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Das Weinlog

24.03. @ 11:22

Herzblutwein!?

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Die meisten Weinfreunde haben einen, auch wenn die Definition gar nicht mal so leicht ist. In den Jahrzehnten meines "Weintrinkens" wurde schon öfters darüber diskutiert . Es gab natürlich auch Verkostungen mit diesem Thema. Man möge einen "Herzblutwein", oder auch Lieblingswein mitbringen. Oft fallen dann Namen der raren und teuren Sorte. Doch wie soll so ein Wein definiert werden?

Unlängst gab es wieder eine Debatte dazu, somit habe ich mir weiter Gedanken gemacht. Muss es ein PETRUS, COCHE DURY oder KRUG sein? Einer der kundigen Trinker meinte, sein besagter Wein ist ein Cabernet Sauvignon 1997 aus Perchtoldsdorf. Vor Jahren getrunken, war er so beeindruckt, weil er es auch nicht für möglich gehalten hat. Somit stellt sich aber die Frage, welche Eigenschaften so ein Tropfen haben sollte. Hier eine Antwort für alle zu finden, ist eigentlich nicht notwendig. Wenn ein Wein Emotionen entfacht, ist dies eine der Antworten. Meistens kommt das durch nicht erwartete Qualität, sprich den Überraschungsmoment.

Natürlich entstehen solche Gefühle auch durch andere schöne Erinnerungen, mit Personen oder an besonderen Orten. Bekanntlich schmeckt mancher Wein in der Herkunftsregion und im Keller des Winzers oft besser als zu Hause. Blindverkostungen lassen solche objektiven Überraschungen zu, welche dann dann öfters die hohe Qualität bestätigen, wenn die Flasche passt.

Verdeckt serviert, bekam ich meinen ersten KRUG MESNIL, DRC, COCHE DURY oder PETRUS. Und alle waren extrem beeindruckend und haben den Wirbel um diese Weine erklärt. Die Preise sind eine andere Geschichte.
Im legendären VINISSIMO von FRANZ HASLINGER gab es tolle Frankreich Wochen, dort haben wir am Anfang der 90er Jahre glasweise gekostet. 3 Jahrgänge YQUEM zum Beispiel. Meine Einstiegsdrogen waren damals SOCIANDO MALLET 1990, PALMER 1970 und MARGAUX 85. Gab es alles offen. Somit sind diese auch zu HERZBLUTWEINEN geworden. Ich hatte damals ebenso die Möglichkeit BURGUNDER zu trinken, die waren mir aber, seinerzeit, zu kompliziert ... ;-)

In der GASTGEWERBEFACHSCHULE am Judenplatz hatten wir 1982 eine Veranstaltung der SOPEXA, die französische Landwirtschaftsvereinigung, oder so ähnlich. Wir bekamen Austern, verschiedene Käse und Wein. Mein erster Kontakt mit französischen Tropfen. Unter anderem war ein AOC SAINT JOSEPH dabei. Bis heute schätze ich Rhône Weine sehr. Und Saint Joseph steht immer noch für gutes Preis/Leistungsverhältnis. Ein Herzenswein sicherlich. Mein erster gereifter Champagner muss sicher auch erwähnt werden. Es war KRUG, wunderbar.
Eine Mischung aus Emotionen war sicher JOSEPH PERRIER CUVEE JOSEPHINE 1982. Ort, Personen und Qualität haben gepasst.

In Österreich waren es Weingüter wie JURTSCHITSCH, MALAT und ALZINGER. Es war auch das erste Erwachen der Wachau in 80igern. DOMAINE WACHAU RIESLING ACHLEITEN HONIVOGL 1986. Die zweite Abfüllung dieses Weines hieß schon SMARAGD ACHLEITEN. Im Burgenland kam natürlich JOHN NITTNAUS ins Glas. BAUER PÖLTL und TSCHIDA ANGERHOF. Das WEINGUT HAMMER in RUST war ein Wegbegleiter.
In den Achtziger Jahren war ich das erste Mal in Kalifornien unterwegs. Somit gab es auch jede Menge Kontakt mit Weinen internationalen Zuschnitts. BEAULIEU, CAYMUS, MONTELENA, HEITZ MONDAVI. Zutiefst beeindruckt haben mich die Pinots von JOE ROCHIOLI. Bis heute schwer zu bekommen und Vorreiter einer Welle COOL CLIMATE Weinen aus einer eher wärmeren Ecke. Kalifornien hat somit immer einen Platz in meinem Weinherz.

Also wenn man drüber nachdenkt, hat man dann doch einige HERZBLUTWEINE.
Abschließend 3 äußerst beeindruckende Flaschen der letzten Wochen.
BRÜNDLMAYER RIESLING SPÄTLESE HEILIGENSTEIN 1971: Die Flasche wurde am Weingut 2007 neu verkorkt. Ein recht jung wirkender Wein, hell in der Farbe, voller typischer Aromen, eher hätte man auf Deutschland getippt. Jedoch kein Petrol, gute Cremigkeit und Struktur. Tolle Länge, leichtfüßig und elegant. Perfekt zu trinken und gut für weitere Jahre. Toll.
CHATEAU CHEVAL BLANC 1947 VANDERMEULEN Abfüllung: Auch dieser Wein kam ohne Vorwarnung ins Glas. Ziegelrot mit hellen Rändern. Eher orange die Reflexe. Im BORDEAUX ist man da schnell. Maximal in den 80iger Jahren. Absolut ein Erlebnis, Tabak, Erde, Kompost, dezente Beeren auch noch. Laub, trockene Kräuter. Nichts unangenehmes entsteigt dem Glas. Tolle Länge und keine alte Säure. Man kann fast von einer gewissen Cremigkeit sprechen. Er hält auch die Luft aus. Haselnuss, Kaffee, Eventuell Suppe. Und immer wieder dieser Hauch von Frucht.
47 war ein sehr heißes Jahr. Man liest, dass die Weine sogar etwas Restzucker hatten. Hoch dürfte auch der Alkohol gewesen sein. Somit ist die Haltbarkeit mancher Flaschen zu erklären. Cheval Blanc war zu dieser Zeit schon in der Lage große Weine zu machen. Damals war es auch üblich Fassware an Händler wie VANDERMEULEN zu verkaufen. In Oostende wurde dann gefüllt und etikettiert. Die GEBRÜDER VANDERMEULEN hatten einen guten Namen und kauften nur die besten Fässer. Legendär sind die 47er CHEVAL BLANC und PETRUS Füllungen. 21 YQUEM und einen netten CHAMBERTIN 47 gibt's auch. Legenden im Glas.
CEDRIC BOUCHARD VAL VILAINE CHAMPAGNE 2010. Einer der Meister der Champagne. Nur zwei Jahre auf der Hefe und 2012 degoriert. Cedric füllt nur Lagen und sortenrein. PINOT NOIR ist sein Thema. Keine Dosage. Ausbau im Stahltank. Nichts soll das Terroir beeinflussen. Auch die Perlage ist ihm nicht sonderlich wichtig. Gefüllt wird mit weniger Druck. Das Ergebnis sind sehr weinige Champagner. Sehr präzise und mit einer schönen, klaren Pinot Note. Nach 10 Jahren ein unglaublicher Trinkfluß, mehr Wein als Champagner. Das Mousseux ist angenehm dezent. Länge und Struktur, neben einer perfekten Säure. Beeren, dunkle Kirsche, etwas nußig und eine elegante Molligkeit. Eine Paradebeispiel für die Winzerleistungen.

Danke.
Michael Kantor
www.herbeck.wien

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