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Tischgespräche
12.02.07 @ 08:21
Sag mir, wo die Frauen sind
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Köchinnen kochen, aber künsten nicht.
So kurz zusammenfassen möcht ich die Anregungen, die im vorigen Beitrag daherkamen. Auf der Frage nach den Spitzenköchinnen und ob sich die in Schweden verstecken.
Malerinnen, Komponistinnen, Köchinnen: mangelndes Kreativitätsbewusstsein oder weiblicher Lebenszusammenhang? Toben Sie sich aus! Ich geh derweilen arbeiten ....
93 Kommentare | Kommentar abgeben
mazi, 15.02.07 @ 10:03
Kochbücher
Interessant, dass die Sprache immer wieder auf Kochbücher kommt - klar auch, denn wie sollte man sonst "beweisen", dass gekocht wurde, und wie, und von wem. Dass ein Problem für die Frauen die fehlende Schreibkunst war, liegt tatsächlich auf der Hand.
Meine Frage (und Anregung für einen nächsten Thread?): Wie lernt man Kochen? Aus Büchern? Durch`s Zuschauen? Durch Liebe und Leidenschaft zum und fürs Essen?
Es gibt Büchergelehrte, die nicht mal eine eigene Salatsauce machen können, mögen, wollen (welches Modalverb auch passt), andere, die nie ein Kochbuch angerührt haben (außer vielleicht ein Thea Nr.5, nicht, dass das schlecht wäre!) und zum Niederknien wohlschmeckende Dinge fabrizieren. Andere machen eine Mischung, lernen durch das familiäre Vorbild (@dfw: da wären wir in einem meiner ersten Blogs, Ess- und Kochkultur als familiärer Zusammenhang und Ursprung!), von der Urli (wie ich), lesen Kochbücher, nein, VERSCHLINGEN sie (wie ich) und kommen durch die Praxis dazu, immer mehr zu lernen. Also: Learning by doing? Learning by reading? Learning by "speising"?
Aber bitte ohne Stress. Das ist mal ein Credo jenseits aller Männlein/Weiblein-Theorien für eine gute Küche. Anstrengung - ja. Intensität - ja. Aber Druck und Stress machen's kaputt. Zumindestens oft...
katiza, 15.02.07 @ 07:07
Wer hat' erfunden?
@Kubse: weiß ich, ich meinte Quasi übertragen - und mit den Ärzten und den Rezepten (und der Welserin) landen wir meiner Meinung nach wieder bei den Frauen, den Hexen nämlich, aber auch Hildegard von Bingen - die Buchdruckkunsttheorie unterstreiche ich.
dfw, 14.02.07 @ 23:52
@Philippine Welser
war die Frau von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol; Sohn Kaiser FerdinandsI. Eine Mesalliance. Ferdinand hatte seine liebe Not mit denen. Philippine hatte angeblich pharmazeutische Kenntnisse, hat viel mit Kräutern experimentiert und ein Rezeptsammlung in einem Art Arzneibuch verfasst, Heute könnte man auch sagen: Kochbuch. Es ist also auch kein Zufall, dass das Wort Rezept das gleich ist, was wir in Kochbüchern finden und was uns der Arzt verschreibt.
PICCOLO, 14.02.07 @ 23:21
@Platina von Cremona
..wurde exkommuniziert, weil er Rezepturen druckte die von der heiligen römischen Kirche nicht erlaubt waren. Im übrigen waren es die venezianischen Drucker, die revolutionäres für die Verbreitung raffinierter Zubereitungen getan haben. Und zwar in Auflagen die nicht mehr so einfach zu sammeln und zu verbrennen waren. So blieb wahrscheinlich uns auch der Platina de Cremonensis erhalten. Also das Kochen hat sich in einem gewissen erlaubten Rahmen abgespielt. In jenen Zeiten die zu den Quellen heutigen Kochens gehören gab es nicht in jedem HAus eine Feuerstelle. Das Volk kochte nicht was ein Rumpolt aufgeschrieben hat.
Mehr oder weniger waren es dann doch seit frühester Zeit die Ärzte die die Kochkunst immer wieder revolutionierten. Avicenna mit dem Schnaps. Benediktinermöche mit Likören und Wein, Aureolus Bomabastus von Hohenheim, den ich gut studiert habe,mit den Lehren über die Arcanen und Quintessenzen, hat das Kochen und Gären unter anderen in Ferrara und Montpellier studiert. Dort gab es Ärzte zu jener Zeit die sich anschickten eine Hochküche nach Reinheitsgeboten zu erforschen um ihren Herren Altersleiden die unter dem Begriff Podagra bekannt waren, zu erleichtern. Man fand Zusammenhänge zwischen Speisen und Krankheiten. Die Herren waren ja fast nur mit dem Essen beschäftigt ...
Erstmals erschienen fast wissenschaftliche Grundregeln über Speisefolgen und man erkundete die Wirkung der verschiedenen Speisen auf den menschlichen Körper. Essenzen, Liköre, Würzkonserven entstammen diesen Schulen. Köche haben das von den Ärzten erlernt und weitergeführt. Weibliche Kochkunst orte ich erst in der frühindustriellen Zeit, wo sich Fabrikanten, Kaufleute und Freiberufler Hausangestellte genommen haben. eine berühmte Köchin die ich in Schriften kennenlernen durfte war die Konkubine eines österreichischen Kaisers, Phillippine Welser zu Amras bei Innsbruck. Das war ein Lichtblick für die Weiblichkeit. Mit italienischen Maurern baute man dort einen sagenhaft guten Herd. Ihr Walten war ferne dem Hofe , ferne von prüden Bischöfen und in lustvoller Freiheit. Eine Frauenküche die durch spätere finstere Zeiten wieder abgewürgt wurde. Einige Tiroler Speisen kommen doch aus ihrer Anregung. ein Hoch dieser Frau. Wann gibt es das Kochbuch - es liegt in der Nationalbibliothek in neuer Fassung??
ChristophWagner, 14.02.07 @ 22:09
Hausväter und Hausmütter
Wenn Piccolo schreibt, historisch gesehen hätten die Frauen das Kochen von den Männern erlernt, hat er formal Recht. Die ältesten Kochbücher, etwa der Menagier de Paris oder der Viandier waren allesamt, ebenso wie der italienische Platina, von Männern verfasst (natürlich auch der Apicius und, soweit man den als Kochbuch bezeichnen mag, der Archestrat). Auch im Deutschland der Renaissance gibt es eine umfangreiche Hausväterliteratur, in der Männer aufschrieben, was Frauen im Haushalt alles zu beherzigen hatten.
Der Schluss, dass die Frauen daher das Kochen von den Männern erlernt hätten, ist jedoch nicht zulässig. Das Ganze ist vielmehr ein Alphabetisierungsproblem. Während gebildete Männer sowohl in der Antike als auch in der Renaissance selbstverständlich des Schreibens und Lesens fähig waren, war diese Kulturtechnik den Frauen (wenige Ausnahmen wie Hildegard von Bingen bestätigen die Regel) verwehrt.
Eine Frau, die nach der Erfindung des Buchdrucks ein Kochbuch schreiben wollte, scheiterte also nicht am Kochen, sondern am Schreiben. Ich tendiere eher zu der Ansicht, dass der brave Hausvater sich von der fleißigen Hausmutter die Rezepte diktieren ließ, damit auch andere brave Hausväter ihren fleißigen Hausmüttern diese Rezepte weiter geben konnten.
Am Anfang der Kochkunst stand, anthrpologisch gesehen, mit ziemlicher Sicherheit diie Frau, die die Feuerstelle und, sobald dieser erfunden war, den Kessel verwaltete, während die Männer auf die Jagd gingen. Einzige Ausnahme: DIe Männer brieten das Wild in freier Wildbahn, indem sie es gleich auf den Spieß steckten, mit dem sie es erlegt hatten.
DIe Männer sind also bestenfalls die Erfinder des Grillens, aber sicher nicht jene des Kochens.
--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]
--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33