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Das Weinlog
23.06.05 @ 12:04
Hunting for White Wine Lovers
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- die internationale Stilistik des Grünen Veltliners?
Auch wenn es nicht gleich den Anschein hat, schließt mein heutiger Beitrag in vielerlei Hinsicht an den vorhergehenden Thread an.
Seit wenigen Wochen wird ein Weißwein mit Welteroberungs-Anspruch propagiert, der österreichische Typizität aufweisen will (autochthone Rebsorte als Leitmotiv) und doch von einer bewussten Machart ist, die seinen Export-Erfolg sichern soll.
Laurenz Maria Moser der Fünfte, Ex-Mondavi-Europa-Chef, sucht seine Wurzeln, landet im Kamptal, und mit Trauben aus ausgewählten Lagen von ausgewählten Winzern wird unter önologischer Führung von Fred Loimer ein Veltliner kreiert, der den Jahrgang nicht verleugnet (2004 = Säure, siehe CW) und sich doch dem vermeintlichen internationalen Gaumen anschmeichelt – mit 4g Restzucker. Eleganz und Trinkspaß also – die durchwegs positiven journalistischen Kommentare scheinen diesem Konzept recht zu geben.
Dazu kommt noch die kalkulierte optische Präsentation des Weines (violette Kapsel, kursive Handschrift), die hoffentlich mit Augenzwinkern gewählte Benamsung als „Charming” – diese bewusst für auch weibliche Käuferschichten angelegte Aufmachung übersehe ich erst mal gnädig.
Trotz – oder wegen? – all dieser Denkarbeit will sich mir dieser Wein nicht so recht erschließen: seine dezenten Frühlingsobstaromen, die knackige Säure, die relative Geschmeidigkeit – das alles ergibt kein rundes Bild, die gedankliche Sorgfalt allein macht zwar einen passablen, aber keinen mitreißenden Wein – und da ist dann die Preisgestaltung in Frage zu stellen.
Mein Kamptal scheint woanders zu liegen, bei den gewachsenen, aus langer Tradition des Machens, nicht der Idee entstandenen Weinen, bei solchen mit Seele. Und die schmecken dann sicher nicht „weiblich”.
Charming Grüner Veltliner 2004 Laurenz V.
Für die Gastronomie bei Morandell,
für Endverbraucher bei Wein & Co um € 14,99 erhältlich.
Prinz Charming hat auch eine kleine Schwester: Friendly Sophie GV 04
Veltliner aus dem Kremstal, Drehverschluss in der Modefarbe Orange
Ebenso bei Wein & Co um € 7,99
3 Kommentare | Kommentar abgeben
Minimalist, 27.06.05 @ 09:50
Neuer Wein in neuen Namen
Ja, bin genau so gespannt.
Der Klopapiernamen hat mich auch amüsiert.
Aber über die Namensgebung bei österreichischen Weinen könnte ich sowieso lange schwadronieren.
noapino, 26.06.05 @ 22:10
Markenweine
den Versuch der Entwicklung eines österreichischen Markenweins sehe ich zunächst aus vielerlei Gründen durchaus positiv. Wie oft wird doch darüber geklagt, von den einzelnen Weinen gebe es zu geringe Mengen um eine flächendeckende und nachhaltige Präsenz auf internationalen Märkten zu ermöglichen?
Und auch betreffend Terroir sollte man meines Erachtens etwas Nachsicht walten lassen, ansonsten wäre ähnliche Skepsis beispielsweise auch gegenüber den 1ers im Bordeaux anzumelden. Immerhin werden von diesen noch ganz andere Mengen gekeltert.
Falls es sich ergibt würde ich den Wein auch gerne blind gegen andere Veltliner kosten. So ganz sicher bin ich nämlich nicht, ob ich die 4g RZ herausschmecke und das würde für mich eine voruteilsarme Möglichkeit zur Beurteilung der Preiswürdigkeit bieten.
(Eine Blindvekostung hätte auch den Vorteil, dass der Name erst danach aufgedeckt würde. Denn dieser weckt bei mir nun doch eher Assoziationen an Hygienepapier.
Ich bitte um Nachsicht.)
andreasbigler, 24.06.05 @ 12:46
Speisinger sind einfach freundlicher!
Seht ihr, auf AON hätten sich wieder einige aufgeregt, dass sich -ad- glatt erlaubt, Bezugsquellen eines Weins bekannt zu geben, aber wir sind froh zu erfahren, wo es die guten Tropfen gibt!
Ich persönlich freue mich immer wieder zu erfahren, welcher Händler, was anbietet, so besteht die große Chance, dass das beliebte "uns is fad, fahren wir zum Weinbauern kosten und 3 Flascherl kaufen" in den nächsten Jahren aus der Mode kommt ......
Und jetzt krieg ich wahrscheinlich wieder die Gurke?!
--- 04.09.18 @ 20:56
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