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SPEISING Open

29.12.11 @ 11:47

Un caffè, per favore!

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Liebe Leute,
Ihr wisst es eh. Es gibt Geschmack - und es gibt Watschen. Wer sich diesmal die Watschen ersparen möchte, gibt mir recht und bestätigt, dass es nunmal drei Espressobohnen sind, die dieses Jahr begeistert geschlürft werden durften.

An erster Stelle:
Passalacqua, und zwar die Mischung Harem. Ein reinsortiger Arabica, und trotzdem fantastisch. Diese Tiefe der Aromen, dieser nicht abreißen wollender Geschmackskleister zwischen Schlund und Lippen, der Duft nach schokoladiger Rinde, Piment und frischem Teer - all das macht den Harem von Passalacqua so einmalig.

Mit Abstand dahinter:
Tre Forze! von Caffè Cultura. Laut Angaben des Herstellers werden nach einer Tradition aus Sizilien die Bohnen über einem Feuer aus mindestens 12 Monate getrocknetem Olivenbaumholz geröstet. Egal, der Espresso schmeckt eigenständig, samtig-sandig und fast wie eine allzu bittere Schokolade. Der Sitz der Firma Caffè Cultura ist im schicken Düsseldorf, die gesamte sizilianische Aufmachung Verkaufsschmäh, wiewohl die gerösteten Bohnen in Sizilien gekauft werden. Arabica-Robusta-Mischung.
www.treforze.com

An dritter Stelle, oder eigentlich ex aequo zweiter mit dem Tre Forze! kommt der Mekico von Passalacqua. Der Mekico ist die günstigere Mischung vom Harem, schmeckt weniger vielschichtig, dafür braucht man aber auch nicht darüber zu meditieren. Malen, andrücken, einhängen, einatmen, schluck-schluck - und vorbei ist ein unkomplizierter, höchst italienischer Espressogenuss. Robust, intensiv und sehr sehr dunkel, das zeichnet den Mekico aus. Ebenso 100% Arabica.

Die Firma Passalacqua ist ein Familienbetrieb, der seit 1948 in Neapel Kaffeebohnen aus aller Welt einkauft, röstet, vermarktet und vertreibt. Würden die Caffè nicht so gut schmecken, wäre allein die Sympathie für ein gutes Ranking ausreichend.
www.passalacqua.com


Und nun ein wenig politisch Unkorrektes, womöglich leicht Überzogenes, allzu Emotionales:
Liebe Nespresso-Schwuchteln, Ihr zahlt den doppelten Preis des Passalacqua Harem, also über 80 Euro das Kilo Kaffee, bekommt einen Caffè rausgedrückt, der einer Blondine entspricht, schön aber blöd, und seid darauf auch noch stolz. Mögen Euch die Supermarktketten mit ihren Nespresso tauglichen Kapseln die Eitelkeit nehmen und Geschmack lehren. Am Ende steht auch Ihr vor einem Siebträger und einer schönen Auswahl wirklich geiler, lang nicht so teurer Bohnen und werdet über die Plörre schmunzeln, die Ihr jahrelang für Caffè gehalten habt.

Ich entschuldige mich bei der Gelegenheit bei allen Schwuchteln und Blondinen, sofern sie keinen Nespresso trinken.

Zu kaufen gibt es Passalacqua im Polyklamott www.polyklamott.at in der Hofmühlgasse 6, 1060 Wien, und bei meinem Fernversorger Grand Cru www.grandcru.at in der Kaiserstraße 67, 1070 Wien. Dort gibt es noch viel mehr feine Sachen - schauts Euch das an.

Patzig

13 Kommentare | Kommentar abgeben

PICCOLO, 06.01.12 @ 15:34

@epicuria
Es gibt respektable erfahrene Geschmacks - Könner, das was ich meinte sind die Schnellsiederkursabsloventen vom Wifi, die noch keine ordentliche Flasche Wein in einem Zug zu leeren gelrnt haben :-) ..oder die ihre Käsefüsse nicht von original Olmützer Quargel unterscheiden können :-)---

Die Karlsbader Art, für mivch persönlich ist das enorm wichtig, ist DER ausdruck einer Kaffeephilosophie wie sie die Gaggias und Carimalis und Schärfs und Cimbalis ich möcht nicht sagen "ruiniert" haben, aber schon in den Wucherei Sumpf gezogen...ja. Das was man jetzt mit dem Kaffee macht ist reiner Wucher.
Die so extrem weit gereiste, auf manche extreme Art gewonnene und mit wohlberechneter Extremhitze veredelte Bohne, verdient es, bei der endgültigen Zubereitung mit jeder nur mögliche Zartheit, Zärtlichekit zubereitet zu werden ... Das ist wie wenn man als alter Genuss Specht die Chance bekommt es mit mit einer Jungfrau zu treiben (im erlaubten Alter - eh klar so ein Ferkel ist man als Genußmensch doch nicht!! )
Also: No pressure... ganz weiches Wasser, am Besten aus einer Umkehrosmose Anlage.

Und dann brauchts eine ganz wichtige eigenschaft eines Geschmacksweisen: Sich immer freuen zu können, auch Bitterklänge und Aschentöne zu feiern... so wird auch der Alvorada ein guter Kaffee.

Toll ist auch die Art wie man früher Kaffee mit Feigenkaffe oder Gerstenkaffe mischte und mit Milch verdünnt trank. einen ordentlichen Faschingskrapfen eingebrockt!

OberkllnerPatzig, 06.01.12 @ 14:04

Ob aus der geschraubten Mokka, über den Filter, aus der Karlsbader oder Neapolitaner ... ganz egal, wenn es schmeckt. Ein Häferl Filterkaffee kann auch sehr fein sein, ist halt ein ganz anderes Getränk (2 Euro fürs Phrasenschweinderl). Auch türkisch/griechischer Kaffee ist nicht uninteressant - aber am Ende des Tages ist für mich persönlich der Espresso die beste Zubereitungsart. Und wirklich gut bekommt man ihn eh eher selten.

epicuria, 06.01.12 @ 02:42

vor ein paar jahren
habe ich eine geschichte über den café-sommelier - jaja, piccolo, ich weiß schon - alles nennt man heutzutage sommelier - beim meinl am graben, dragan mikulovic gemacht. mikulovic hat seine ausbildung bei prof. edelbauer absolviert, DEM österreichischen experten für kaffee.
und er meinte u.a. er verstünde nicht, warum die österreicher so hinter dem italienischen caffè mit seiner crema herhecheln, diese trüge gar nichts zum wohlgeschmack bei.
und wir hätten doch in österreich eine lange tradition, guten kaffee betreffend, die wir nicht verstecken müssten.
sein tipp für wirklich guten kaffee war die gute alte karlsbader "maschine" - denn in dieser käme der gemahlene kaffee eben mit absolut nichts außer mit außer mit wasser und völlig neutralem porzellan in kontakt. kein gummi, kein metall.
ich habe mir dann so ein ding gekauft, guten kaffee richtig gemahlen reingetan und mit wasser aufgegossen - der geschmack war ungewohnt, aber gut.
die karlsbader steht in einer ecke und ich verwende sie kaum mehr. schnell soll alles gehen, heutzutage und die aufbrüherei geht eben nicht schnell. eigentlich schade, dass man so blöd ist und jedem trend folgt. vielleicht hol' ich ihn demnächst wieder aus der versenkung, den weißen porzellanturm.

PICCOLO, 06.01.12 @ 00:06

@Martin Winter
Ja das mit dem Druck ist so eine Sache. als ich erstmalig über Kaffee lernte in der Gastgewerbeschule, da wars noch ganz anders. Der Lehrer war ein alter Gastronom. Kaffee hat ja viele Reizstoffe dabei, nicht nur Kaffeein, vor allem die Pottaschen und durch die Röstung umgewandelte Gerbsäuren welche nicht wirklich in den Absud gelangen sollten. Kaffee war damals im Verruf Magen und Bauchspeicheldrüse anzugreifen..
also sollte man den Kaffee "drucklos" gewinnen um sehr viele Inhaltsstoffe nicht in die Tasse gelangen zu lassen.
Denn diese Mode alles bis zum Ende auszureizen liegt mir nicht. Starke Geruch stumpft ab. Wenn man z.B. weisses Kaffeeeis machen will, lässt man die Bohnen einfach in Rahm eingeweicht und nach einem Tag hat man super Kaffeegeruch, völlig ohne Reizstoffe. Nur wer will das jetzt wo man modisch korrekt auf Farbe und starkem Aroma aus ist.?

walterkunz, 05.01.12 @ 23:02

Caffè a Vienna
Ich habe gute Erfahrungen mit “Taste it” in der Wollzeile gemacht, die vertreiben Kaffee und Kaffeemaschinen aus Italien. Ich bin mit meiner ECM Giotto (wird heute unter der Bezeichnung „Rocket“ erzeugt) sehr zufrieden, mein Kaffee ist von der hohen italienischen Qualität nicht so weit entfernt.
www.tasteit.at/index.html

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