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SPEISING Open
16.01.08 @ 09:18
Teuer muss schmecken.
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Die derzeit durch alle Medien geisternde US-Studie (als ein Beispiel von vielen möge dieses tinyurl.com/23skb3 dienen) zur Korrelation von Weinpreis und Geschmacksempfinden enthüllt, was wir eh schon immer wussten: Teures MUSS schmecken.
Deshalb besuchen wir eifrig Blindverkostungen, um das Gegenteil zu beweisen, frönen in kostspieligen Lokalen der Genusssucht, um das Haar in der Suppe zu finden, und trauen selbstverständlich keinem Marketing-Strategen über den Weg.
Blöd nur, dass das, was mehr kostet, auch wirklich sehr oft besser ist. Haben Sie schon mal Kaschmir gefühlt? Zum Süchtigwerden! Ja, guter Geschmack kann leider auch teuer sein. Muss aber nicht, wissen wir eh, und ich frag mich, wie das so ist, Cabernet-Schlürfen im Computertomographen?
Angelika Deutsch
88 Kommentare | Kommentar abgeben
hh, 18.01.08 @ 22:02
Ruskin war ein gescheiter Mensch...
Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.
Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas besseres zu bezahlen.
John Ruskin
engl. Sozialreformer (1819-1900)
lg hh
PICCOLO, 18.01.08 @ 15:10
Einfache Logik.
Ich habe es mein ganzes "Kochleben" so erlebt: Was Billig ist ist auch nichts wert. Daher gibt es ja auch nirgends mehr einen guten Brei. Man hat die Speise, üffentlich genossen zum Leckerbissen erhoben, um jeden Preis. Man baut um das Essen herum einen Palast, nicht nur materiell auch in geistiger Form. So bestehen viele Luxusküchen auch neben einen besonderen Gebäude, noch aus Historie, wie ein Wallfahrtsort auch dann noch aus klangvollen Worthülsen gut abgefasst auf Papier und in elektronischen Medien. Es ist ein Glaube, man opfert einem Gotte, dem Men. Wer dort dann speist erwartet sich niemals eine Billigkeit. Ähnliches erlebt man auch in der Religion. Eine Kerze für die schwarze Madonna um 50 cent? Sowas sieht der liebe Gott nicht einmal, da meint der doch glatt man sei auch im Gehirn krank... Aber einen goldenen Haxen gegens Zipperlein im Fuß, ja bitte her damit!
Ja ich bin absolut dafür dass es Weine und Essenzen und Restaurants zum "ausbrennen" gibt. Was wäre denn die Landesküche ohne die Üppigkeit und die einzigartigkeit eines Witzigmann, Bucuse und Adriá. Der alle Minderbemittelten durch seine hohen Preise ausgeschlossen hat. Das machen ja in Salzburg die Festspiel - Lokal auch. Wer als Normalverdiener in den HAngar geht ist wirklicher Depp. 'Ich muß das nicht haben, ich bin ein hinduistischer Christ und brauche immer ein paar Leute im Lokal die so arm sind wie ich. Sonst würde ich mich zu alleine auf der Welt fühlen.
PICCOLO, 18.01.08 @ 14:54
@nietzsche
Dieser Aphorismus ist in "Morgenröte" 3.Buch Nr. 203.
Andere Bezüge zu Nietsche, der die Küche der piemont als die beste meinte:
In "Warum ich so klug bin" 1. Sure
Und in "Unsere Tugenden". etwas nettes über die Frauen als Köchinnen: -- 234
sonjaaa, 18.01.08 @ 11:22
Nietzsche
also Nietzsche hat mir schon auf manchen Wegen die Richtung gewiesen, aber bislang ging s dabei nie um Kulinarisches. In welchem Werke, lieber Piccolo, verfasste Nietzsche denn dies trefflich Wort? Danke im Voraus.
PICCOLO, 17.01.08 @ 22:56
@nietzsche
Über unsere Diät
Pfui über die Mahlzeiten, welche jetzt die Menschen machen, in den Gasthäusern sowohl als überall, wo die wohlbestellte Klasse der Gesellschaft lebt!
Selbst wenn hoch ansehnliche Gelehrte zusammenkommen, ist es dieselbe Sitte, welche ihren Tisch wie den des Bankiers füllt: nach dem Gesetz des „Vielzuviel“ und des „Vielerlei“, woraus folgt, dass die Speisen auf den Effekt und nicht auf die Wirkung hin zubereitet werden, und aufregende Getränke helfen müssen, die Schwere im Magen und Gehirn zu vertreiben.
Pfui, welche Wüstheit und Überempfindsamkeit muss die allgemeine Folge sein! Pfui, welche Träume müssen ihnen kommen! Welche Künste und Bücher werden der Nachtisch solcher Mahlzeiten sein! Und mögen sie tun, was sie wollen: in ihrem Tun wird der Pfeffer und der Widerspruch und die Weltmüdigkeit regieren! Zuletzt um das Lustige und nicht nur deren Ekelhaftes an der Sache zu sagen, sind dicke Menschen keineswegs Schlemmer; unser Jahrhundert und seine Art Geschäftigkeit ist mächtiger über ihre Glieder als der Bauch: Was wollen also diese Mahlzeiten? Sie repräsentieren!
Was in aller Heiligen Namen?
Den Stand? - Nein das Geld: man hat keinen Stand mehr!
Man ist „Individuum“! Aber Geld ist Macht Ruhm Würde, Vorrang, Einfluss; Geld macht jetzt das große oder kleine Vorurteil für einen Menschen, je nachdem er davon hat! Niemand will es unter den Scheffel, niemand möchte es auf den Tisch stellen; folglich muss das Geld einen Repräsentanten haben, den man auf den Tisch stellen kann: Unsere Mahlzeiten!
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Danke Fritz! Das hast Du schon vor 130 Jahren gut erkannt!
--- 04.09.18 @ 20:56
Über eine Monokultur aus Klonen künstlich geschaffener Lebewesen – über den Weinbau / PICCOLO: Aus einem alten "Spiegel" Artikel 30.10.1978 - Deutsche Winzer ziehen der Biene wegen den Zorn des Waldgängers Wellenstein auf... [mehr]
--- 04.11.17 @ 09:30
Über würdige, reife Weine / schischi: Mein persönliches Highlight - Uns hatte einmal ein Winzer, das muss so um 2010 gewesen sein, einen Weißwein... [mehr]
--- 09.10.17 @ 20:27
Was Chemtrail-Glaube und Biodynamischer Weinbau eint / OberkllnerPatzig: Feuer - Was man womöglich noch hinzufügen kann ist, dass manche Winzer, die sich rühmen,... [mehr]
--- 18.04.17 @ 12:49
Rauf die Preise! / PICCOLO: Schnell kommt man ans Bildermalen... - Doch schwer an Leute die es bezahlen. So salopp sagen, die Preise sollen rauf,... [mehr]
--- 13.10.16 @ 13:42
Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 06.05. @ 11:56
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33