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Tischgespräche
19.10.06 @ 09:29
Vom Suppenspucken und anderen Enthüllungen
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Gestern war es also soweit, platzte das randvoll mit Spannung gefüllte Sackerl: Frau Thurnher berichtete in der ZIB2 mit stoischem Lächeln vom nunmehr endlich erscheinenden und hier bereits im August vorweg tinyurl.com/yk6xdo diskutierten Enthüllungsbuch in Sachen Gastronomie. Um klar zu sehen: ich selbst habe das wesentliche Werk zur Befindlichkeit von Ex-Gault-Millau-Kritikern und Journalisten mit Insiderwissen noch nicht in Händen, geschweige denn gelesen, und sträub mich auch ein wenig – es gibt Erbaulicheres! Doch mit der gestrigen Präsentation war die Suppe schon verschüttet, die versalzene: das zentrale Thema scheinen demnach Kritikerprügel zu sein. Rasch eingeholte besänftigende Statements von Professionisten aus dem Gastro-Bereich konnten des begossenen Pudels Kern nicht mehr trocknen: der vermessene Kritiker ist scheints Schuld am Leiden der heimischen Gastronomie. Und so muss es wohl dem Gaumen eines Einzelnen zuzuschreiben sein, wenn plötzlich in entlegenen Salzburger Tälern allenthalben Thunfisch zu finden ist, und nicht dem dort ständig verkehrenden Rungis-Express.
Ohne aber tatsächlich zu wissen, was im Buche steht, gebe ich keinen weiteren Kommentar ab, öffne vielmehr Tür und Tor für Euch, werte Leser, und bitte nur noch die üblichen Verdächtigen ;-), sich im Zaum zu halten, um auch anderen Platz zu lassen. Wer besagtes Werk bereits wirklich gelesen hat, möge dies auch kundtun – Vermutungen allein sind schlechte Diskussionsbasis.
Allerdings: laut Amazon ist das Buch noch nicht erschienen!
Peter Gnaiger, Wolfgang Hoffmann:
In die Suppe gespuckt. Von Sternen, Hauben und anderen Geschäften
tinyurl.com/y7crop
44 Kommentare | Kommentar abgeben
5622, 24.10.06 @ 17:40
@sonjaa
yessssss!!!! genau so ist es. wenn ich im gm etwa lese: "habe ich ein frisch gezapftes trumer im zylinderglas getrunken", dann freut mich das für ihn. aber seine journalistische freiheit hat er damit schon ein ganz klein wenig überstrapaziert, oder?
PICCOLO, 24.10.06 @ 14:39
Koexistenz, Toleranz..
..gibt es gastronomisch nur auf Papier geschrieben. In Wirklichkeit ist ein permanenter Streit im Gange, der aber nicht zugegeben wird. Bei der geringsten inneren Kritik wird Geschäftsneid unterstellt, untereinander lässt man sich nichts sagen. So gibt es natülich keinen funktionierenden Kochverband, auch keine funktionierende Hoteliersvereinigung usw.. Der Einzelne hat nur ein Interesse an sich selber, seine Verpflichtung auch für die Allgemeinheit etwas zu tun und damit seinem Kollegen zu helfen nimmt man nicht wahr.
Dazu stellt man sich dann teure Berater an und hier kommen solche Helferlein wie Gastronomieführer gerade recht. Diese nutzen den sprichwörtlich bösartigen Charakter des Gewerbes natürlich selbstsüchtig aus. Jetzt hat man sozusagen einen neutralen Beobachter, bis man draufkommt, oft Jahre zu spät natürlich, dass man aufs falsche Pferd gesetzt hat.
Diese Leute freuen sich dann besonders über solche Enthüllungs - Bücher. Für mich sind sie nur Teil einer größeren Sache zu der beide Fronten gehören. Auch eine Art Apologie wo draufstehen könnte: "Warum wir so gut sind..."
Bei allen meiner oft wirklich zu spontanen und zu frechen Äußerungen hier im Weblog - Der Webloggott verzeihe mir und möge es wieder zu regnen aufhören lassen, sind die hier vermerkten Erregungen ebenso feststellbar. Um die Arbeit bin ich aber wirklich niemanden neidisch, ich wundere mich warum die Anderen nicht so liederlich faul sein können wie ich?
Aber weil man mich persönlich nicht kennt wird auch niemand wirklich wissen wie ernst ich es meine. Mein Rat : Das Gute soll man nicht mißbrauchen, sonst kommen die Hunde des Promios.... Letztes an die Autoren..
sonjaaa, 24.10.06 @ 14:16
Ich habe das Buch noch nicht
Zu Beginn gebe ich gleich zu - ich habe das Buch noch nicht und werde in diesem Sinne auch keinen Beitrag verfassen. Mich erinnert die Diskussion hier ein Bisserl an die ewige Kulturberichterstattungsdebatte. Der Kuenstler (oder Architekt) verlangt vom Kulturjournalisten bzw. dessen Vorgesetzten, dass dieser eine Hymne verfasst oder zumindest der Oeffentlichkeit mitteilt, dass man ein klasser Kerl ist, Preise gewinnt, in Dubai baut oder Shanghai ausstellt, etc. Leider muss man das als Kuenstler aber verlangen, da man sonst weder Galerien, noch Foerderer noch Foerderungen findet. Damit bauen die Medien und die Kunst einen Onaniekokoon, der einen wesentlichen Bestandteil der Szenerie vergisst: den Medienuser, den Leser, Seher, - den Kunden der Medien, der Kuenstler und natuerlich auch der Koeche.
Ohne Speising waer ich laengst aufgeschmissen im Gastrodschungel, denn als simpler user habe ich den Eindruck: der Schreiber schreibt fuer den Koch und vice versa. Der Koch zeigt die Kritik dem anderen Koch und fuehlt sich gut. Der Schreiber zeigt dem Schreiber seine Spuernase und seinen erlesenen Geschmack. Der Leser ist der dumme Hund.
Wie Ihr wisst, arbeite ich selbst als Journalist, aber Kritiken, die ich nicht benutzen kann, gehen mir tatsaechlich auf die Nerven.
GrauerStarKoch, 22.10.06 @ 22:24
Zum 100.
Fein. Ein Buch das passt, das schenke ich zu Weihnachten meinem Lieblingskoch der seit 10 Jahren mit einer Haube immer am Ziel vorbeikocht. Aber ehrlich: Die Wahrheit interessiert doch diese Leute nicht...
QUARK, 22.10.06 @ 21:21
Wir sind nicht für Gastronomen da...
..aus Führers Mund klingt das wie wenn die behaubten Damen und Herren lauter Tschapperl wären. Ich bin neugierig wie das aufgenommen wird??
Sind sie am Ende doch für die industrielle Aufbereitung der Geniesserkunst da?
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--- 18.04.17 @ 12:49
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Rauf die Preise! / Meidlinger12: Beisl - z.b. das Quell kann noch immer das große Gulasch um 6,90 anbieten. Muß aber... [mehr]
Peter Gnaiger's Sternen-Logbuch --- 04.08.07 @ 20:16
Tischgespräche --- 11.05.07 @ 11:48
Das Gastlog --- 04.09.06 @ 16:45
Das Weinlog --- 16.04. @ 10:11
Christoph Wagner's Weblog --- 04.02.06 @ 13:33