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Tischgespräche
18.09.06 @ 09:46
Speis'kartenpoesie
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Es ist pure Absicht. Die Vereinigung der doch eher umgangssprachlichen Speiskoatn mit der hehren Poesie. Denn jenes Aushängeschild eines Lokals, sein oftmals wichtigstes Marketinginstrument - dann, wenn weder Mundpropaganda noch Restaurantführer vor die unbekannte Tür geführt haben, sondern der Hunger auf Umwegen oder akribische Reiseplanung im Internet – weist gerne jene unfreiwilligen Verquickungen unterschiedlicher Sprachebenen auf, die je nach Ironisierungspotential des Lesenden von Amüsiertheit bis Unerquicklichkeit reichen.
Weil es mir gerade unlängst, in einem wunderschön neu gestalteten ehemaligen Bahnhofswirtshaus unterkam, ein Ausrutscher in die Diktion der fernen Nouvelle-Cuisine-Anfänge Österreichs:
„Weiße Tomatenschaumsuppe an zweierlei Crostini”
Ich versuche mir vorzustellen: zwei Miniaturcrostini (nicht anders als en miniature sind sie vorstellbar, bei dieser Speisenbeschreibung), a n denen das Schäumchen zu liegen kommt. Wenn es nicht zugleich Suppe sein müsste. Denn dann ist es vorbei mit an, dann wird um-, unter- und überspült. Und der ganze schöne Nouvelle-Cuisine-Traum gerinnt zur Suppe mit Einlage.
Eigentlich aber: wollte ich anders beginnen. Bin vom zentralen Thema abgekommen. Denn was ich wissen wollte: wie ausführlich oder reduziert sollen Speisenbeschreibungen sein auf der Karte? Wollen Sie jedes Kreativdetail eines ehrgeizigen Küchenchefs im Voraus wissen und es dann möglicherweise vergeblich suchen müssen? Wie bei „Hirschrückensteak in der Pekannusskruste, dazu Hirschrostbratwürstl, an Vogelbeersauce, Kartoffel-Marillenblattl und Camparizucker”? (Im übrigen ein Gericht, das ich gerade deshalb bestellen würde, weil es so unvorstellbar ist.) Oder ist Ihnen mit einem minimalistischen „das meer die tomate & ein bisschen mehr” oder „fuenf mal schokolade” als Herausforderung für die eigene Imaginationskraft und Vertrauensbeweis für den Küchenchef besser gedient?
Klar, an einem Schweinsbraten mit Kraut und Knödel ist nicht zu rütteln. Aber wir unterhalten uns ja hier gerne über die anderen kulinarischen Wege. Was also wollen Sie lesen? Was Sie dann essen, ist ohnehin eine andere Frage.
30 Kommentare | Kommentar abgeben
TomCool, 25.09.06 @ 23:56
Eine gute Software
schafft Arbeitsplätze, nicht Konkurse.
Danke fürs Lob
5622, 25.09.06 @ 22:46
steuer und cooler tom
ja, ja die steuer. die finanzer haben ihre größte freude an der bmw-branche (bäcker, metzger, wirte), richtig interessant wird es erst - verriet mir ein steuerberater kürzlich - wenn die steuererklärungen des jahres 2006 mit der software aus dem jahr 2009 geprüft werden kann, dann wirds konkurse hageln, hat der steuerprofi (einer der besten österreichs) vorausgesagt.
hey tom: coole website, ich werd mich mal ende oktober bei dir melden (vorher ist schlecht, hat seine gründe, wenn du wissen willst, welche das sind, frag piccolo, er wird dir unter vier augen ein lustiges gschichterl erzählen ;-))
PICCOLO, 25.09.06 @ 18:16
Politische Speisenkarten
..Steuerprüfung: Die Speisenkarten werden durchleuchtet, mit den Kassenbons verglichen. Wehe wenn da was nicht zusammenpasst! Wasabipaste? Wo gekauft wieviel geht heraus? Biersoße, wieviel Bier ist drin und Burgunderbraten - Beuschel, herrjemine, das schenkt dir der Metzger, du Schwarztverkäufer!! Das glaubt Dir Wirterl keiner dass du bei jedem Burgunderbraten 2 Liter Blaufränkischen verschwendest....
Speisenkarten werden zum Verräter wenn sie zuviel drauf haben. Also wenn Euch der Steuerfuzzi kreuzweise können soll, schreibt gar nicht erst viel auf die Karte, denn hier greift uns die Politik voll am Schopf. Es lebe die mündliche Speisenkarte!!!
Hier zeigt es sich was die österreichischen Dampfplauderer im Parlament für A....l.....r sind! Die fressen sich mit jedem Junkfoof feist und wenn sie gut essen gehen wollen sinds dann in Südfrankreich in ihren erwucherten Villen.
Politiker scheren sich nicht um gute Kost. Nur wenn schon halb Österreich adipositasbauchig herumrennt und es dem Gesundheitssystem Geld kostet, kriechen sie wie die Maden aus ihren Specklöchern und dann sollen die Leute von heute auf morgen ihre Kinder von den scheusslichen Fresshütten und Schokoriegeln wegerziehen, deren Bonzen ihnen die dicken Geldsummen zustecken für ihre Villen an der Cote d´Azur...
Also wenn der Steuerfuzzi beim Koch sitzt ist es immer Feieraben für die gute Küche. Der will nämlich Stückzahlen beim Apfelstrudel und so weiter sehen. Der will einzelverpackte zusammengeklebte T- Bonesteaks auf der Karte sehen, an Keniabohnen mit genau abgezählten Pommes Duchesses vom Elfer....
Heucheln wir uns also noch ein wenig was vor, von der guten Küche die Österreich so weltberühmt macht!
Der Individualismus ín der Küchenkultur wird jeden Tag gemordet! Von den Schergen der Politik!
Schöne Grüße aus der freien Republik Pikkolanien!
TomCool, 25.09.06 @ 14:25
Der Kontakt...
... würde mich wirklich freuen.
5622, 25.09.06 @ 13:15
unterrichtsfach essen
da leg ich dir den brugger gerhard von der plainlinde in bergheim ans herz. der macht das in kooperation mit dem land salzburg bereits seit einem halben jahr. ist eine geschichte mit dem salzburger kneippverband. er gibt dir sicher gern ein paar erfahrungswerte weiter, woran es da bei der realisierung hapert und wie man die politiker dann doch noch rum kriegen kann ;-))
--- 04.09.18 @ 20:56
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Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
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Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33