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SPEISING Open
03.11.09 @ 16:43
Der von vielen Restaurants gestohlene Begriff Wirtshaus
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Wir waren gestern in freudiger Erwartung unterwegs in das *Wirtshaus* (so bezeichnete es auch eine Beilage einer Tageszeitung und auch die Internetseite des Lokals) "Schloßkeller Seggauberg".
Wie sich jedoch nach unserem sehr guten Essen (siehe Empfehlung) herausstellte, ist es auch den oberösterr. Besitzern dieses Lokals nicht gelungen, Graz oder wie in diesem Fall der Südsteiermark ein Wirtshaus zu bescheren.
Da hat´s der Wiener gut.
Der geht quasi ums Eck ins Beisl (manchmal mehr od. weniger gehoben) und hat eine so große Auswahl an qualitativ sehr guter Hausmannskost!
Wir, speziell in Graz und der südl. Steiermark, müssen uns, um dieser Sucht und Kultur nachzukommen, in ein Restaurant begeben. Und wenn wir Glück haben und ein solches finden, müssen wir unser Beuscherl, Bries oder ähnliche Köstlichkeiten am schön eingedeckten Tisch (nicht negativ gemeint), in vielen Fällen als Zwischengericht, vom Designerteller und mit Glück ohne Gedeckgebühr essen. Das ist für uns kein Wirtshaus!
Also wie es aussieht kann man all diese Gerichte nur mehr in Restaurants bekommen?
Wo sind für Euch die Grenzen zw. Wirtshaus und Restaurant?
Warum gibt es keine Gasthäuser mehr, die über einen Schnitzelwirt oder eine Backhendlstation hinaus gehen? Ist es nicht mehr schick für die jüngere Generation von Gastronomen, ein Gasthaus zu führen oder andersrum ist es für die Speisinger zu wenig schick, in ein Gasthaus zu gehen? Wir haben in diesem Zusammenhang Freunde, die meinen, wenn sie im südsteir. Haubenniveau-Lokal am Kogelberg (Gedeck 2.50, Bier gibt es nur als Seidl) einkehren, sie hätten in einem südsteir. Gasthaus gegessen!
Wir wünschen uns mehr Mut von beiden Seiten, dem Wirt und dem Gast, zur wahren Wirtshauskultur.
Geht ein Stück Kultur verloren?
P.S.: Erfreut wäre man als Steirer, wenn wenigstens, wie im Gasthaus/Restaurant zur Dankbarkeit in Podersdorf, dem Wirtshausfanatiker ein paar "unplugged" Tische im Schankraum zur Verfügung stehen. Danke!
PundE
26 Kommentare | Kommentar abgeben
TomCool, 11.11.09 @ 18:33
Genau den mein ich
und ich trau mir das Lokal mit Sicherheit als Wirtshaus zu bezeichnen. Kann halt auch anderes. Aber es ist nciht umsonst vor allem am WE von vielen Grazern besucht.
Was hab ich noch mal alles gegessen in den 4 Tagen?
Backhenderl mit gemischtem Slat (Kernöl, eh klar)
Wildschweinsragout, Rotkraut und herrliche Knödel
Ein Salonbeuschel mit Bröserlknödel - HIMMLISCH
einmal den hausgebeizten Lachs (Darf man sowas in einem Wirtshaus nicht verkaufen, wenn man's kann)
einmal Schweinsrückensteak mit sautierten Totentrompeten (ich hab ihm 2 kg ausm Wald mitgebracht)
Immer fantastische Rindsuppen.
und Portionen, dass ich nie ein Dessert essen konnte.
Wirtshaus halt.
Aber vom Feinsten.
Von mir ein Herz!
thomasf, 11.11.09 @ 15:50
@TomCool
Meinen Sie das Weingartenhotel und Weingut Harkamp in St. Nikolai?
Ich habe nur das oben genannte im www gefunden.
Ist das wirklich ein Wirtshaus?
Wenn ich mir z. B. die angebotenen Speisen ansehe (Auszug aus der homepage):
- Hausgebeizter Lachs mit Lachskaviar auf Wodkagelee und Erdäpfelpuffer
- Riesengarnelen in Tempurateig gebacken auf Wokgemüse mit Chili und Ingwer
- Ruccolaschaumsuppe mit Limette
dann schaut es mir nicht danach aus.
Es gibt aber auch Backhenderl. (Quelle: www.weinlandgast.at)
Bitte nicht falsch verstehen, die Frage ist nicht bös gemeint, ich würde mich selbst über einen Tipp für die Südsteiermark freuen.
Hirn_mit_Ei, 10.11.09 @ 20:36
gibt es in graz den rauscher noch
in der grabenstraße? wen ja, der war immer gut! sehr gut!
walterkunz, 05.11.09 @ 18:40
Als Nichtsteirer kann ich nicht viel über Wirtshäuser in der Steiermark sagen, dennoch, ich erinnere mich, bei meinen Urlauben in der Grünen Mark (Semriach, Gamlitz, St. Lambrecht, St. Kathrein am Offenegg) des Öfteren in eher einfachen Gasthäusern eingekehrt zu sein und dort gut gegessen zu haben, normale Küche, Hausmannskost.
Die Grenzen zwischen Wirtshaus und Restaurant sind meiner Meinung nach nicht mathematisch genau zu ziehen, die verschwimmen, genauso wenig wie man ein Wirtshaus (Gasthaus, wienerisch auch Beisl) ganz genau definieren kann. Die Bandbreite des Gasthauses geht von einem sehr einfachen, nicht von Sauberkeit strotzenden Lokal bis zu einem recht gepflegten, gemütlichen Betrieb, von der überwiegend von gern und reichlich dem Alkohol zusprechenden Gästen frequentierten „Hütt’n“ bis zum von verschiedensten Gesellschaftsschichten besuchten gutbürgerlichen Gasthaus am nicht exakt definierbaren Übergang zum Restaurant.
Persönliche Anmerkungen zur Ausstattung: ein Gasthaus hat einmal einen Schankraum, der einfacher eingerichtet ist als das (oder die) Extrazimmer. Die Tischplatten im Schankraum sind aus Holz oder Resopal, manchmal mit einem Plastiktischtuch gedeckt, im Extrazimmer gibt’s bisweilen Tischtücher aus Stoff. In der Schank ist die Kühlwand samt Schankanlage fürs Fassbier integriert, bisweilen ist eine kleine Kühlvitrine vorhanden. Die Wände im Schankraum und im Extrazimmer sind oft mit Holz verkleidet, auf denen die Kleiderhaken angebracht sind, Garderobeständer gibt es nicht. Wer Suppe bestellt, dem wird ein leerer Suppenteller gebracht, dann kommt der Kellner mit einer silberfarbigen Schale und leert die Suppe in den Teller. Heute nur noch selten sind die zweiteiligen Teller für die Hauptspeise, der größere Teil für das Fleisch, der kleinere für Beilage oder Salat.
Persönliche Anmerkungen zur Speisekarte: die Standardkarte ist nicht groß, zumeist wird ein Mittagsmenü angeboten, bisweilen auch die eine oder andere Tagesspeise. Gekocht werden eher einfache Sachen der heimischen Küche. Paradeiser mit Mozzarella, Risotti, Mousse au chocolat sind unbekannt, ebenso wie Balsamicoessig, Kern- oder Olivenöl, und wenn’s schon Fisch gibt, dann ist er weder gegrillt noch gebraten, sondern paniert, früher Kabeljau, heute der billigere Pangasius.
Und was ist ein Restaurant? Auch da gibt es eine beachtliche Bandbreite, am Übergang vom gutbürgerlichen Gasthaus bis zum eleganten Lokal, in dem Kochkünstler aus erlesenen Zutaten in ungewohnten Kombinationen exquisite Gerichte zaubern, die die Mutter zu Hause nicht einmal vom Hörensagen gekannt hat.
PundE beklagt sich nicht zu Unrecht, dass manche Gastronomen durch ihr Understatement Verwirrung stiften, indem sie ihre guten Restaurants der Mittel- bis Oberklasse schlicht als Wirtshäuser bezeichnen, so wie sich in Italien manche Osteria als feiner und sündteuerer Schuppen entpuppt. Ein Blick auf die Website oder auf die Speisekarte vor dem Betreten des Lokals kann vor (unerwünschten und unangenehmen) Überraschungen schützen.
Außerdem, die Zeiten haben sich geändert, vor rund dreißig Jahren haben die Chinesen und Italiener begonnen, Wien gastronomisch zu erobern, später sind zusätzlich jede Menge Griechen, Japaner, Koreaner, Inder, Spanier, Amerikaner und andere dazugekommen, und in jeder noch so kleinen Bezirksstadt gibt’s zumindest je einen Chinesen und Italiener. Das hat der klassischen Wiener Wirtshauskultur nicht so gut getan, viele junge Menschen sind halt neugieriger und internationaler als ihre Eltern.
TomCool, 05.11.09 @ 15:49
südlich von graz
Fahr zum Harkamp. A Wirtshaus wia z'Haus.
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