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SPEISING Open
04.02.10 @ 20:01
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Seit mehr als 10 Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema Essen. Was mit einem Buch namens „Food Design“ begann wurde zur Obsession. Wir wollen erzählen, dass Essen ein essentieller Ausdruck von Individuum und Kultur ist. Wir wollen nicht wahrhaben, dass Essen zur Zeit ein eher zweitklassiges Thema ist, das höchstens durch ein paar Kochshows oder Ratgebersendungen medial aufbereitet wird. Wir verstehen Essen als politisches, kulturell hochstehendes Thema.
Als Regisseure von Food Design waren wir zu einem food film festival in Bologna geladen, organisiert von den angeblichen Heroen der derzeitigen Ernährungsdiskussion: Slow Food. Am Eröffnungsabend ließen sich etwa 50 alte Männer von Frauen traditionell bekochen und feiern. Der Speiseakt verlief nach ultratraditionellen Mustern. In Wien rief der Gründer von Slow Food in einer Brandrede zur Bewahrung der lokalen Speiseidentität auf. Dazu wird andauernd der angebliche Verlust der familiären Tischgemeinschaft beklagt. Weder die Rolle der Frau, noch die Emanzipation im Allgemeinen, noch gesellschaftliche Veränderungen, noch Migration werden angesprochen geschweige denn diskutiert. Man betrachtet gutes Essen als Ausdruck von Tradition, Patriarchat und bürgerlicher Familie. Je klarer diese – für uns unerträgliche Situation – wird, desto stärker wird der Herzenswunsch, mit einem Dokumentarfilm zum Speiseakt eine andere Diskussion zu entfachen.
es wuerde mich echt freuen, mit euch gemeinsam diese Themen im Vorfeld des Films zu diskutieren - ich frage aber hiermit mal nach, ob wir das - gesplittet dann - in diesem Blogg machen wollen/ koennen.
lg
Martin
41 Kommentare | Kommentar abgeben
TomCool, 14.02.10 @ 09:13
Bio-Massentierhaltung
Da werden wir uns doch hoffentlich nicht aufregen drüber? Dass ein landwirtschaftlicher Betrieb wohl kaum überleben wird, wenn er nur 5 Schweinderl im Jahr zum Schlachten freigeben kann, ist wohl allen klar. Wir sollten froh sein, dass es auch für die Massentierhaltung Richtlinien gibt, die für eine nachhaltige Erhaltung der Umwelt sorgen.
Marketingtechnisch fine ich die Kombination aus "Bio" und "länger frisch" etwas komisch und kontraproduktiv, aber ich kauf die Milch trotzdem in der Hoffnung, dass irgendjemand anderer außer dem Handelsbetrieb mitprofitiert.
PICCOLO, 13.02.10 @ 01:28
Gut.
Es hat ein jeder irgendwo ins Schwarze getroffen. Was ich immer bedenke ist einfach: Irgendwie fasst sich das "natürliche" wie von selbst zusammen. So als ob es eine Form hätte in der das "natürliche" optimal existieren kann.
Die Slowfood Sache hat nach meiner Ansicht nur den Stein des Anstosses ins Rollen gebracht, und das passte dazumal zum Beginn jener Wirtschftsphase, welche den Yuppies dann doch den wohlverdienten Gewinn brachte. Als nach Eingliederung Österreichs in die EU der Slowfood Verein hierzulande aktiv wurde, war es bereits vorbei mit jenem Slowfood Gedanken der jene natürliche "Fassung" hatte. Ehr- und Redlich, Klein aber Mein usw..
Man suchte nur mehr nach "Vorzeigeobjekten" dahinter industrialisierte sich die Sache. So wie man jetzt eher den Bill oder den Merkurmarkt hinter allen glücksbringenden Food - Styles sich denkt, nicht Köche und Wirte, schon gar nicht die Bauern. Das sind Deppen die anderswo benötigt werden, aber nie beim richtigen Essen.
Das "National - Gefasel" das Gastronomen vom Stapel lassen wenns um ihren einkauf geht ist ein bejammernswertes Elend für sich. Als ob das die Leute viel interessiert wie das Kalb geheissen hat oder wo es mit Bio - Milchaustauschfutter eingepfercht war. Also obs wer nachvollziehen kann?? Wer kann Bio Basmati genau überprüfen? Längst gibts die Bio - Massentierhaltung. Die Bio- Schrumpffolien Speisen für die Haubenküche. Die Bio Zuchtlachse usw... Als ich neulich in einer Gewürzfirma, welche in ihrer Werbung ohne weiteres solche Ansprüche für sich geltend macht , die Slowfood herumschleudert, --- rechts standen frische Säcke BIO - Pfeffer, ein LKW voll und linke solche in der Art von Betonmörtelsäcken, so braune nichtssagende Packpapiersäcke. auf meine Frage, was das denn sein, sagte der Führer: " Das ist Phosphat, das kommt in die Metzgermischungen." Ich bezweifle das stark, die Firma bewirbt die Gastronomie.
Und Slowfood? Dort sind mir zuviel Lobby - Fresser zugewachsen, die machen dasselbe das sie überall tun, wo was finanzielles zu holen ist: Sie schauen dass ihre Schäfchen im trockenen Tüchern sind.
Das was wir uns in idealistischer Weise, so vorstellen, ist denen wurscht. Das verstehen sie nicht einmal.
walterkunz, 10.02.10 @ 22:24
Ich stimme mit dschungeltier hundertprozentig überein: das Regionale, das Nationale pflegen und bewahren, und gleichzeitig offen sein für Neues und Ungewohntes. Ich freue mich, dass es in Wien eine derartig große Auswahl von Küchenrichtungen aus allen Erdteilen gibt, jeder kann sich etwas aussuchen zwischen Alt und Neu, zwischen Tradition und Innovation, und was dazwischen liegt.
Und ohne in fanatischen Lokalpatriotismus verfallen zu wollen, je kürzer die Transportwege, desto weniger Umweltverschmutzung und desto mehr Chance auf Frische der Produkte. Alles ohne Übertreibungen, mit Maß und Ziel.
dschungeltier, 10.02.10 @ 09:47
man kann ja durchaus seine regionale (nationalität) bewahren und pflegen, ohne deswegen gleich in xenophobes gelalle zu verfallen.
drum tunke ich nicht mein hörnchen in den "káffe" sondern tauche das kipferl in den kaffee. andererseits find ich sehr oft fremdes zeugs ganz hervorragend, ohne lecker zu sagen.
was ich aber gar nicht mag, ist wenn produkte über ozeane oder autobahnen geschupft werden aber ein einheimischer apfel gleichzeitig nicht zu kriegen ist.
OberkllnerPatzig, 10.02.10 @ 09:23
Die Nähe der Gestrigen
zu diesem Thema hatte ich hier http://www.speising.net/blogs/speising_open/2009-12-02/ thematisiert.
Da wollen ein paar Stramme das Wirtshaus für ein Mir-san-mir-und-bleiben-des-a missbrauchen. "Unsere Produkte, unsere Verarbeitung, unsere Kultur" ... ich tunke gleich mein Kipferl in den Kaffee und geh zmittag wieder ins Sunshine ...
--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]
--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 06.05. @ 11:56
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33