Home | Essen | Walter Bauer (Wien)

Walter Bauer (Wien)

Kritik verfassen

ausblendenSie müssen eingeloggt sein um diese Option zu nutzen. Falls Sie noch nicht Mitglied von SPEISING.NET sind, können Sie sich hier registrieren.

Wien und Leipzig, das ergibt gelegentlich eine musikalische Verbindung, seit geraumer Zeit aber auch eine wesentliche kulinarische, versteckt in der Sonnenfelsgasse.

Wenn Tommy Möbius sich nach einem langen Küchentag noch ein wenig Zeit für neugierige Fragen nimmt, wird erst an der Sprache bewusst, dass da ein anderes Idiom zu hören ist, wiewohl das zuvor so im Übermaß Genossene keineswegs fremd war. Aber schließlich sind wir bei Walter Bauer, da ist noch jeder Koch so in die Bauersche Dimension hineingewachsen, dass man seit jeher zum Bauer geht und nicht zum Domschitz oder Maier oder jetzt eben zu Möbius. Dabei aber sollte man sehr wohl zu Möbius gehen wollen, immer wieder, ausgiebig, wiederkehrend. Wie eben die Möbius-Schleife ist, die schon als Kind gebastelte Anschauung der Unendlichkeit, die man, einmal hier Platz genommen, gern suchen würde, eine nicht enden wollende Speisenfolge, die ihre eindrückliche Kraft aus der Klarheit der Zutaten, der Behutsamkeit ihrer Verbindung, der perpetuierten Verblüffung durch Einfachheit holt.

So ist auch kein Gericht von überkandideltem Kreationsehrgeiz befallen, vielmehr ist alles von innerem Zusammengehörigkeitsgefühl getragen. Das Saiblingstatare wird sehr keck von einer Krenobersmütze behaubt, wobei der Kren scharf sein darf, das Obers aber eigentlich Buttermilch ist, und sowohl Tatare als auch Petersiliensauce drunter (dunkelgrün, megapetersilig) mit ausreichend Ölbeigabe bei Dichte und Molligkeit gewinnen. Der Waldpilzauflauf ist Kuchentürmchen von erfreulicher Flaumfestigkeit (also alles beide, ich mag das, nicht entweder-oder, nicht dualistisch, sondern alles zugleich), auf den schönsten Teilen der Steinpilze gelegen, und als Krönung dieser Nussbutterschaum, in dem man baden möchte!

Auch beim Wolfsbarsch (aus Wildfang) wieder dieses Konsistenzerlebnis des sowohl-als auch, mit kräftiger Kruste, aber das Fleisch nicht verschwommen-glasig, sondern herzhaft, aber doch saftig. Das Meeresfischige wird von der Süße der Beilage ganz eigenwillig kontrastiert: ein Nudeltascherl, hübsch gefaltet, mit einer hellgrünen Saubohne und einer intensiv roten Paprikaraute (enthäutet) dekoriert, mit Zitronenricotta gefüllt, so süße Zitrone, wie bei der Topfentorte, die meine Mutter macht; derselbe leicht süße Zitronengeschmack ist im Zitronenpelargonienschaum, die Blätter dieses Krautes wurden auf einem Tellerchen zur Anschauung gereicht.

Mein Höhepunkt: die Hirschleber (nicht auf der Karte, aber eingeflüstert) mit Eierschwammerl und der Paprikaperfektion: eine so klare Paprikasauce – klar vom Aussehen, klar im Geschmack – war mir bislang nicht geläufig. Neckisch dazu auch die zwei Spatzln, aber es gab ja noch, zwecks Abrundung, das Ochsenwangerl, dazu absolut klassisches Erdäpfelpüree, und als Hingucker kleine, makellos weiße Würferl – vom Knochenmark! Und Gemüse, Kohlrabi wie Karotten. Fest und durch, aber das wird Sie nicht überraschen.

Dessert? Freilich, schon wegen des dazu gebrauchten Süßweines: Schokosoufflee (Valhrona), weicher Kern, feine Kruste, auf Zwetschkenkompott, dazu Mandeleis. Für die Weinbegleitung darf ich, auch wenn die Karte so unendlich (!) verlockt, an Hausherrn Walter Bauer verweisen, seinen leisen Tipps Folge zu leisten ist ratsam: der Quinta do Vale Meao 2001 war perfekter Begleiter, der Sauvignon 06 vom jungen Wenzel aus Rust eine Entdeckung, und der Banyuls zur Schokolade zwar schon recht depotlastig, aber schließlich von 83. Möbius-Bauer bekommen eine große Schleife!

Angelika Deutsch

63 Kritiken | Kritik verfassen

andreasbigler, 02.11.10 @ 14:00

wernernastl

wernernastl, 05.07.10 @ 12:58

Eine sichere Bank!
Man könnte fast meinen, keiner der Speisinger geht mehr zum Bauer, denn das letzte Statement vom März letzten Jahres ist ja nicht mehr das aller neueste.

ich möchte dazu nur sagen, das Restaurant Walter Bauer ist in jedem Fall eine sichere Bank um auf kulinarischen Sieg zu setzen wenn es um hervorragende Küchenleistung mit kompetentem, freundlichem Service geht und darum geht's ja wohl bei einem Restaurantbesuch. Ich wurde noch niemals enttäuscht, meine Erwartungen wurden bisher sogar immer übertroffen, so auch diesmal.

W.N.

andreasbigler, 03.03.09 @ 20:25

Nach längerer Zeit wieder einmal ...
bei Walter Bauer und seinem Team zu Gast. Meine Tochter hatte am 27.02. ihren 23. Geburtstag und da sie so etwas wie ein Junggourmet ist, ist es ihre größte Freude, wenn wir gut, oder sogar außergewöhnlich essen gehen und dieses Restaurant ist in Wien sowieso ihre persönliche "Einseradresse". Da ich selbst ja schon so etwas wie ein Stammkunde bin, gehöre ich ja eher zu den Fehlersuchenden, aber auch diesmal konnte ich absolut nichts Negatives feststellen, ich suchte krampfhaft nach einem hochnäsigen Kellner, konnte aber keinen finden; na gut die Nasen des Personals waren alle etwas höhe gelegen, als unsere, da wir beim Essen sitzen. Wir suchten uns unseren Wein aus und Tommy bekam den "Auftrag", etwas für uns zu kochen. Alle Gerichte waren perfekt auf die beiden von uns ausgesuchten Weißweine abgestimmt und die Zeitspanne für alle sieben Gänge war hervorragend abgestimmt, wir mussten weder nach einer Pause verlangen, noch mussten wir lange warten ... alles war so, wie es sein soll, in den knappen 5 Stunden, die wir hier verbrachten, auch die abschließende Robusto mundete sehr, denn glücklicher Weise, sind beim Bauer Zigarrenraucher noch immer willkommen .....

Ich sage mal, wer es versteht, der fühlt sich hier wie in einer gut funktionierenden Familie und da ist nichts gespielt, da ist alles echt!

pat_, 20.01.09 @ 15:00

Einstellungssache
okay - Vielleicht habe ich zu schnell reagiert und mich über die Zeit des Essens zu negativ ausgelassen.
Das denke ich mir ist Ansichtssache - jeder soll so schnell Essen könnne wie er möchte - wie richtig geschrieben worden ist, kann man das Servicepersonal darauf aufmerksam machen.
Ja - vielleicht bin ich auch ein schwieriger Gast.
Aber, der Gruß kam bevor wir überhaupt den Wein bestellt haben. Das ging mir etwas schnell und wir hatten dann eh gesagt, wir möchten es ein bißchen langsamer - wäre überrascht gewesen, wann wir fertig gewesen wären, hätten wir dies auch nicht gesagt.
Ja vielleicht bin ich ein schwieriger Gast - Bin doch eine hohe Qualität gewohnt, aber vielleicht haben wir einfach einen schlechten Tag erwischt. Trotzdem hätte ich mir mehr erwartet.
Jeder kann das sehen wie er will.
Ich bin froh für jeden dem es gut gefallen hat.

knalltuete, 20.01.09 @ 14:02

Knalleffekt
jeder gast kann dem Servicepersonal sagen, dass bis zum nächsten gang eine pause eingelegt wird. prinzipiell gilt: wer enttäuschung mit einem "t" schreibt, kann nur um 19 Uhr essen gehen und ist mit fünf gängen in zwei stunden überfordert.

Seite 2 von 13     « zurück | weiter »alle anzeigen
Speising sagt

hervorragend

ø 3.65 Punkte (31x bewertet)

empfohlen am 15.10.03 @ 13:53

Adresse

Sonnenfelsgasse 17
1010 Wien
Telefon: 01.512 98 71
Fax: 01.512 98 71

Ruhetag(e): Mo, Sa, So
Küchenzeiten: Mo 18-22 Uhr, Di-Fr 12-14, 18-22 Uhr; Betriebsferien: Karwoche, 4 Wo. im Sommer
Menüpreis: €€€€

Inhaber: Walter Bauer
Küchenchef: Michael Feierabend
Kreditkarten: American Express, Diners Club

Meine Optionen

Bewerten Sie "Walter Bauer (Wien)"

ausblendenSie müssen eingeloggt sein um diese Option zu nutzen. Falls Sie noch nicht Mitglied von SPEISING.NET sind, können Sie sich hier registrieren.

beurteilenbewerten
Kritik verfassenKritik verfassen
merkenmerken
als Tipp mailenals Tipp mailen

 Neues Lokal empfehlen

SPEISING Suche
suchen!
Gesamtkarte
Lokal finden
suchen!
?ber uns | Sales | Kontakt | Impressum | Presse | Partner
JPETo™ Content Management System
design by
DMC

Diese Website verwendet Cookies, um die angebotenen Services zu verbessern. Die weitere Nutzung der Website wird als Zustimmung zur Verwendung von Cookies betrachtet. Einverstanden | Mehr erfahren