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Tischgespräche

04.02.07 @ 21:02

Die Musikbegleitung

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Einiges an Postings im vergangenen Thread weist darauf hin, dass Musik ein nicht unwesentlicher Bestandteil einzelner Userleben ist. Nicht nur deshalb erwarte ich wieder rege Beteiligung am neuen Thema ;-)

Die entsprechende Weinbegleitung zum Menü ist ja mittlerweile in österreichischen Restaurants und engagierten Wirtshäusern kein Thema mehr, eigene Speise-Weinfolgen stehen immer häufiger auf den Karten, ohne ein entsprechendes Weinsortiment traut sich kaum mehr einer ins Rennen um die Publikumsgunst. Mit der musikalischen Grundversorgung beim Essen hingegen schaut es meist sehr trist aus: da düdelt ungeniert volkstümlicher Schlager unter den Sitzbänken eines gediegenen Hotelrestaurants hervor, in der Lautstärke wenig zurückhaltende Dauerbeschallung in Ö3-Manier ist keine Seltenheit, irgendein rudimentäres Feingefühl an Übereinstimmung von Kreativschüben auf den Tellern und Tonkünsten aus dem Lautsprecher gehört zu den Glücksfällen.

Möglicherweise bin ich da ja besonders empfindlich, das will ich gerne eingestehen, aber eine supermarktähnliche Zwangsbeschallung in Stillosigkeit kann in einer Gaststätte mit Minimalanspruch doch nicht gewollt sein! Es muss ja nicht so weit gehen, dass das jeweilige Gericht mit einem entsprechenden Musikstück unterlegt wird, aber ein umständehalber nicht weitergeführter Versuch zur Speisen-Musik-Typologie hat viel Spaß gemacht; einige Auszüge hiervon darf ich sicher weiterreichen:

- Carpaccio vom Hirschkalb mit Eierschwammerlpüree und schwarzen Nüssen: Debussy Streichquartett
- Tafelspitz vom Milchkalb mit Birnenkren und Röstkartoffeln: Mendelssohn Sommernachtstraum-Ouvertüre
- Wachtel mit Gänseleber und Topinamburpüree sowie Ratatouille in Minibrunoiseform: Beethoven 1.Symphonie letzter Satz
- Sellerie-Ananas-Suppe mit Jakobsmuschel: Brahms Ballade No.1
- Lammbeuschel mit Curry: Janacek Im Nebel
- Forellentatar mit Rohnen und Sellerie: Haydn späte Klaviersonate
- Poelierter Wolfsbarsch und mit Reis gefüllter Fenchel: Smetana Verkaufte Braut

Na ja, Sie sehen schon, wo’s langging ...
Ich mag ja auch sanfte Lounge-Sampler, wenn’s zum Ambiente passt. Und Jazz könnt ich überhaupt immer hören. Aber alles schön im Hintergrund – schließlich will man ja auch Tischgespräche führen!

78 Kommentare | Kommentar abgeben

TomCool, 05.02.07 @ 04:33

der kubse...
.... was der alles weiß...

Stimmt, hab mir latürnich die Superbowl angeschaut. Bin ein großer Football-fan, seit ich 2002/03 die Weihnachtsferien ein New York verbracht habe, als sowohl die Jets als auch die Giants ihren Weg in die Playoffs geschafft haben. Die leeren Straßen am Sonntag nachmittag in new York machen einfach Lust auf mehr.

Wenn mein Menüvorschlag so passend war, möcht ich auch gern auf deinem 40er-Clubbing abshaken. Schön wär's, wenn dieses im gläsernen Raum des Musikvereins stattfände. Mir hat der Sound dort in der Disco des Techniker-Cercle super gefallen. (Der Sound, nicht die Musik, obwohl die trotz Chart-Lastigkeit auch nicht soo schlecht war).

kubse, 05.02.07 @ 02:22

Mach ma's umgekehrt,
lieber russell, da hätt ich genau eine brauchbare Idee: eine irrrrrrsinnig fette Cremeschnitte zum zweiten Akt Rosenkavalier. (Kann auch gut sein, aber man überfrisst sich schnell damit ;-))
Du merkst, für den Richard mach ich nicht grad Werbung...

Russell, 05.02.07 @ 02:15

@dfw
Debussy Streichquartett zum Hirschkalb ist absolut passend. Ich kann die Affinität zu Richard Strauss zwar gut verstehen, doch darf nicht vergessen werden, dass die schwarzen Nüsse dem Hirschkalb eine gewisse Bittersüße verleihen.
Ich kann momentan an kein Werk von Richard Strauss denken, welches sich als Begleitmusik unterordnen würde und diesen ziehenden Beigeschmack hat. Allenfalls könnte ich mir noch das Ravel Streichquartett gefallen lassen, aber dann nicht den ersten Satz.
Naja, de gustibus non est discutandum.
-
Prince, der gerade die Pause der Superbowl bestreitet, würde jedenfalls definitiv nicht dazu passen.

kubse, 05.02.07 @ 01:57

Was ganz anderes...
...ist das, was wir mit den Schrammeln erstmals vor ca. einem Jahr im Brahms-Saal gemacht haben, und zwar mit dem Hans Denk. Der hat im Konzert Weine verkostet und kommentiert, wir haben ausgesuchte Stücke zu diesen Weinen gespielt (wenn ich mich richtig erinnere, Johann Schrammels Walzer "Dichterworte" für einen Knoll-Riesling, Stromayers h-moll-Tanz zu einem fetten Schafler-Rotgipfler, Schrammels "Morgengruß" für einen Donabaum-Veltliner, "Leichtes Blut" vom Strauß Schani zu einem Weinviertel DAC etc.), und als das offizielle Konzert aus war, sind wir mit dem Publikum in den Großen Saal hinüber, der zufällig grad frei war (Bartolis Husten sei's gedankt!), sonst wär ma halt in den untersten Keller gegangen.
Im Goldenen war's dann natürlich atmosphärisch arg geil, die Weinstücke noch einmal zu spielen, während die Leut die jeweiligen Weine ausgeschenkt bekamen. Und weils dann alle bissl andudlt waren und das Christkind auch bald daherkam, gab's zur Draufgabe noch die Air, dann woans waach ;-)

Ähnliches fand auch vergangenen Sommer mit dem Hermann Döllerer in dessen Enoteca statt, die Idee ist natürlich ausbaubar, was wir auch wissen. Schrammelmusik zu einer Petrus-Vertikale? Ausprobieren.

Das Ganze hat natürlich seinen Pferdehaxen: Wenn ich wissen will, welche Musik zum Wein passt, muss ich den zuerst einmal gekostet haben. Und das ist dann ein wahnsinnig anstrengendes und unangenehmes Arbeitstrinken, könnts euch vorstellen. Aber was tut man nicht alles für die Kunscht, die holde?
;-)

kubse, 05.02.07 @ 01:38

Stiller Zecher
Hey Tom! Ich mach mir in die Hosen! Das hat echt Niveau, bist deppert! Aber ich hab für mein 40er Clubbing schon einen DJ, fast schade!
Ich merk grad, du versuchst bis zur Super Bowl durchzumachen, feine Idee ;-). Werd dich trotzdem irgendwann allein lassen.

@Piccolo: Ist mir ja fast peinlich, aber so einer Meinung mit dir war ich glaub ich noch nie. Dein Gastraum ohne Musik - ist mir echt nicht aufgefallen, und jetzt meine Frage an die Schreibgemeinde: Ist das nicht das beste überhaupt, ich mein das Nicht Auffallen?
Gut, ich hatte nette Gesellschaft. Aber auch wenn nicht, stört mich Musik eher, als dass sie mich unterhält. Nicht dass ich des geliebten Brotberufes wegen übersättigt wär, im Auto hör ich ja auch fast immer, aber vor und nach dem Mahl red ich lieber mit (bekannten wie unbekannten) Tischgenossen oder, im Fall der Einsamkeit, lese Mitgebrachtes wie Aufgelegtes.
Den zweiten Teil deiner Musikempfehlungen, lieber Piccolo, kann ich schon weniger nachvollziehen. Also das Chinesische Dingjaulingpendungssangjong is nit so meins, echt nit. Mit den Indern gehts mir a bissl besser, aber auch dort wärs mir lieber leise. Wobei ich keinen leeren Inder kenn, wo ich hinkomm, isses meistens bummvoll (weshalb ich auch hier keine Empfehlung abgebe ;-)). Im leeren Lokal kanns vielleicht doch drücken, die Stille?

À propos: Auch Stille ist Musik, liebe Frau Deutsch. Oder deren Pausen...

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