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Tischgespräche
30.10.06 @ 12:52
Und nun: Die Köche.
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Ein paar Beiträge führten schon hierhin: zu den Köchen. Herr Hohenlohe meinte im Profil-Interview: „Wir sind nicht für die Gastronomen da”. Das sollten sich diese aber schleunigst zu Herzen nehmen! Und i h r e r s e i t s nichts für den Guide tun. Also nicht mit vorauseilendem Gehorsam angebliche Testergeschmäcker befriedigen, sich ihre Zutaten aus den Inseratenlisten wählen, mit Extras vorn und Extras hinten aufwarten und was da noch so alles zusammenkommt in der spitzfindigen Zusammenfassung. Tun sie das wirklich? Alle 800 oder wieviele Lokale?
Man muss ja unterscheiden zwischen Wirten und Köchen. Die ersten kochen durchaus auch selbst, aber sind Teil eines gewachsenen Gefüges. Sie exponieren sich natürlich gefährlich, wenn sie sich über ihr persönliches Maß hinaus an die Decke zu strecken versuchen. Die Nur-Köche, die herumgereicht werden und fast schon wie Fußballer auf einem Markt gehandelt werden, sind Eindringlinge, die Ruf, aber nicht automatisch Ruhm mitbringen. Da geht es dann nicht um die Bewahrung eines stimmigen Gefüges, sondern um das immerwährende Neuerfinden von eh schon Bekanntem.
Manch einer will sich aber auch allzu gewaltsam selbst erfinden, wird von unmäßigem Ehrgeiz getrieben. Der wäre auch ohne Führer da, wird aber durch sie noch weiter angestachelt. Das verengt den Blick: wer nur die zwei Michelinsterne vor Augen hat, übersieht leicht, was tatsächlich passiert – und ich möchte nicht wissen, wie da die Atmosphäre in der Küche ist! Aber die Gegenbeispiele gibt es: auch jene, die sich entziehen. Rainer Melichar in Traismauer, ein hervorragender Koch, gab der Familie den Vorzug vor Häubchen und Sternchen. Und er hatte wohl auch genug davon, immer nur als der begnadete Wörther-Schüler apostrophiert zu werden. Auch Hannes Hell im Zillertal hat mit dem GM keine große Freude, weil er vor allem den Rattenschwanz sieht, der daran hängt. Er kommt aus bester Schule, Hans Haas ist ja nicht irgendwer, aber statt nach prekärem Ruhm auf internationalen Bühnen zu streben, nahm er sich des elterlichen Wirtshäusls an und bleibt so auch nah bei den Zillertalern. Darüber wird auch geschrieben, das sieht man auch im Fernsehen – aber die Identität bleibt gewahrt.
Steht es denn so schlecht um das Rückgrat von den „Schwerarbeitern mit Künstleranspruch”?
Ich bin drei Tag in Sachen Wein unterwegs – wünsch einstweilen fröhliches Reden!
12 Kommentare | Kommentar abgeben
karlheinz, 30.10.06 @ 19:08
schwerarbeiter mit künstleranspruch
und leider habe ich schon zu viele
(man verzeihe mir die vermessenheit des ausdrucks, statistisch relevant ist die anzahl der von mir besuchten natürlich nicht)
von ihnen gesehen, die in erschreckender intensität begannen, zur frustbewältigung sich anderen tätigkeiten zuzuwenden. eine wurschigkeit griff um sich, die sich auch auf das niveau bezog.
schade.
profiler, 30.10.06 @ 16:17
köche und andere spinner....
wie überall und allem sonstigen im leben verhält es sich auch bei den "rückgratlosen schwerarbeitern mit künstleranspruch" ebenfalls dergestalt, dass der ganze facettenreichtum menschlicher persönlichkeit (mit allen vorhandenen selbsten, alma weiss was ich meine) abgedeckt wird, mit allem möglichem und unmöglichem, artigem und unartigem.
da gibt es eben menschen wie die oben erwähnten, denen es darum geht ihren beruf und tagewerk mit freude und hingabe zu verrichten, den menschen ein paar genussvolle stunden zu bescheren und wenn alles gut läuft mit rechtschaffenheit auch ein "wenig" geld zu verdienen.
dann gibt es noch die breite masse, denen es eigentlich egal ist ob sie nun schlosser, maurer oder eben koch sind und einfach nur ihren lebensunterhalt bestreiten und abends froh sind wenn alles vorüber ist und sich zuhause dumme fernsehserien oder sonst irgendwas anspruchsloses rein ziehen.
und dann gibt es noch die verbissenen, die fanatischen, die medienpräsenzsüchtigen, die ständig gelobt werden wollenden, die auszeichnungsgeilen, die sturen, die herrschsüchtigen dogmatiker, die choleriker, die gescheiterten, die die glauben sie könnens und in wirklichkeit nur herum murksen, die ahnungslosen für die kochen nur ein instrument zur darstellung ihrer persönlichkeit ist, die philosophen, die beamten usw.usw. diese reihe liesse sich endlos fortsetzen, wie eben über die menschen im "normalen" leben auch. und natürlich die, die es wirklich drauf haben.....
gruss
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