessen.
Alles was ich will ist ein gutes Fleisch, das gut abgehangen kurz und scharf auf den Rost gelegt wird. Bei den Beilagen und Saucen lasse ich mit mir reden. Das kann doch nicht zuviel verlangt sein?
Hirn_mit_Ei
86 Kommentare | Kommentar abgeben
jojo, 10.10.09 @ 12:21
wie wahr...
Nach meinem Urlaub im April in den USA wurde mir das auch bewusst, dass in AT die Steakkultur sehr zu wünschen übrig lässt.
Wobei, das Livingstone (mit durchaus ambitionierten Preisen) und das Geregelys (Filetsteak, wenn ich mich recht entsinne aus Neuseeland) sind schon zu empfehlen.
Dennoch scheint es mir sehr eigenartig, dass man unbedingt Fleisch von anderen Kontinenten servieren muss. Gut - ich bin kein Koch, aber kann es wirklich so schwer sein, aus gutem österreichischem Rindfleisch ein vernünftiges Steak zu produzieren?
dschungeltier, 10.10.09 @ 12:06
steakpoint
in der milleniumscity hab ich 3 mal im steakpoint gegessen. enttäuschend wars nie. für eine speising empfehlung hats auch nicht gereicht. es waren aber die besten steaks die ich in wien je gekriegt hab. eigentlich warns ziemlich gut sogar, nur diese kaufhausathmosphäre ist so eher lala.
mein bestes steak ever war ein rib eye steak in Lone Pine, einem kleinen kaff zwische yosemite und death valley.
http://en.wikipedia.org/wiki/Lone_Pine,_California
walterkunz, 10.10.09 @ 11:21
Vielleicht?
Aus Neugier habe ich mich im Internet ein bisschen umgeschaut, neben den beiden Lokalen der germanischen Gastrokette Maredo, die laut Info von Freunden nicht einmal so schlecht sein sollen, habe ich in der Schnelle noch drei Betriebe gefunden, die sich ganz besonders dem Steak widmen.
In Ottakring das optisch etwas eigenartige Rocky Docky's Western-Steak-House (www.rocky-docky.at), in der Innenstadt zwei gediegen wirkende Betriebe: Steakpoint (http://members.aon.at/steakpoint/) und Porterhouse (www.porterhouse.at). Das ist bloß eine Anregung und keine Empfehlung, weil ich keines der genannten Lokale je besucht habe.
Bei der Auflistung der Stichworte auf unserer Startseite kommt „Steak“ kein einziges Mal vor, daran lässt vielleicht ableiten, dass die Steakkultur in Österreich nicht wirklich ausgeprägt ist.
cmling, 10.10.09 @ 01:17
Österreich ist keine Steakkultur in welchem Sinne auch immer und hat (nach meinen Erfahrungen) nur in wenigen Restaurants so etwas, das dem nahekommt.
Erwähnen will ich hier "Jolly Ox" mit einem sendungsbewußten Patron an seinem Grill und "Livingstone" mit erfreulicher Fleischqualität und der Bereitschaft, "rare" ernstzunehmen.
Ein amerikanisches Steakhouse in Wien kenne ich nicht. Gäbe es ein solches, käme in mir leise Zuversicht auf. Diese würde allerdings etwas getrübt, weil:
Dem letzten "Feinschmecker" zufolge das beste US-Rindfleisch, das als "prime" bezeichnet wird (2,9 % der Karkassen), nicht exportiert wird.
Ich habe das Gefühl, dieses Etablissement könnte der Steak-Gral sein, wenngleich nicht in der Nähe von Wien gelegen:
http://www.bernssteakhouse.com/
Die Weine und Digestifs sind auch beachtlich (sehr vorsichtig formuliert!).
walterkunz, 10.10.09 @ 00:03
bifteck - bistecca
Es ist sicherlich richtig, dass es in Wien, und wahrscheinlich auch im übrigen Österreich, zwar gutes Rindfleisch als Grundprodukt für Fleischspeisen gibt, aber keine wirkliche Steakkultur, da will ich dem Autor keineswegs widersprechen. Wenn ich nicht irre, wird in unseren Breiten als Beefsteak eine eher dicke Scheibe Filet (Lungenbraten) vom Rind bezeichnet, die am Rost (oder notfalls in der Pfanne bei entsprechend hoher Hitze) mehr oder minder rasch angebraten wird.
Was den Hinweis des Autors auf Frankreich betrifft, da habe ich mit der dortigen Steakkultur keine so tollen Erfahrungen gemacht. Ich war vor gut dreißig Jahren in Paris, das dortige Bifteck (eine sprachliche Französisierung des englischen Beefsteaks) war zumeist ein Stück eher zähes Rindfleisch vom Grill, jedenfalls war’s nie ein zartes Filet. Vielleicht hat sich das dort in der Zwischenzeit zum Besseren geändert, ich war seither nicht mehr in Frankreich.
In Italien fühle ich mich schon auch zu Hause, seit knapp dreißig Jahren bin ich immer wieder dort unten und besuche regelmäßig gute, aber doch eher einfache und leistbare Gaststätten, oder ich esse im Haushalt von Gastfamilien. Die echte Bistecca alla fiorentina ist etwas wirklich ganz Großartiges, zum Niederknien, da braucht man nicht diskutieren.
Ähnlich wie in Frankreich, Bistecca ist die sprachliche Italienisierung des englischen Beefsteaks, also wortwörtlich ein Stück Rindfleisch. Die Qualität des Rindfleischs hat sich im Lauf der Jahre in Italien verbessert, anfangs war eine Bistecca (ai ferri, alla pizzaiola) durchwegs ein Scheiberl Rindfleisch, gebraten oder gegrillt, zumeist ziemlich dünn, oft etwas zäh, heute ist eine Bistecca zumeist eine Scheibe Rostbraten in recht zufriedenstellender Qualität. Das mag daran liegen, dass in Italien Bistecca oft als Synonym für Braciola (ein Stück mageres Fleisch zum Grillen, Braten oder Dünsten) verwendet wird.
--- 04.09.18 @ 20:56
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