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Das Weinlog

05.09.05 @ 20:24

Küchenachterl, bairisch

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Das Küchenachterl ist eine feine Erfindung: natürlich muss jener Wein, in dem später ein gutes Tier schmurgelt oder der die Soß erst zur Sauce macht, auf seine Verwertbarkeit überprüft werden, und Koch/Köchin bedarf auch ausreichend erleuchtender Unterstützung, um der Kreativität auf die Sprünge zu helfen, da wird so ein Probeschluck schnell zum pluralisierten Achterl. So kann es geschehen, dass die Köchinnen eines Silvestermenüs fröhlich kichernd mit leeren Flasche auf dem Boden sitzen, als endlich die nur schnell auf ein Vorabendbier gegangenen Herren den Weg zurück nach Hause finden – das Rohr war hoffentlich auf Niedrigtemperatur gestellt!

Gute Küchen sparen nicht beim Kochwein, denn dieser soll dann auch entsprechend zum Gericht getrunken werden. Nur beim Burgunderbraten dürfte man in wohlsortierten Haushalten eine Ausnahme machen: aber da kann Kollege -hs sicher seine Erfahrungen zum Besten geben!

Unlängst begegnete ich einem Küchenwein, bei dem ich, wiewohl mein Hang zum Kauf von Weinen im Supermarkt ist nicht sehr ausgeprägt ist, angesichts einer meterhoch bestückten Regalendfront doch zugreifen musste: Vin de Cuisine. Das ist französisch. Zusatz: „Der Wein für die feine Küche”, und darüber prangt das subtil lächelnde Antlitz von Meister Witzigmann. Holla! denk ich mir, feine Küche fürwahr, und studiere die Rückenetikette: Lerchl GmbH aus Gamlitz. Das wäre steirisch. Landwein aus Gutsabfüllung – und ein Grüner Veltliner! Aus der Steiermark! Ab mit dem Doppelpack zum Sonderpreis.

Als Einstiegs-Küchenachterl ist dieser prominenzversehene Küchenwein durchaus möglich, aber tunlichst am selben Tag zu verkochen oder auszutrinken, denn er verliert sich schnell in seiner undefinierten Zugehörigkeit. Und so bleibe ich bei bayrisch, denn:

wer sich in der Steiermark umtut, dem ist mittlerweile auch „Terra Gomeliz” (ja, diese alten lateinischen Namen ...) ein Begriff: das Weingut eben jener Familie Lerchl aus München, die die Steuerberatermillionen des Seniors in ein schmuckes Weingut samt Hubschrauberlandeplatz und Alterssitz investiert hat. Zu den 11 ha in Steinbach kommen noch Beteiligungen in Slowenien und weitere Vermarktungen innerhalb der Firma Vino Alpe Adria. Steirische Frische mit internationaler Stilistik: der Muskateller Cru 2003 etwa, der weniger als Aperitif denn als Begleiter zu asiatisch Anmutendem taugt. Man wird sich weiter umsehen.

www.lerchl.at

31 Kommentare | Kommentar abgeben

andreasbigler, 09.09.05 @ 22:12

@ Petrus long
Echt, Afri Cola gibt's noch?

Kann mich noch erinnern, unsere Bauern im Tullnerfeld ließen sich in den 70ern alle die Afri Cola Werbung auf den Stadl montieren, denn dafür gab's anscheinend nette Kohle .....

Minimalist, 09.09.05 @ 16:03

Petrus long
Ein Verbesserungsvorschlag. Petrus mit AfriCola mit rot-weiss gestreiftem Plastikstrohalm mit elegantem Ofenrohr-Knick.

classic-wine, 09.09.05 @ 12:59

ESSIG
OK nehm den stoff heute mit.....wird aber nicht ausgesoffen....dient rein gastro-wissenschaftlichen zwecken.......petrus ist aber nur 97er...soll ich alles schon mischen? ca 1 liter.....

-hs, 09.09.05 @ 12:19

@classic-wine: Zuerst zu Essig vergären
keine speziellen Kochpläne meinerseits, aber wie wäre es mit einem Projekt, bei dem selektierte Rotweine zunächst zu Essig vergoren werden.

Ich würde das in einer Art metayage gerne übernehmen: classic-wine liefert die Weine, ich mach den Essig und bekomm' dafür die Hälfte.

So ein Petrus-Essig wär doch was.....

classic-wine, 09.09.05 @ 11:34

Wineadvocate 160
Habe mich gefreut das wieder etwas über Österreich geschrieben wird, muss aber dazu sagen das es sein könnte das der Schuss dann nach hinten losgeht.....denn hauptsächlich mässige Bewertungen mit hohen Preisen könnte den wichtigen US Zukunftsmarkt sowie viele internationale Weinliebhaber abschrecken.......

Hallo Heinrich kochst Du heute?, wie wäre ein Versuch mit Petrus Masseto Phelps oder Magdelaine........

Thema Merlot in der Sauce....

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