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Das Weinlog

11.04.05 @ 10:27

Taktik DAC

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Ausgesprochen wird das Kürzel, das seit einiger Zeit heimische Weinetiketten bereichert, natürlich nicht „dack” sondern selbstverständlich „de-a-ce”, erster solcher Districtus Austriae Controllatus wurde das Weinviertel mit dem Veltliner.

Der Erfolg, der der 2002 im Weingesetz verankerten Appelation inzwischen beschieden ist, scheint zufriedenen Winzerstatements zufolge die Richtigkeit eines Bezeichnungssystems, wie wir es sonst nur aus romanischen Ländern kennen, zu bestätigen und hat das zweitgrößte Weinbaugebiet, das Weinviertel, aus seinem verschlafenen und unterbewerteten Eck geholt.
Das Weinviertel wurde zum Thema, die Weine der Region, denen es gewiss nicht an Qualität mangelte, wurden mit einem Schlag salonfähig.

Mit welcher Vernachlässigung auch in wissenden Köpfen vorher zu kämpfen war, möge folgende Geschichte aufzeigen:
Basisseminar der Weinakademie, Thema Weinbaugebiete Österreichs. Wachau, Südsteiermark, andere Regionen: die Detailliertheit der Ausführungen ist zufriedenstellend. Das Weinviertel aber wird mit dem Satz „größter Sektgrundweinproduzent; gehen wir jetzt weiter” abqualifiziert, der junge Weinviertler Winzer, der teilnimmt, sitzt sprachlos ob solchen Affronts da. Und das fand nicht etwa vor 10 Jahren, sondern erst vor 4 Jahren statt!

Auf der Habenseite des DAC-Projektes stehen ein gemeinschaftliches Auftreten des ganzen Weinviertels, was aufgrund seiner flächenmäßigen Größe in der Innensicht nicht selbstverständlich war; ein breitgestreuter qualitativer Aufschwung sowie die Etablierung einer Marke, die vorwiegend auch im Export, speziell in skandinavische Länder, ihre Anerkennung findet. Der Aufschwung ging parallel einher mit der Entstehung einer jungen Winzerschicht, die aus der Abgeschlossenheit eines scheinbar entlegenen Gebietes forsch in die Welt hinaus blickt, ohne dabei die Wurzeln in der Tradition zu verlieren.

Dass 5-10% der Weine eine Verteuerung erfuhren, freut den Produzenten, der bislang kein hinreichendes Kriterium für die Qualität seiner Produkte hatte, schmerzt aber mit Sicherheit den Konsumenten, der im Weinviertel auf besonders preiswerte – bis billige – Weise seinen Weinbedarf decken konnte.

Allerdings ist zu fragen, ob man mit einem Weinviertel-DAC-Typus das Auslangen findet. So mancher Winzer präsentiert bis zu 4 DACs – und auch wenn die Lagenweine immer noch den Grundanforderungen entsprechen mögen, die Typizität des DAC-Veltliners als pfeffrig-würziger, feinfruchtiger, lebhafter Wein wird durch hochreife Gewächse mit Lagendifferenzierung etwas verwaschen. Hier ist die angedachte Premium-Schiene sicher diskutierenswert.

Beispiele für aufstrebende Jungwinzer:

Christoph Bauer, 2053 Jetzelsdorf www.bauerwein.at
Gerald und Andrea Diem, 2073 Obermarkersdorf www.diem-weine.at
Markus Pröglhöf, 2070 Retz/Obernalb
Wolfgang Seher, 2051 Platt www.weingutseher.at

www.weinvierteldac.at

8 Kommentare | Kommentar abgeben

tastatour, 13.04.05 @ 15:59

@noapino
der einheimische bohrturmarbeiter ordert den datz nicht gezielt, sondern im laufe einer strengen dramaturgie, die im wesentlichen aus dem vertikalen notenbild der hauseigenen weinkarte besteht, um zu einer ordnungsgemässen reflexion des harten arbeitsalltags zu gelangen.

der würnitzer dorflehrer und heimatdichter tobias kreuzweh beschreibt diesen vorgang in seinem buch "die grüne brille" sehr bildhaft. er schliesst jedoch nicht aus, dass der begriff "datz" auf "die alte datz", der schleierhexe des ebenthaler waldes, zurückzuführen ist. dieser alten dame gelingt es nur mehr äusserst selten, die einheimischen kinder zu weinkonsum zu verführen. die alkopops dürften ihr endgültig das genick brechen....

andreasbigler, 13.04.05 @ 11:19

@ -ad- : Und das Sauvignon-Naserl
Ich hatte das "Vergnügen" alle präsentierten DACs am 1. März zu verkosten und da gab es so gut wie kein Pfefferl, dafür aber gelbe Äpfel und Paprikatöne. Aber was soll's, Uniformen sind zwar verschieden, aber eben nicht innerhalb einer Gruppe ......

-ad-, 12.04.05 @ 19:37

Aussprache
Ich persönlich neige ja auch zu dack (und bin weit weg von Spittelberger Lofts gg) - aber wurde von Weinviertler Winzern höchstselbst aufs Korrekte hingewiesen!

Und das Sauvignon-Naserl: das kam mir bei der letzten Rundum-Verkostung nur einmal unangenehm unter; vielleicht hab ich nicht die "g'rechten" Winzer probiert ;-) ?

andreasbigler, 12.04.05 @ 15:19

Codewort DAC
DAC könnte aber auch das Codewort für Weinviertler Sauvignon Blanc - G'schmackerl im GV sein, zumindest wurde mir dieser Eindruck heuer noch stärker vermittelt, als im letzten Jahr!

jamiesolive, 12.04.05 @ 13:24

Neues Sprichwort
Erst gestern konnte ich mich anlässlich einer Tour nach Mistelbach überzeugen, dass die Bezeichnung DAC schon sprichwörtlich geworden ist. Wie raunte doch gleich der Stadtschreiber von Altruppersdorf am Haidberg?

Grüner Datz — Kellerkatz.
Grüner Dack — Geld im Sack.

Im Weinviertell spricht man halt noch eine klare Sprache.

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