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Tischgespräche

10.09.06 @ 22:09

Um einen Tisch

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Da sitzen wir also nun um den imaginären speising-Tisch und müssen uns neu warmlaufen (aber nicht gleich überhitzen!) – die Indiskretion meines Vorgängers, dass eine Frau ihm nachfolgen würde, hat ja schon zu unziemlichen (unrühmlichen?) Nebenbemerkungen geführt.

Aber keine Sorge, meine Herren, ich trete an mit ausreichend speising-Routine im Gepäck, so leicht bin ich nicht fassungslos zu machen! Doch auf nun, hinein in die Gesprächsmitte:

Heute soll es um eben dieses „um einen Tisch sitzen” gehen, das gemeinsame Essen und das damit ermöglichte Erleben eines über das bloße Essen hinausgehenden Gemeinsamen. Schauen Sie sich die Alltagsroutine in Familien an: wann ist da noch Zeit für zumindest eine gemeinsame Mahlzeit am Tag (wie auch von pastinake vor wenigen Tagen beklagt)? Das wichtige Ritual dieses Zusammenkommens am Esstisch geht zugunsten eines auf jeweils persönliche Bedürfnisse zugeschnittenen Kühlschrank- und Gefriertruhenmanagements verloren; Essen wird zur notwendigen nebensächlichen Nahrungsaufnahme, oft nur im Stehen, oder vorm Fernsehgerät, jeder gar nur für sich allein; groß zelebrierte Restaurantbesuche zu Anlässen laufen Gefahr, zu Statusbekundungen oder Übertrumpfung in vorgeblichem Fachwissen zu mißraten, weil die Einübung in dieses gemeinsame Genießen und Erleben fehlt.

Freilich: es kostet auch mich oft genug Überwindung, mich nach einem langen Arbeitstag zu relativ später Stunde noch an den Herd zu stellen, den Kindern in einer halben Stunde eine halbwegs passable Mahlzeit zu fertigen, um dann gemeinsam mit ihnen noch zu sitzen und die Ereignisse des Tages zu besprechen, bevor ich mich meiner Erschöpfung hingebe (oder solch luxuriösen Beschäftigungen wie speising-Einträge zu verfassen nachgehe) – doch es ist die einzige Möglichkeit, um ein einigermaßen kontinuierliches Familienleben bei so stark differierenden Tagesplänen zu gestalten.

Ein sehr schönes Ritual haben sich Freunde von mir zu eigen gemacht: jeden Montag abend wird abwechselnd bei dem einen oder beim anderen Paar zu Hause gekocht, die Kinder sind auch dabei und ein sich ausreichend bedürftig darstellender Junggesellen-Freund ebenso. Die Regelmäßigkeit dieser Zusammentreffen, deren eines Fundament die geteilte Freude am Essen ist, das andere das Dahingleiten der Abende im ungezwungenen Gespräch, hat eine besondere Bindung dieser Menschen zueinander geschaffen.

Ein anderes, weniger regelmäßiges, dafür aber kreatives Beispiel für Zusammenkommen im Essen: ein Freund hat in seinem Weblog einen Rezeptgedichtwettbewerb initiiert; alle eingetroffenen und in Reimform dargebrachten Rezepte wurden nachgekocht und im Familienkreis samt zusätzlicher Einladungen ausprobiert, durchdiskutiert und dann nach Funktionalität des Rezeptes und Qualität des Gedichtes bewertet – was für ein Anreiz fürs Gespräch!

Und wie halten Sie es mit dem Gemeinsamen Tisch?

25 Kommentare | Kommentar abgeben

-ad-, 13.09.06 @ 23:39

na dann ...
... bauen wir einen SNGEE-Tisch!

TomCool, 13.09.06 @ 22:43

wolt ich
auch schon vorschlagen.

ich wär dabei.

noapino, 13.09.06 @ 22:35

@profiler: Selbsthilfegruppe
Wie wär's mit einer Selbsthilfegruppe der (so gut wie) nicht mehr zum von GastgeberInnen selbst gekochten Essen Eingeladenen? ("SNGEE")

Stehe auch für Hausmannskost jedweder Art kochend und essend gerne zur Verfügung.

(Bruckfleisch wollte ich eh schon lange einmal kochen, überleg nur noch welcher Wein dazu passt.)

AndreaRiegl, 13.09.06 @ 07:36

Voriges Weblog
Die Inhalte der Weblogs von Martin Hablesreiter finden Sie unter www.speising.net/gastlog/weblog/ und über die Suche.

TomCool, 12.09.06 @ 21:30

Jo, mei Exchef...
...ist halt a lässiger haberer, da ist so eine weiche Nudel kein Malheur (zu Hause - eh klar).

Das Problem des profilers kann ich gut nachempfinden. Meine Mutter setzte sich Jahre lang an den Tisch und begann sich selber für ihr eigentlich gutes Essen zu entschuldigen. "Na, na, das is viel zu salzig, ma das is net weich genug, i das is ned durch....." bis ich ihr einmal an ihrem eigenen Tisch den Mund verboten habe, damit sie das ob ihrer köstlichen Speisen andachtsvolle Schweigen an unserem üblicherweise sehr lauten Tisch hören kann.

Jetzt geht's. :-D

Gibt nix Schöneres. Großer Tisch auf der Terrasse zum Garten, frische Kräuter aus dem Garten, den ich zu meiner Zeit beim Buchinger angelegt hab und von wo ich täglich die Kräutln mitgenommen hab ins Vier Jahreszeiten. So lässts sich's leben.

-ad-, 12.09.06 @ 18:03

die leiden des jungen p. ;-)
Das nenne ich Schicksal!
Und weil ich den Buchinger oben im Bild hab: vor langen langen Jahren kam er zu uns auf Besuch, mitsamt seiner Familie, ich hatte eben erst die zweite Tochter geboren und war nicht wirklich in Form für Mehrgängiges - also gab es Spaghetti. Nicht mal das Sugo weiß ich mehr, aber da hab ich einen guten Fundus aus meinen Italien-Jahren, die war sicher passabel. Und was soll ich Ihnen sagen - zwischen Kindern und Baby und Geplauder waren die Nudeln weit jenseits von al dente! Aber allen hat's geschmeckt. Wir saßen ja um einen Tisch.

profiler, 12.09.06 @ 16:38

schicksal.....
wenn ich menschen zum essen zu mir nach hause einlade, dann koche ich so wie ich eben koche. den meissten schmeckt es auch ziemlich gut, der gastgeber (ich) freut sich. aber im laufe der jahre hat das doch sehr nachhaltige folgen für mich gehabt. und zwar:
ich werde traurigerweise niemals zum essen eingeladen. doch schon.... aber praktisch alle gastgeber, ausser meine mutter, kochen dann nie. da gibts dann immer nur gekaufte antipasti, parmaschinken usw. oder grillen ist auch eine gern gewählte alternative, um nur ja nichts für mich kochen zu müssen. dabei stehe ich total auf einfache hausmannskost, denn ganzen anderen klimbim habe ich eh den rest der woche. auch mehrmaliges beteuern meiner pflegeleichtheit hat nichts gefruchtet, für mich gibts bei freunden auswärts nur italienischen abend und das seit jahren. im grunde machts mir aber nichts aus, denn beim essen mit lieben menschen gehts dann sowieso um etwas anderes.....

vielleicht erbarmt sich meiner gekränkten seele ja einmal jemand von speising. ;-)


gruss

-ad-, 12.09.06 @ 13:42

frau wirtin und ihre töchter
Womit wir ja bei Verantwortung und Vorbild wären. Auch wenn die Kinder mit TK-Pizza und Chipspackungen vorlieb nehmen, wenn sie auf sich gestellt sind - ein zartweiches rosiges Huftsteak oder ein Stück Beiried, im Ganzen gebraten, oder so ein Entenbrüsterl (vulgo -busen) samt passender Beilag (gerne: Polenta, Erdäpfelpüree) darfs dann schon auch sein. Und eine große Schüssel Salat. Allesamt Gerichte, die in kürzester Zeit am Tisch stehen und auch nach einem langen Arbeitstag machbar sind, ohne Nachdenken. Ein paar Kräuter aus dem Garten, ein paar zerstoßene Gewürzkörner, fertig. Frau Mutter hingegen zieht einen "wildgefangenen Saibling, auf der Haut gebraten" vor ;-)

5622, 12.09.06 @ 13:28

@ad
liebste wirtin,
stimmt: hab ganz vergessen, dass ich auch leidenschaftlich gern aus "hemmungslos kochen" koche. auch das schellhorn-kochbuch ist klasse und vom neuen "wörther" hab ich gelernt, die mise en place rechtzeitig daheim vorzukochen. aber wir sind hier, glaub ich, allesamt spezialisten. den speisingern wird das speisen keiner verleiden können. ich mach mir sorgen um die breite masse, die gerade das kochen verlernt oder bereits verlernt hat. wenns nämlich blöd läuft, dann muss diese homepage bald "saurier.nett" getauft werden.

5622, 12.09.06 @ 13:22

das glück liegt in der wiese
schön, dass du wieder da bist. aber jetzt bleibst wieder beim thema, gell? dann fehlt ja nur noch minimalist und unser "gallisches dorf" sitzt wieder friedlich vereint beim wildschweinessen. apropos: was gibt es schöneres als essen in der freien natur. ich erinnere an anthony bourdain. der beschreibt in einem seiner bücher, wie er mit seiner frau am strand sitzt, den weißen sand zwischen seinen zehen spürt und ein grillhuhn mit den fingern isst. dann schreibt er: "wenn ich daran denke, dass ich mit der frau, die ich liebe, bald auf weißen laken liege, dann ist dieses huhn das verdammt noch mal beste essen, das ich jemals genießen durfte" - so einfach könnt man sich das leben schön machen ;-))
was überhaupt das beste ist: essen im freien mit der großfamilie. eine tafel unterm baum und einen nachmittag lang futtern, die kinder spielen währenddessen im garten. da brauchts auch nicht viel dazu: hauchdünner speck, guter käse, knuspriges weißbrot, wein - das würd mir schon reichen. wie sagen meine französischen freunde so schön: "das glück liegt in der wiese"...

PICCOLO, 12.09.06 @ 13:08

ad & 5622
Bitte die Beiden nicht mit mir verwechseln, der niemanden ausser mich, mir uns --- lobt. Ich habe nicht 666 Pseudos.. Irgendwie fühle ich mit ja schon wie vom Tisch ... getrennt. (Schluchz, Wein, seufz.. Jetzt will ich nicht auch noch vom Betterl getrennt werden. Um Gotteswillen!! Greifts doch nicht den "Österreicher" oder das Österreich an! Das ist der sechsbeinige Wolf, der Gral, die Offenbarung, das Kreuz, der Koran die Gebetsmühler aller Gourmets, ja - die öhöstereichschen Küche. Da würd ich gaaaar nix sogen!

-ad-, 12.09.06 @ 12:39

szegediner
Lieber 5622 (Sie dürfen ruhig weniger förmlich mit mir sein ;-) -
genau das meinte ich: eine Fülle von Büchern mit Rezepten, die im Grunde nur Profis oder zumindest halben zugänglich sind, mit einem großen Namen vorn drauf.

Wobei: es gibt auch verwendbare. Und solche, die einfach schön sind. Obauers "Hemmungslos kochen" benütze ich sogar gelegentlich. Denn das ist nicht so eingeengt vorschriftsmäßig aufgebaut. Lässt Platz für Spielereien. Ich hab mir auch angewöhnt, beim Essengehen kurze Notizen zu machen, um dann, wenn mir grad mal nix einfällt, mit einer aufgeschnappten Idee selbst was zu fabrizieren.

Was das Hofhalten betrifft: solche Essen können, aber müssen nicht unbedingt gelingen. Sind schon vom Ansatz her zu bemüht, elaboriert. Da lob ich die Freundesrunde, wo es meist Hausmannskost gibt. "Bitte bitte endlich wieder mal ein Szegediner" wurde da unlängst gewünscht. Allerdings, die Bali-Ente einer leider hier abtrünnig gewordenen Freundin hätte ich schon auch gern verkostet.

5622, 12.09.06 @ 10:56

feuerwerk oder genuss?
liebe frau deutsch,
kochbuch ist ein gutes thema. ich glaube, dass seit 200 jahren kein kochbuch mehr geschrieben wurde, dass die leute wirklich zum kochen bringt, weil nur noch die großen namen zählen. wenn ich am wochenende die "österreich-ausgabe" anschaue und sehe, dass herr österreichers österreichisches kochbuch jetzt das nonplusultra sein soll, dann leert sich mein magen ganz von allein. was aber auch nur an einem besuch im maks liegt. köche, die alte österreichische rezepte ausgraben, um sie dann mit garnelen (!!!) zu verfeinern, können wirklich nicht über ihren tellerrand rausschauen. es ist aber wohl so, wie ich vermutet habe: jeder, der gerne kocht, macht das ein bis zwei mal in der woche. dann lässt er es aber richtig krachen, kauft edelprodukte aus aller herren länder aus dem tiefkühlregal, deckt daheim seinen tisch "auf haubenrestaurant" und hält hof. wer lädt dann schon gäste ein, um ein gulasch zu kochen, das ja auch mindestens so gut schmeckt wie ein boeuf bourgignon. ich glaube, die leute haben verloren, kochen als tägliches handwerk zu begreifen, das der ursprung der esskultur ist. wer seinen kühlschrank richtig bevorratet, der kann täglich in windeseile frisch und raffiniert zugleich kochen (lies nach im kochbuch-aktenordner von gerhard gugg, mesnerhaus). das ist genuss. alles andere klingt nach: "am samstag kommen die müllers, denen zeigen wir ein kulinarisches feuerwerk, damit sie schwer beeindruckt wieder nach hause gehen). ich glaube, die meisten nehmen sich dabei selber zu wichtig.

TomCool, 12.09.06 @ 09:08

Alter Weblog
Also erstens einmal, vielen Dank für die Übernahme dieses wichtigen Postens, ich freu mich schon auf viele spannende zur Diskussion einladende ARtikel.

Aber eine Frage: Was ist mit dem alten Weblog von sonjaaa passiert? Ich kann ihn nirgends finden. Wäre doch schade um die vielen schönen Ergüsse.

Helfts mir, bitte!

katiza, 12.09.06 @ 07:21

Mindestens sechs Mal im Jahr
wird unser Billardtisch abgedeckt mit großen Holzplatten zur Tafel, an der bis zu zwölf Personen Platz nehmen - z.B. zu Ostern, wo es dann ein ganzes, halbes Kitz gibt, teils gebacken, teils gebraten, mit Suppe aus allem. Schon ab mittag wird gekocht und nach und nach treffen die Wahlverwandten ein und helefen und leisten Gesellschaft in der viel zu kleinene Küche und dann wird gevöllert und getrunken bis die Gastgeberin irgendwo in einem Eck schon leise schnarcht ;-) - Danke, liebe Conalma, für die Erinnerung. Muss schleunigst wieder eine Tafelrunde zusammenstellen , um am großen Tisch zu speisen.
P.S. Das tägliche Mahl, gekocht meist mit dem geliebten Mann gemeinsam, nehmen wir fast immer im Bett ein - es könnte ja sein, dass wir nachher noch Billard spielen wollen ;-)

vino, 12.09.06 @ 06:39

runder Tisch
also an so einem runden Tisch (nehme an das er nicht eckig ist) mit so netten Leuten nimmt man doch gerne Platz. Was gibt es schöneres wenn man sich unter so vielen Geniessern einreihen darf und etwas mitphilosophiert.
Und so passend für den Altweibersommer. ;-)

Sorry, reimen kann ich nicht. Meine Stärke liegt beim verkosten von Wein.

PS: Ich denke das Kinder die Erfahrung des Kochens erlernen und des gemeinsamen Essens, ist doch eine Erziehungssache. Wir gehen doch alle mit gutem Beispiel voran, oder nicht?

andreasbigler, 11.09.06 @ 21:35

@ Postenschacher
Aber nein, liebe Angelika, woher solltest du einen schlechten Ruf haben, eventuell weil du mit mir mehr als 5 Worte wechselst, aber sonst könnte es da keine Gründe geben (*lol*).

In jedem Fall freu ich mich, dass du jetzt zu jedem Thema öffentlich schreiben kannst, was immer dir am Herzen oder sonst wo liegt, aber wart' bloss nicht auf eine g'scheite Antwort von mir - du weißt ja, ich bin ein bisserl deppert, aber kein Trottel ....

Seawas und g'sund bleibn
Andy

-ad-, 11.09.06 @ 20:26

Ich freue mich ...
Zunächst ein herzliches Dankeschön für die gleich so fröhliche Teilnahme am runden Tisch - oder ist er doch eckig?

@Bigler: geht bitte, von wegen Postenschacher - mach meinen Ruf nicht noch schlechter als er schon ist ;-)) Aber dass ich mehr eine für alles bin als gänzlich weinfixiert, damit hast du ganz recht ...!

@profiler: ich gehöre wohl zu den seltenen/-samen Menschen, die durchaus gerne alleine speisen, 6 Gänge und eine Flasche Wein im Restaurant, 2-3 Gänge plus 1 Flasche Wein daheim. Sollen mehr als na sagen wir 6 Menschen am Tisch sitzen, lasse ich lieber kochen! Ich hab da ganz versierte Freundinnen ...

@peter 1977: Zu den Problemzonen wird es sicher mal eine Geschichte geben ;-))

@karlheinz: als alternde Mutter lerne ich gerade, wie wertvoll diese oft nur kurzen Stunden gemeinsamen Essens sind und lege deshalb so Wert drauf. Gerade heute die Frage der mitfühlenden Tochter: "Du wirst wohl zu müde sein, was Richtiges zu kochen?"

@5622: genau diese Problematik hat mich zu diesem Beitrag angeregt. Ich sehe ja beim Einkauf, womit sich der Großteil der Menschen die Einkaufswägen vollädt - alles geeignet, um auf der Kerner-Couch bequem festzusitzen und von nie selbst verwirklichten Köstlichkeiten zu träumen. Und fällt nicht der Kochbuchumsatz auch in diese Schiene?

@Bürgermeister: danke für die herzliche Begrüßung!


@alle: wer nicht diskutieren will, darf reimen ;-)

ChristophWagner, 11.09.06 @ 19:31

Willkommen, Angelika!
Spät aber doch — und soeben aus Grado zurückgekommen — habe ich mit großer Freude gesehen, dass Du nun doch im Speisinger Weblog-Feuerstuhl (pardon: an der Speisinger Weblog-Tafel) Platz genommen hast.
Ich wünsche Dir viel Erfolg, freue mich schon auf viele Einträge und nehme Deine Anspielung auf den Rezeptgedicht-Wettbewerb Deines Freundes zum Anlass, ein kleines gereimtes Rezeptchen beizutragen, das eines meiner Lieblingsgerichte zum Gegenstand hat.

VENEZIANER LEBER

Die Leber muß so glatt und rein
Wie frisch lackiertes Leder sein,
doch weiße Zwiebeln, die Cipolle,
spielen die noch wichtigere Rolle.

Von beiden, da ist man gestrenge,
bedarf´s exakt der selben Menge.
Man schneidet alles dünn und fein,
die Leber legt in Milch man ein.

Der Zwiebelscheiben großen Haufen
Läßt glasig man in Fett anlaufen
Und schmort sie bei geringen Hitzen,
bis Koch und Zwiebel tüchtig schwitzen.

Nun greift man mit dem Bratenheber
Nach der gut abgetropften Leber
Und röstet schnell, so scharf man´s kann,
die weißen Zwiebeln heftig an.

Bevor verschlossen sind die Poren,
salzen die Kalbsleber nur Toren,
doch ist das Fleisch erst weich und zart,
wird auch am Pfeffer nicht gespart.

Nun gieß ein wenig Milch daran,
dass die Sauce mollig werden kann,
Noch molliger auf dieser Erden
Kann sie nur noch durch Panna werden.

Bring noch ein wenig Grün ins Spiel,
am einfachsten mit Petersil,
ein Spritzer Essig oder Wein
gibt zwar Geschmack, doch muß nicht sein.

Klar ist, dass wer Venedig liebt,
zur Leber auch Polenta gibt.
Doch kriegt nicht jeder Grieß vom Gleichen:
Gelb steht für Arm, Weiß für die Reichen.

pivu, 11.09.06 @ 17:34

Vorfreude
Ich freu' mich heute wieder auf meinen Tisch. Vor allem, weil er im lauschigen Garten steht, wo man den Altweibersommer (bitte nicht als Anspielung auf unsere Gastlog-Autorin verstehen ;-) ) vollends genießen kann. Und weil sich nach und nach die Kinder dazu gesellen, um von ihren Erlebnissen zu berichten. Live, in Farbe und gebührenfrei, definitiv besser als Fernsehen.

5622, 11.09.06 @ 15:31

gemeinsam "kerner kocht" gucken
der gemeinschaftstisch hält die gesellschaft zusammen. nur ist das problem ein ganz anderes: es kocht ja keiner mehr daheim. eine aktuelle umfrage aus deutschland hat ergeben, dass in den deutschen haushalten so gut wie gar nicht mehr gekocht wird. jene, die angaben, dass sie noch kochen, haben eingeschränkt, dass sie das höchstens ein- bis zweimal pro woche tun. das bedeutet: in der hauptsache steht convenience-food auf dem tisch und da ist es auch belanglos wer mit wem beisammen sitzt. bei diesem fraß kann keine angenehme tischkultur und schon gar kein "beseeltes" gespräch entstehen. stattdessen sitzen zwei millionen deutsche vor dem fernseher, wenn es heißt: "kerner kocht" (um 22 uhr!!!)
was schließen wir daraus: die leute haben sehnsucht nach der kocherei und dem geselligen beisammensein - es reicht ihnen aber offenbar schon, wenn sie es einmal pro woche zu nachtschlafener zeit im tv sehen.

karlheinz, 11.09.06 @ 14:44

fixpunkt
"...vaterfigur lässt das ganze immer wie einen rapport und mit darauf folgender hinrichtung erscheinen."

stimmt - auch wenn die mahlzeit von einem meiner kinder (eigentlich: "kinder", da doch schon das alter der großjährigkeit erklommen habend) bereitet wird. da kommt die ultimate frage nicht mehr vom vater allein.
selbst nicht mehr unter gemeinsamem dache lebend (zumindest fast schon) erhalten wir die tradition des gemeinsamen mahles aufrecht aus einem innerlichen bedürfnis der zusammengehörigkeit heraus.
es wird dann einfach "g'miatlich".
selbstverständlich erlaubt das leben kein abendessen in ständig gleich bleibender teilnehmerzahl mehr, wurden doch aus 3 mitessern fünfe.
die enervierende frage lautet nunmehr: wie viele sind wir denn morgen? (es ist nicht einfach, die menge der zu verarbeitenden spezereien plötzlich derart flexibel gestalten zu müssen...)
doch allein diese stellen zu müssen beruhigt mich: können wir doch noch immer, prinzipiell jedenfalls, gemeinsam genießen.
und mit genießen meine ich nicht nur die kulinarische seite - oder ist dieses posting schon der hilferuf eines alternden vaters???

profiler, 11.09.06 @ 12:08

gemeinschaftstisch....
essen als gemeinschaftserlebnis also.... nun dürfte es so sein, dass gemeinsames essen eine evolutionsbedingte angelegenheit war, ist und sein wird. aber nicht nur.....
essen ist neben der reinen energieversorgung des körpers unter anderem auch eine sehr emotionale sache (unbewusste erinnerung an das gefüttert werden als kind, damit verbundene freude usw.) spontan kommen da erinnerungen an weihnachtsgänseschmaus im familienkreis und andere gegebene anlässe auf. und dass jeder mensch seine emotionen gerne teilt dürfte ohnehin jedem selber bewusst sein. man spricht nicht ohne grund von geteiltem leid-halbes leid, geteilte freud-doppelte freud.

und so verhält es sich auch beim essen. ich kenne keinen menschen (zumindest in meinem bekannten- und freundeskreis) der sich allein zuhause ein mehrgängemenü plus dazupassenden wein gönnt. vielmehr noch, die meissten menschen haben schon ein problem damit, sich allein in ein restaurant zu setzen und einen abend zu geniessen. das essen reduziert sich dann meisst auf die funktion der notwendigen nahrungsaufnahme. da sich das gesellschaftsgefüge jedoch so entwickelt hat, dass wir nicht mehr alle auf einem bauernhof leben, bzw. ein teil der familie den ganzen tag zuhause den haushalt schupft um dafür zu sorgen, dass mittags für alle etwas auf den tisch kommt, müssen wir ungewollt abstriche, was das gemeinsame tischerlebnis anbelangt, in kauf nehmen.
umso mehr werden dann, im idealfall, solche anlässe bewertet und geschätzt.

dass gemeinsame tischerlebnisse nicht nur angenehmer natur sein können, kann der geneigte leser im roman "radetzkymarsch" von joseph roth erfahren. die übermächtige vaterfigur lässt das ganze immer wie einen rapport und mit darauf folgender hinrichtung erscheinen.


gruss

andreasbigler, 11.09.06 @ 11:13

Freut mich ........
Es freut mich, dass du noch immer im SpeisingNet aktiv bist, aber war das jetzt "Postenschacher"(*gg*), ein Sprung nach oben auf der Karriereleiter, oder ist dir Traubing einfach zu (w)einseitig geworden?

Jetzt bist du also das "All In All - Girl", sehr fein .....


Liebe Grüße
Andy

Peter1977, 11.09.06 @ 10:10

Gemeinsames Essen ist dass Wichtigste
Für mich ist das wichtigste am Tag das gemütliche Abendessen mit meiner Freundin. Mein Glück ist es, dass mein Hobby das Kochen ist wo ich mich, auch wenn es blöd klingt, so richtig entspannen und entfalten kann. Sollte ich mal weniger Lust haben dann wird es ein Restaurantbesuch. Ich schätze die gemeinsamen Abende sehr. Besonders toll ist es auch für mehrer Menschen zukochen, um dann zu sehen wie alle gemütlich und glücklich beisammen sind. Manchmal veranstalten wir Themenabende mit Freunden wo dann alle ihren Teil beitragen. Einziger Nachteil ist, dass ich gar nicht soviel Sport betreiben kann um eine schlanke Linie zu halten.

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