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SPEISING Open
04.02.10 @ 20:01
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Seit mehr als 10 Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema Essen. Was mit einem Buch namens „Food Design“ begann wurde zur Obsession. Wir wollen erzählen, dass Essen ein essentieller Ausdruck von Individuum und Kultur ist. Wir wollen nicht wahrhaben, dass Essen zur Zeit ein eher zweitklassiges Thema ist, das höchstens durch ein paar Kochshows oder Ratgebersendungen medial aufbereitet wird. Wir verstehen Essen als politisches, kulturell hochstehendes Thema.
Als Regisseure von Food Design waren wir zu einem food film festival in Bologna geladen, organisiert von den angeblichen Heroen der derzeitigen Ernährungsdiskussion: Slow Food. Am Eröffnungsabend ließen sich etwa 50 alte Männer von Frauen traditionell bekochen und feiern. Der Speiseakt verlief nach ultratraditionellen Mustern. In Wien rief der Gründer von Slow Food in einer Brandrede zur Bewahrung der lokalen Speiseidentität auf. Dazu wird andauernd der angebliche Verlust der familiären Tischgemeinschaft beklagt. Weder die Rolle der Frau, noch die Emanzipation im Allgemeinen, noch gesellschaftliche Veränderungen, noch Migration werden angesprochen geschweige denn diskutiert. Man betrachtet gutes Essen als Ausdruck von Tradition, Patriarchat und bürgerlicher Familie. Je klarer diese – für uns unerträgliche Situation – wird, desto stärker wird der Herzenswunsch, mit einem Dokumentarfilm zum Speiseakt eine andere Diskussion zu entfachen.
es wuerde mich echt freuen, mit euch gemeinsam diese Themen im Vorfeld des Films zu diskutieren - ich frage aber hiermit mal nach, ob wir das - gesplittet dann - in diesem Blogg machen wollen/ koennen.
lg
Martin
41 Kommentare | Kommentar abgeben
Hirn_mit_Ei, 18.02.10 @ 21:28
stimmt, natürlich geht es da um bilder
und das sind bilder die einem neokonservativen gesellschaftbild entsprechen. in österreich könnte man sagen, das ist die schnittmenge zwischen grün und schwarz. stillen bis zur volksschule, getreide selber mahlen und brot selber backen (da geht sich eben kein richtiger job daneben aus), ... und das wird in der nächsten generation wieder dazu führen (wie schon in den 80ern) dass nichtkochen ein emanzipatorisches statement ist, anstatt dazu, dass man die männlichen leistungsträger der gesellschaft eben auch ihren teil im haushalt erledigen lässt.
und damit ist nicht das macho-kochen wenn einmal gäste kommen gemeint. da spielen sich dann manche mit einer reihe von spezialmessern und spezialwerkzeugen und so weiter unheimlich auf, stecken sich die bewunderung ein wenn ihnen das ding nicht ganz in die hose geht und das wars dann wieder bis weihnachten.
kurz, wenn die typen im hh nicht hingreifen wollen, dann geht sich das mit dem slow-food gedanken einfach nicht aus.
OberkllnerPatzig, 18.02.10 @ 09:50
Bio-Biedermeier trifft es haargenau ...
allerdings im Marketingbereich. Hier werden offensichtlich ausschließlich biedermeieresque Sujets gewählt, um heile Welt, Geborgenheit und dergleichen zu suggerieren.
Für mich noch deutlicher bei Produkten vom Bauern, ob nun bio oder nicht.
Dass bio sauteuer ist und damit gerade für jene nur schwer zugänglich ist, die noch am ehesten auf diese reaktionären Bildbotschaften anspringen, ist der Witz an der Sache.
TomCool, 16.02.10 @ 15:57
schaut aber eher
nach einer Diskussion Fremdbild gegen Fremdbild aus. Das Selbstbild ist hier interessanterweise außen vor oder nur aus zweiter Hand.
Hirn_mit_Ei, 16.02.10 @ 13:48
geht es in dem thread
nicht eigentlich um rollenbilder und gender-issues in einem neokonservativen bio-biedermeier?
PICCOLO, 14.02.10 @ 15:21
@tom
Ich beobachte das nicht vom Gesichtspunkt der Masse. Ich sehe wie die Großmärkte sich bemühen, konventionelle Ware als besonders wertvoll mit verschiedenen Pickerln und Diplomen zu versehen.
Die "SlowFood" Idee als Grundlage wird immer irgendwo vorgeschoben, denn die waren ja für die Marketingwelt die Ersten. Für mich, der ich nicht zur Marketingwelt gehöre, gibts Ansätze für gesunde Küche und Landwirtschaft bereits vor mehr als hundert Jahren. Da gibt es Kochbücher von vor dem ersten und zweiten Weltkrieg, aber nicht von Köchen. Steiner, Bircher, Budwig usw...
Die Köche sind immer von den Zugstraßen des Handels abhängig. Das sieht man wenn man irgend so ein Gastro- Hefterl wie Falstaff oder Lust und Leben oder Rolling Pin aufschlägt. Da regiert der Dosen- und Schrumpffolienadel, und die Brutzler in den Feinkostkatakomben plappern das nach. Die Z- Promiköche am Land machen einen Kopfstand und es kann passieren dass man beim essen glatt erfährt dass das Schweinderl "Zickzack - Brunzi" geheissen hat aus dem das Bradl in der Rein ist. Das gibt Texte in den Gratiszeitungen zum Niederknieen für mich.
Ich bin der Meinung, dass durch die Verbesserung von Futtermitteln schon so viel erreicht wurde, dass man konventionelles fleisch und Gemüse getrost kaufen kann und sich nicht mit einem "Symbolismus" abgeben muß, der niemanden etwas konkret objektiv erbauliches schenkt.
Ich lese jedes Monat im Slowfood Magazin Deutschland, das mir ein Gast stes überlässt, langatmige Artikel, von sensationellen Produkten, solche man nur beim Sternekoch Tütüt oder in ausgesuchten Feinkostläden kaufen kann.
Lächerliche Hochstilisierung ganz normaler Sachen finde ich. Gute Bauern tun sich den Schreibkram mit der AMA und Konsorten gar nicht an. Man weiß dass man für Geld alles haben kann. Und dass der Konsument oft ein Depp ist. Slowfood ist für mich weder Manderl noch Weiberl - es ist irgendwie ein Gespenst und damit irgendwie eine Sache.
--- 04.09.18 @ 20:56
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