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Das Gastlog

21.07.06 @ 12:31

Retro 2

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Zur wohligen Kindheitserinnerung mit absurden emotionalen und kulinarischen Elementen faellt mir noch was ein: Wie ein Tag mit Sieben schmeckt ja auch das morgendliche Schmelzkaesesemmerl in Fruehstueckspensionen. Die Foliendreiecke gehoeren offenbar genau so zur oesterreichischen Urlaubsathmosphaere wie der Tischmistkuebel, die karierte Tischdecke oder das winzige Leberaufstrichdoserl. Fuer mich persoenlich hat diese - sehr, sehr komische - Sitte wesentlich mehr mit alpenlaendischer Tradition zu tun als Karl Moik, Herzerlsessel oder sonstwelcher Kitsch. Ob das gut ist - keine Ahnung, aber ich muss zugeben, dass ich manchmal auf ein Fruehstueckspensionsfruehstueck steh.

20 Kommentare | Kommentar abgeben

karlheinz, 23.07.06 @ 18:45

lieber PICCOLO...
..., ich gehe vollkommen d'accord mit ihren ausfuehrungen.
und was den von ihnen verlinkten artikel betrifft (...the world's changing eating habits is threatening the sea's stock of the species. ...):
ja, eh, eben darum muesste ich dann bis auf die von hand einzeln am schonhaken zaertlich hervorgeholte forelle aus dem thoerlbach auf nahezu alles fischgetier verzichten, ob wild oder gezuechtet.
da halte ich es aber genauso (trotzdem nicht gedankenlos) wie mit der stopfleber.

vielleicht ueberredet mich ja einmal jemand zum ersatzweisen genuss von laborgezuechteten gewebekulturen aus tierischen proteinen, wer weiß?
aber, da ich vorhabe, noch recht lang zu leben, siehe oben:
alles zu seiner zeit :-)

PICCOLO, 23.07.06 @ 10:56

@karlheinz...
zum Thunfischlappen:

http://www.time.com/time/europe/magazine/article/0,13005,901060724-1214931,00.html

Zum Thema: Im Grunde wäre es ja die beste Ernährungsweise, alles zu essen was essbar ist und gut schmeckt. Auch die Erungenschaften der Fastfoodindustrie. Denn wenn die Ernährungsweise einen Einfluß auf die Beschaffenheit des Körpers hat, braucht man ja für die Gifte aus der jetzigen Luft auch Koppelungsmoleküle in den Zellen, die aus der teilweise von fragwürdigen Inhaltsstoffen (modifizierte Proteine,Basen und Proteasen) dann ins Fleisch kommen. Wer nur natürlich isst machts demnach also falsch. So als spagyrische Medizin sehe ich das. Das Prnzip des Ausgleichs.

Nur wirklich nitratreiche Fressalien meide ich.

karlheinz, 23.07.06 @ 00:16

@ PICCOLO
ich fuerchte mich nicht als essbanause abgestempelt zu werden, nur weil ich oeffentlich zugebe, dass mir heute fuer eine intersparbillazielpunkt – bretteljause leid ums geld ist.
Gott zum dank haben wir ja alle unterschiedliche essvorlieben, sonst saeh’s schlecht aus um gastronomen mit eigenem willen –
eine einzige weltweit standardisierte abspeisungslokalkette wuerde reichen.
nein – mir schmeckt das einfach nicht mehr!

umgekehrt oute ich mich gern als einer, der vor zwei tagen freiwillig, gern und mit retrogenuss auf dem kapfenberger frauenberg einen altbewaehrten grillteller verzwickt hat.
so, wie er dort hingehoert:
da m u s s das fleisch papierduenn geklopft und durchgebraten sein, da m u e s s e n fette pommes und tiefkuehlgemuese drauf sein, anders waer’s nicht authentisch. so wollte ich das, so bekam ich’s, und geschmeckt hat’s.
genauso wie dann am abend der bauchlappen vom tunfisch.
alles zu seiner zeit.

PICCOLO, 21.07.06 @ 15:06

Lieber Profiler..
...das ist es: Es hat sich eine Kaste der "Speiser" gebildet, welche sich bei dem beschriebenem "Junkfood" geringschätzig äußern. Teils aus den beschrieben Gründen, weil die De - Naturierung vollkommen klar ist, jedoch zum größeren Teil fürchtet man sich mit solchen Vorlieben als Ess Banause abgestempelt zu sein. Das Axiom von Du bist was Du isst sieht man widerlegt. Man sagt Du isst was Du bist. Also isst Du "Junk", dann bist du "Junk"..

Ich der ich keine nitrierten umgeröteten Kali haltigen Fleischwaren esse, freue mich in der Fremdenpension eben auch auf das Alm Eckerl oder noch besser diese fette Enzianschmiere im Semmerl. Warum auch nicht. Ich esse sonst immer frisch und mit hohem Ernährungswert. Besser als billiger Parmaschinken und weicher Almspeck von Säuen aus Holland im Pustertal gereift.

Die Kundschaft im Nobel - Bettenbunker will das Junkfood auch, denn ob man es glaubt oder nicht, daheim essen die Leute ja viel mehr von diesem Zeug als sie es zugeben. Die Macdonalds in den Fremdenverkehrsorten werden auch von diesen Gästen gerne bescuht. Ich finde auch in einem Spitzenhotel gehören gewisse standardisierte Sachen am Frühstücksbuffet dazu. Schon um solche niederen Triebe zu befriedigen. Und nan spart sich ja auch was.

Ich habe in meinem Leben schon einige Nobel Haushalte als "Partykoch" gesehen, und was ich dort in den Kühlschränken und Regalen fand ist grandios.

Einmal habe ich einfach 15 angebrauchte Packerlsuppen aus den Frischhalteboxen eines Magazins (war bei einem Herrn Graf von und zu..)zusammengekocht und da die Knorr Steinpilzcreme etwa 8 fach in angebrauchtem Zustand vorhanden war, eben eine Waldpilzcremesuppe hergestellt. Einerseits wollte ich der hauseigenen Köchin zeigen wie man Resterln verwertet, und andererseits sparte ich mit meinen Zutaten Einiges ein. Die Gesellschaft lobte das Gebräu als die beste , feinste und herrlichste Suppe aller Zeiten.

Heute 50jährige Anwälte im Luxushotel und so weiter erinnern sich gerne an die Bundesheerzeit wo die Inzersdorfer Jagdwurst und die Leberpastete ein Hit waren, wenn sie jetzt das im Hotel ab und zu wieder finden.´Obwohl es doch jeden irgendwie an Katzenfutter erinnert...

Viele Grüße nach Tirol!

profiler, 21.07.06 @ 14:12

frühstücken im urlaub.....
ich oute mich mit schamesröte im gesicht, dass ich manchmal, aber wirklich nur selten, ebenfalls zum alma doppelrahm greife. meisstens mit darauffolgendem schlechten gewissen. und zwar deswegen weil ich mit eigenen augen gesehen habe, wie das zeug hergestellt wird und was da reinkommt. die bezeichnung käse oder lebensmittel trifft da nur noch ansatzweise zu.

bei uns im hotel gibts solche dinge selbstverständlich nicht, keine portionierte streichwurst, keine portionierte butter oder marmelade, keine käseeckerl. auch kein abfalleimer am tisch..... und doch bemängeln manche gäste das fehlen der oben beschriebenen dinge. es scheint tatsächlich so zu sein, dass diese abscheulichen sachen für manche menschen zu einem ordentlichen urlaubsfrühstück dazu gehören. denn ich kenne keinen menschen der zuhause einen mistkübel am tisch stehen hat.

gruss

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