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SPEISING Open

16.01.08 @ 09:18

Teuer muss schmecken.

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Die derzeit durch alle Medien geisternde US-Studie (als ein Beispiel von vielen möge dieses tinyurl.com/23skb3 dienen) zur Korrelation von Weinpreis und Geschmacksempfinden enthüllt, was wir eh schon immer wussten: Teures MUSS schmecken.
Deshalb besuchen wir eifrig Blindverkostungen, um das Gegenteil zu beweisen, frönen in kostspieligen Lokalen der Genusssucht, um das Haar in der Suppe zu finden, und trauen selbstverständlich keinem Marketing-Strategen über den Weg.

Blöd nur, dass das, was mehr kostet, auch wirklich sehr oft besser ist. Haben Sie schon mal Kaschmir gefühlt? Zum Süchtigwerden! Ja, guter Geschmack kann leider auch teuer sein. Muss aber nicht, wissen wir eh, und ich frag mich, wie das so ist, Cabernet-Schlürfen im Computertomographen?

Angelika Deutsch

88 Kommentare | Kommentar abgeben

epicuria, 21.01.08 @ 14:43

kaschmir
genau dahin gingen auch meine gedanken. als frau sei mir verziehen, dass ich halt essen mit g'wand vergleiche.
pashmina ist auch nicht gleich pashmina - auch wenn mit dem namen sehr viel schindluder getrieben wird (die letzen "echten" kaufte ich in frankfurt, das stück zu 2,50). wenn ich mich aber in das gute stück wickle, das ich um echt wohlfeile 55 euro irgendwo in china gekauft habe und merke, wie mich das zarte etwas, das grad einmal 100 g wiegt, wärmt, was die anderen, trotz einem mehr an gewicht, nicht tun, ist der höhere preis allemal sein geld wert gewesen.
umgelegt aufs essen war halt das langsam gewachsene kobe beef (wagyu rind *gg*), das sicher das beste an fleisch, das ich je auf meinem gaumen zu spüren bekam, und halt auch lichtjahre von jedem braven stück tafelspitz heimischer provenienz entfernt und (ich nehme mal an, auch preislich). und jenes stück bioschwein, das ich unlängst zu schweinsbraten verbraten habe, kann man auch nicht mit einem billigschwein, das kaum geboren, fast zu tode gefüttert, schon wieder verpackt im supermarkt liegt, vergleichen.
beim wein ist es schon schwieriger zu werten. sicher ist, dass die arbeit in weingarten und keller, beim roten auch die barriques, sich zu buche schlagen. es gibt eine grenze, unterhalb derer ein wein einfach nicht den ansprüchen genügt, die man sich "ertrunken" hat, die sollte aber nach oben hin irgendwo einen logischen horizont erreicht haben, der, wie kubse vorhin auch erwähnt hat, bei gewissen weinen, schon lang überschritten wurde. nicht nur bei restaurants, sondern gerade bei winzern ist ein entdecker-gen sicher wichtig. dass man aber, wenn man fündig geworden ist und seine freude darüber nicht bei sich behält, eine spirale nach oben in gang setzt, ist leider auch klar. also, wieder auf zu neuen ufern. macht ja nix - hält uns jung und motiviert jede menge gastronomen und winzer, ihre qualität zu steigern, weil sie ja auch ein stück von dem kuchen haben wollen.
noch einmal zurück zu kaschmir. so einen pulli kann man, weil aus der vergangenen kollektion, im ausverkauf mit glück zum halben preis recht günstig erstehen.
leider wird gutes essen nie so alt, dass man es verramschen muss. und guter wein mit den jahren leider noch teurer.
aja: ruskin war wirklich ein kluger mann.

kubse, 20.01.08 @ 21:18

Gemacht
Ich muss bei dem Thema sofort an "Preisgestaltung" denken. Ich versteh ja nicht viel davon, aber es ist dem dümmsten Menschen klar, dass ein neu auf den Markt geworfenes Auto, das in derselben Klasse wie der Golf antritt, nicht zufällig fast auf den Euro denselben Knödel kostet wie dieser. Auch wenn die Vergleiche oft schwer anzustellen sind aufgrund der diversen Marketingstrategien.
Beim Wein ist genau dasselbe festzustellen, man braucht da nur die Preislisten beispielsweise der Wachauer Topwinzer anzuschauen. Diese Preise ERGEBEN sich nicht, sie werden GEMACHT. Natürlich ist der Lagenriesling mehr wert als die Veltliner-Frühlese, ist Kaschmir geschmeidiger als Polyester. Aber da ist überall derart mafiose Absprache dabei, dass ich bei einigen Sachen für mich die Ärger-Bremse gezogen hab, seien es besagte Wachauer oder gleich die Bordeaux-Primeurs.

Ein ebenso wichtiger Aspekt scheint mir gleichzeitig einer der großen Anziehungspunkte dieser Gemeinde zu sein: Teuer genießen kann jeder, aber die Geheimtipps aufspüren, da liegt der Reiz, gerade in Speising. Natürlich gebührt den Hanners und Petzen ihr Platz, aber den kriegen sie sowieso in allen Guides.

Das Schlimmste aber: Auch bei den Restaurants gibt's den falschen Kaschmir, der nicht selten das Geld eines echten kostet ;-)

piccolina, 20.01.08 @ 10:03

Gestern gehört...
Kürzlich: Weinprobe - New York - lauter Richies & Mirsindwas und sie schlürften gar köstliche Tröpflein. Keiner wusste, dass man zu hintergemeinen Testzwecken auch die Sorten "Ziehrg Mizam" und "Ehscho Gwürgt" dazwischen mengte... - und siehe da, keiner hat's bemerkt - womit die Urmenschheitstheorie: "Teuer muss schmecken" bewiesen werden konnte!

dfw, 19.01.08 @ 21:41

"was eine uhr teurer als 2 dollar ist purer luxus" sagte mir schon mein freund in london vor vielen jahren.
"was ein mann schöner ist als ein aff'....!
nachzulesen in tante jolesch. :-)
solche sager lassen sich beliebig fortsetzen.
der preis regelt sich über angebot und nachfrage und ist zudem auch abhängig von der nutzenstiftung.
wer aus prestigegründen (status-) oder aus angeberei - wie ich - den luxus vorzieht, leistet sich halt, was anderen verwehrt bleibt.
meine erfahrung ist, dass qualität ihren preis hat, und ich ein vielfaches erhalten oder nützen kann im vergleich zum billigen. da muss ich hh recht geben.
das ist auch beim essen und trinken so.
deshalb trag ich auch eine teure armbanduhr.
ansonsten, na ja: "i keep a low profile" .

sonjaaa: ich glaube, das zitat wird oscar wilde zugeschrieben.

piccolina, 19.01.08 @ 09:28

Was es wiegt...
Ich denke immer an die uralte Volksweisheit, die so treffend sagt: „Was’s wiegt, des hat’s!“, nur den Nepp kann ich nicht leiden, aber manche Gschpreizte brauchen halt „Tutti frutti“, damit es ihrem leeren Hirn bekommt, damit der flache Verstand ins Gebirge schauen kann und wenn es unsinnig teuer war, dann war es unsinnig gut, so glauben sie.
Piccolo hat natürlich Recht, Billigware kann nicht so gut sein wie Qualität, die halt auch
gutes Geld kostet, wie wir alle wissen, sogar ich als Nichtprofi weiß das. Doch was ist billig? Niemand wird seine Ware unter dem Einkaufspreis verkaufen, unkalkuliert sein Gasthaus betreiben, das ist sicher. Vielleicht sollte man den Titel ändern? "Überteuert muss
nicht immer schmecken".

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