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Tischgespräche
10.09.06 @ 22:09
Um einen Tisch
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Da sitzen wir also nun um den imaginären speising-Tisch und müssen uns neu warmlaufen (aber nicht gleich überhitzen!) – die Indiskretion meines Vorgängers, dass eine Frau ihm nachfolgen würde, hat ja schon zu unziemlichen (unrühmlichen?) Nebenbemerkungen geführt.
Aber keine Sorge, meine Herren, ich trete an mit ausreichend speising-Routine im Gepäck, so leicht bin ich nicht fassungslos zu machen! Doch auf nun, hinein in die Gesprächsmitte:
Heute soll es um eben dieses „um einen Tisch sitzen” gehen, das gemeinsame Essen und das damit ermöglichte Erleben eines über das bloße Essen hinausgehenden Gemeinsamen. Schauen Sie sich die Alltagsroutine in Familien an: wann ist da noch Zeit für zumindest eine gemeinsame Mahlzeit am Tag (wie auch von pastinake vor wenigen Tagen beklagt)? Das wichtige Ritual dieses Zusammenkommens am Esstisch geht zugunsten eines auf jeweils persönliche Bedürfnisse zugeschnittenen Kühlschrank- und Gefriertruhenmanagements verloren; Essen wird zur notwendigen nebensächlichen Nahrungsaufnahme, oft nur im Stehen, oder vorm Fernsehgerät, jeder gar nur für sich allein; groß zelebrierte Restaurantbesuche zu Anlässen laufen Gefahr, zu Statusbekundungen oder Übertrumpfung in vorgeblichem Fachwissen zu mißraten, weil die Einübung in dieses gemeinsame Genießen und Erleben fehlt.
Freilich: es kostet auch mich oft genug Überwindung, mich nach einem langen Arbeitstag zu relativ später Stunde noch an den Herd zu stellen, den Kindern in einer halben Stunde eine halbwegs passable Mahlzeit zu fertigen, um dann gemeinsam mit ihnen noch zu sitzen und die Ereignisse des Tages zu besprechen, bevor ich mich meiner Erschöpfung hingebe (oder solch luxuriösen Beschäftigungen wie speising-Einträge zu verfassen nachgehe) – doch es ist die einzige Möglichkeit, um ein einigermaßen kontinuierliches Familienleben bei so stark differierenden Tagesplänen zu gestalten.
Ein sehr schönes Ritual haben sich Freunde von mir zu eigen gemacht: jeden Montag abend wird abwechselnd bei dem einen oder beim anderen Paar zu Hause gekocht, die Kinder sind auch dabei und ein sich ausreichend bedürftig darstellender Junggesellen-Freund ebenso. Die Regelmäßigkeit dieser Zusammentreffen, deren eines Fundament die geteilte Freude am Essen ist, das andere das Dahingleiten der Abende im ungezwungenen Gespräch, hat eine besondere Bindung dieser Menschen zueinander geschaffen.
Ein anderes, weniger regelmäßiges, dafür aber kreatives Beispiel für Zusammenkommen im Essen: ein Freund hat in seinem Weblog einen Rezeptgedichtwettbewerb initiiert; alle eingetroffenen und in Reimform dargebrachten Rezepte wurden nachgekocht und im Familienkreis samt zusätzlicher Einladungen ausprobiert, durchdiskutiert und dann nach Funktionalität des Rezeptes und Qualität des Gedichtes bewertet – was für ein Anreiz fürs Gespräch!
Und wie halten Sie es mit dem Gemeinsamen Tisch?
25 Kommentare | Kommentar abgeben
-ad-, 13.09.06 @ 23:39
na dann ...
... bauen wir einen SNGEE-Tisch!
TomCool, 13.09.06 @ 22:43
wolt ich
auch schon vorschlagen.
ich wär dabei.
noapino, 13.09.06 @ 22:35
@profiler: Selbsthilfegruppe
Wie wär's mit einer Selbsthilfegruppe der (so gut wie) nicht mehr zum von GastgeberInnen selbst gekochten Essen Eingeladenen? ("SNGEE")
Stehe auch für Hausmannskost jedweder Art kochend und essend gerne zur Verfügung.
(Bruckfleisch wollte ich eh schon lange einmal kochen, überleg nur noch welcher Wein dazu passt.)
AndreaRiegl, 13.09.06 @ 07:36
Voriges Weblog
Die Inhalte der Weblogs von Martin Hablesreiter finden Sie unter www.speising.net/gastlog/weblog/ und über die Suche.
TomCool, 12.09.06 @ 21:30
Jo, mei Exchef...
...ist halt a lässiger haberer, da ist so eine weiche Nudel kein Malheur (zu Hause - eh klar).
Das Problem des profilers kann ich gut nachempfinden. Meine Mutter setzte sich Jahre lang an den Tisch und begann sich selber für ihr eigentlich gutes Essen zu entschuldigen. "Na, na, das is viel zu salzig, ma das is net weich genug, i das is ned durch....." bis ich ihr einmal an ihrem eigenen Tisch den Mund verboten habe, damit sie das ob ihrer köstlichen Speisen andachtsvolle Schweigen an unserem üblicherweise sehr lauten Tisch hören kann.
Jetzt geht's. :-D
Gibt nix Schöneres. Großer Tisch auf der Terrasse zum Garten, frische Kräuter aus dem Garten, den ich zu meiner Zeit beim Buchinger angelegt hab und von wo ich täglich die Kräutln mitgenommen hab ins Vier Jahreszeiten. So lässts sich's leben.
--- 04.09.18 @ 20:56
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