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SPEISING Open
02.02.08 @ 09:14
Keiner will das Wirtshaus!
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Zwei rezente Lokalbesuche lassen mich vermuten, dass das Wirtshaus einerseits von den Gästen nicht erwünscht wird, bzw. auch die Wirtsleut, vormals "Koberer", dieses negieren. Wie geschah es?
Der Wirt eines von mir sehr geschätzten Wirtshauses hat sich unlängst Luft gemacht: Die Gäste wüssten zwar die Preise eines Wirtshauses zu schätzen, erwarteten sich aber dennoch einen Service, eine Karte und eine Atmosphäre wie in einem Restaurant. Das Benehmen ist dann auch dementsprechend, weil die falschen Erwartungen natürlich nicht erfüllt werden können.
Wirtswechsel: Ich besuche ein Lokal, das sich –wirt nennt und sich den Nimbus eines Wirtshauses verleihen möchte, aber eindeutig ein gut- bis hochpreisiges Restaurant darstellt. Man zahlt Gedeck, sitzt sehr fein an geschmückten Tischen, freut oder ärgert sich über das Design der Räumlichkeiten und wird professionell betreut. Den Spagat zum Wirtshaus sollen wahrscheinlich die Würstel mit Saft erledigen und einige typische Wiener Gerichte. Die Hauptkarte aber offeriert jene aktuelle, gute Küche, die vor ein paar Jahren noch als kreativ gegolten hat.
Das echte Wirtshaus wird als Restaurant wahrgenommen und das Restaurant wäre so gerne ein Wirtshaus – seltsam. Weshalb stellt sich einerseits ein Lokal gerne als einfaches Wirtshaus dar und wieso gehen die Gäste hin, um sich andererseits dann doch ein Restaurant zu erwarten?
Gregor Fauma
39 Kommentare | Kommentar abgeben
PICCOLO, 22.02.08 @ 22:23
Andere Sichtweise...
Früher da hatten die Großkopferten alle miteinander wie sie waren eigene Haushofmeister. Ärmere "Gfraster" Kaufleute und Handwerksmeister hatten eine Köchin. Die war feist und fischelte, was die Sardellenhändler Europas zu reichen Männern machte, denn jedes Kind, das zu diesen Köchinnen, die wie Panzernashörner den meisterlichen Herd warm hielten, in gewissen brenzligen Situationen vor der strengen Züchterhand seines Vaters unterm Kittel floh bekam diesen Mief mit, und fortan, eben da dieser Fluchtpunkt im Unterbewußtsein eine Art Himmel vorstellte, war der feine Geruch von eingesalzenen Jahrgangs - Sardellen ein Standard im Geschmackuniversum des heranwachsenden Schuster- oder Tischlersohnes.
Bei den Baronen und fürstlichen Gnaden und Durchlauchts da schafften Haushofmeister das tägliche Brot unters Lusterlicht des Speisesalons. Das Wirtshaus mit Verpflegung benutzte man auf Reisen. In Städten war es anders. Die Restaurants befanden sich in den großen Hotels, wo man aber keinerlei Interesse hatte, sich von der Strasse ein Gesindel ins Haus zu ziehen. Wer im Hotel wohnte konnte "unter sich" sein.
Rein historisch gesehen war das namentlich erste Restaurant ein Bauchladen , eine Suppentonne mit Kohle Unterfeuer in Paris war , nennen sich heute ganz andere Gebilde Restaurant.
1765 gab es in Paris einen Suppenkoch der seine Produkte erstmals "Restaurants" nannte. Weil sie in der Lage waren den entkräteten Körper zu restaurieren. Er hatte ein Schild wo es sinngemäß so draufstand: "Boulangere verkauft ein Aufbaumittel. einen warmen Energydrink".
"Venite ad me! vos qui stomacho laboratis et ego resataurabo vos".
Seine Schafsfüsse in weisser Soße wurden berühmt. Die Pariser "Wirtshäuser" waren dazumal bereits eine schlagende Verbindung und sie wollten dem Restaurateur den Garaus machen. Boulangere gewann und sein Restaurant wurde bald in einem Haus weitergeführt.
So gesehen hätte ein Dönerstand viel mehr das Recht sich Restaurant zu nennen. Wirtshäuser aber sind etwas mit der Menschheitsgeschichte eng verbundenes. Menschen Handeln und wer handelt muß reisen und sich verpflegen.
Es gibt in Salzburg ein berühmtes Wirtshaus dort gabs einen recht gescheiten Wirt . NAchher ist es gleich ein Haubentempel geworden und das Wirtshauswesen ist weggekommen. Der hat eine guten Spruch hinterlassen:
Im Gasthasu schafft der Gast an, im Wirtshaus der Wirt!
Wer schafft im Restaurant an? Die Bank. Aber wer ginge schon in ein Bankhaus essen? Also mißbraucht man den Namen halt ab und zu ...
Ja und die Restaurants die wir heute so bezeichnen sind doch nur Erstzwohnzimmer für die Geschäftsmänner und Promis, so richtetes ein Jeder her obwohl er nie einen Promi dort sehen wird. Aber man machts halt so. Weil der Neureiche leistet sich keinen Hauskoch und die Kinder haben ja eine andere Zufluchtsmamma : Die Häusln mit dem großen M drauf, das sind die Restaurants...
OberkllnerPatzig, 22.02.08 @ 15:20
... dann empfehle ich Schweinsschwartlschmalzbutteröl als Gegenmittel!
PICCOLO, 22.02.08 @ 14:32
@geiles Zeuch...
Hick Bosonen Herr Patzig. Hicks Bosonen. Ja und Weinsteinsoße Kondensat. Das kann wahrlich ein wenig deppert machen...
OberkllnerPatzig, 22.02.08 @ 14:30
... ich käme halt nie auf die Idee, das "Winter" als Wirtshaus zu bezeichnen, ebenso wenig das "Landhaus Bacher" oder das "Kokoro". Bei der Katze bin ich mir schon nicht mehr sicher.
dfw, 22.02.08 @ 11:12
über alles...
...definiert sich so ein lokal, lieber patzig. alles muss passen. ob wirtshaus, gasthaus, restaurant, usw. auch übers service, usw. auch über den gulaschduft und den zigarettenqualm. und das beissend stinkende pissoir ;-)
deine frage hab ich schon verstanden, deshalb erwart ich nix, sondern lass mich überraschen, wenn's ein neues beisl ist, oder ein haubentempel.
die hütten, die ich schon kenn, kann ich ganz gut einordnen. und geh wieder hin oder net.
seit ich speisinger bin, hab ich 7 kilo zugenommen; sag mir lieber, wie ich die wieder runterbring :-)))
beim cipriani waren wir nicht, der ist zu uns gekommen - ohne kutteln, aber mit den besten bellinis, literweise.
für die kutteln fahren wir eh zum piccolo.
piccolos essays werden demnächst in buchform veröffentlicht. ich fang schon an zum sammeln und sortieren.
ich bin für piccolinas "woran die wirtin denkt" :-)
--- 04.09.18 @ 20:56
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--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 06.05. @ 11:56
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33