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Das Weinlog
25.09.06 @ 15:41
DAC, wie wird das weitergehn?
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Herr BM Pröll verkündete unlängst den Beginn des zweiten Teils der "Erfolgsgeschichte" DAC. Blaufränkisch aus dem Blaufränkischland darf sich künftig Mittelburgenland DAC nennen (sofern er die Kriterien erfüllt). Es gibt drei Kategorien: BF Classic, BF + Lagenbezeichnung und BF Reserve.
Aber wie soll das weitergehen und wer kennt sich da noch aus? Kolportiert wird, dass das Traisental den nächsten DAC vorstellen wird. Und zwar könnte der Traisental DAC ein Riesling oder ein Vetliner sein.
Ich verstehe nicht ganz, dass man einerseits die Rebsortenbezeichnung vom Etikett verbannen will und dass aber andererseits nur bestimmte Rebsorten als gebietstypisch gelten. Warum kann es im Weinviertel z.B. keinen Weißburgunder als DAC geben? Warum können keine Cuvées zum Mittelburgenland DAC werden? (Abgesehen davon, was das Weingesetz unter "Reinsortigkeit" versteht.)
Warum brauchen wir so lange, bis die DAC-Idee umgesetzt wird. Nach dem unbestritten erfolgreichen Vorpreschen der Weinviertler glaubten ja bis jetzt alle, dass DAC ein Grüner Veltliner ist.
Ich bin schon gespannt, was ein Südsteiermark DAC sein darf und was ein Neusiedlersee-Hügelland DAC...
Was hält Ihr übrigens von einem Traubing-DAC?
5 Kommentare | Kommentar abgeben
alma, 03.10.06 @ 09:16
MiBu DAC
Ein komplizierter Name: Mittelburgenland de a ze. Aber für internationale Aussprachen ist das Österreichische an sich nicht konzipiert. Auch Blaufränkisch hat seine Tücken.
Eine dieser Tücken ist nun der neue DAC: Gesamtburgenland war nicht, Mittel- ging sich aus, der BF war naheliegend. Vor allem, und das ist die einzige mir wirklich einleuchtende Kategorisierung: im Bereich der Einstiegsweine, der leichten fruchtigen, der sogenannten Classic-Weine. Denn da gibt es bislang eine so große Bandbreite bezüglich Restzuckermengen und Volumsprozent, dass man schon wissen muss, wer welchen Stil vinifiziert.
Mit den Classic-Weinen des DAC Mittelburgenland ist der Spielraum begrenzt: maximal 13 %vol., kein (schmeckbares) Holz, fruchtbetont, kontrollierter Apfelsäuregehalt. Weine, die im Export bestehen sollen, aber auch in den heimischen Supermärkten zu attraktiven Preisen eine Kaufsicherheit geben sollen.
Aber: es geht weiter - denn auch alle schon bislang erfolgreichen "Marken" wollen im DAC dabei sein! Und so gibt es auch die Möglichkeit, als Zusatz eben jene Marken- oder auch Riedennamen beizubehalten, zb. Ried Fabian von Gager oder die diversen Hochäcker. Das sind dann etwas strukturiertere Weine, die daraus resultierende mögliche Verwirrung wird Sachzwängen zugeschrieben; die Installation dieser DAC war nun mal eine Mehrheitsentscheidung.
Und weil man vom Weinviertel gelernt hat, gibt es gleich eine Premium-Stufe, die DAC Reserve-Weine: Barrique, höher im Alkohol, erst im zweiten auf die Ernte folgenden Jahr auf dem Markt. Deshalb sind derzeit erst die 2005 DAC Classic zu verkosten - nicht gerade ein überwältigender Jahrgang, aber vielleicht gerade deshalb als Leistungsbeweis tauglich.
Jedenfalls ergibt ein Querverkosten ein breites Geschmacksbild auch hier; im Gegensatz zum Weinviertel sind eine Vielzahl von arrivierten Winzern dabei, der Weine man "ohnehin" kennt.
Eine Neuentdeckung, die in Innbruck dabei war: www.weinbau-hofstaedter.at.
amigo, 02.10.06 @ 17:10
kommt schon noch
eine zweite qualitätsstufe einer weinviertel DAC ist in vorbereitung und auch notwendig, weil die momentane situation ist ja eher absurd. generell ist es schon nachvollziehbar, jenen weinen den dac-status zu verleihen, die in einer region absolut vorherrschend und typisch sind: gv im weinviertel (51%, wb dagegen nur 4%), gv im traisental (63%), bf im mittelburgenland (52,27%). gemischter satz wäre in wien sicher originell (wenngleich nur an 4. stelle), allerdings müsste garantiert werden, dass es sich tatsächlich um gemischten satz handelt und nicht um irgendeinen nachträglichen verschnitt. und genau da haben wir das problem: dac ist in österreich aufgesetzt, wird nicht kontrolliert und entspricht nicht dem traditionellem denk-schema in österreich, das nun einmal eher rebsorten-geprägt und nicht regionsgeprägt ist. meiner meinung kommt nicht wirklich gescheites dabei raus, wenngleich der qualitäts-impuls und der marketing-erfolg der idee wieder recht geben.
-pv, 28.09.06 @ 09:45
Des Kaisers neue Kleider
so ähnlich kommt mir die ganze DAC-G'schicht allmählich vor. Wofür steht denn DAC jetzt? Erst Grüner Veltliner, jetzt Blaufränkisch? Ok, DAC-Weiß und DAC-Rot, das ließe sich noch erklären. Typizität? Das Gegenteil ist im Weinviertel der Fall, die authentischeren Veltliner sind die Nicht-DAC-Weine der DAC-Betriebe. Und waren die mittelburgenländischen Blaufränker bislang untypisch? Und für welches Preissegment? Konnte man im Weinviertel noch von ca. 6,- € (+/- 20%) ausgehen, deckt die DAC im Mittelburgenland jetzt die ganze Palette ab. Der Heilsbringer für alles sozudagen. Was passiert denn jetzt mit Labels wie Vitikult und Juwel?
Auch in Andersens Märchen hat's eine ganze Weile gedauert, bis der Schwindel aufflog. Aber nach den Brüsseler EU-Geldern muss jetzt halt das ÖWM-Marketing-Budget geschröpft werden.
andreasbigler, 26.09.06 @ 11:05
Liegt der Sinn in der Findung neuer Vertriebswege?
Anfangs dachte ich mir, endlich DAC, denn wer fragt schon was ein Chianti oder ein Toro wirklich ist, besser gesagt, welcher Wein drinnen ist? Also wieso nicht auch die Gebietsvermarktung für unserem Land, die Vermarktung funktioniert, wie wir alle wissen.
Aber wieso müssen wir unbedingt reinsortige Weine als DAC vermarkten, würde es nicht treffender sein, gebietstypische Weine zu vermarkten, Verschnitten oder reinsortig?
Gut, im Weinviertel ist der reinsortige GV sicherlich ein würdiger DAC, obwohl meines Erachtens auch der Zweigelt als Weinviertler DAC angeboten werden sollte, aber im Burgenland, auch wenn es die Hauptsorte ist, ausschließlich Blaufränkisch als DAC zu vermarkten, ich weiß nicht.
Schlussendlich beginnt man sich dann wirklich zu fragen, wie wird es weitergehen, werden sich Wachau, Kamptal, Traisental und Kremstal um den Riesling DAC streiten müssen?
So wie es aussieht, scheinen einige Leute auch zu vergessen, dass ein großer österreichischer Winzer durchschnittlich um die 20 bis 40 ha bewirtschaftet (in Spanien z.B., ist das eher ein "Kleinhäusler") und daher die Produktionsmengen auch etwas zu klein sind, um den ganzen Exportmarkt befriedigen zu können und falls mit DAC der heimische Markt angekurbelt werden soll, dann muss ich wohl nochmals ein paar Marketingkurse besuchen, um zu behirnen, wie das ablaufen soll.
alma, 26.09.06 @ 09:24
typisch
Das Weinviertel und der Veltliner sind tatsächlich Synonym, gerade noch der Welschriesling könnte da ein bissl mithalten, aber der wird ja eher der Versektung zugeführt. Insofern ist mir diese DAC-Lösung eine schlüssige. Und: im Weinviertel findet der Veltliner normalerweise eine recht typische Ausprägung, eine zutiefst österreichische, möchte ich sagen, wobei hier wieder das eine mit dem anderen zu einer Einheit geworden ist. Und bitte nicht verwechseln mit gegenwärtigen Vinifizierungstrends!
Die sind wiederum ein Problem für den Weinviertel DAC, wenn nämlich im Irrglauben, sich profilieren zu müssen, Aromenhefen zum Einsatz kommen, Verkosterpanels offenbar unzureichend firm in der Sache sind und zwischen Veltliner und Veltliner Gräben klaffen!
Die Fixierung auf eine Gebietsbezeichnung ist ein exportorientierter Schachzug; Chianti verkauft sich ja auch von selbst! Ich weiß nur nicht, ob das nicht ein wenig zu spät kam, jetzt, wo sich gerade klassische Gebietsbezeichnungs-Weinregionen in der Identitätskrise befinden, Rebsorten- und Lagenbezeichnungen auf die Etiketten finden.
Für andere Regionen: schwierig. Eine profilgebende Rebsorte halte ich für richtig; in der Thermenregion Zierfandler und Rotgipfler - das Mittelburgenland mit BF: auch gut, selbst die verschiedenen Qualitätsstufen halte ich für notwendig. Aber morgen ist Willi Balanjuk in Innsbruck und referiert (und wir verkosten), dann weiß ich mehr.
Es muss auf jedenfall um raumgreifende Regionen gehen. Für Wien böte sich an: Gemischter Satz. Aber was macht die Steiermark?
Das Schwierige an der Sache: es geht auch, oder vor allem, um Politik.
--- 04.09.18 @ 20:56
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