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Tischgespräche

04.03.07 @ 14:19

Das erste Mal

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Irgendwann fängt man damit an. Mit dem Selberkochen. Und wenn man das Kombinieren und Komponieren und Zusammenfügen in höchster Harmonie nicht von einer guten Fee in die Wiege gelegt bekam, kann es schon einige Zeit dauern, bis man auf den eigenen guten Geschmack kommt. Vor allem wenn auch das Elternhaus nicht geeigneter Nährboden für leibliche Genüsse ist.

Meine erste Liebe war auch Initiation fürs gute Essen - wenngleich Mitte der Siebziger erst ein paar merkwürdige, damals aber wohl kulinarisch höchst zeitgeistige Hürden genommen werden mussten. Und so geriet meine erstes Selbstgekochtes (mit 17), eine Lasagne (noch nie zuvor selbst gegessen, geschweige denn gesehen) sehr trocken. Hab wohl die Anleitung nicht ausreichend studiert. Dafür waren kleine, frisch vom Feld geklaute Maiskölbchen drin.

Ab da ging's unaufhaltsam bergauf.

153 Kommentare | Kommentar abgeben

piccolina, 05.03.07 @ 20:26

Ungekochtes Rinderherz
Um einer Tante einen Gefallen zu tun, habe ich die Reise nach Hamburg angetreten, um den Sohn ihrer Freundin "wenigstens einmal anzuschauen". Groß war er, rothaarig, dürr und ein recht junger Major des Bundesheeres. Essen gehen? Nein, er hatte was zu Hause vorbereitet. Oh, dachte, wie praktisch, der kann kochen, denn ich hatte damals keinen schwachen Schimmer davon.
Er führte mich in seine Küche und zeigte mir "die Vorbereitung" - ein rohes Rinderherz, das ich zubereiten sollte. Bis dahin hatte ich weder eines gesehen, der Schock glich dem vom "die erste Leiche", noch hatte ich je eines zubereitet. Kocht man das oder brät man es?
Höflich fragte ich, ob er es gekocht haben will - er wollte und ich kochte - Stunde um Stunde. Er rauchte Pfeife, erklärte mir sämtliche Waffengattungen, zeigte mir Pistolen, Revolver und Gewehre. Hinreißende Unterhaltung für eine 19-jährige! Das Herz wurde nicht weich, eher härter als es war. Langsam musste ich mir die Niederlage eingestehen und sagte ihm, dass ich nicht weiß wie das geht und Rinderherz schon gar nicht!
Wie es weiter gegangen ist? Gar nicht! Habe den Typ nie wieder gesehen, ich weiß nur, dass er bis heute keine Frau hat... -

karlheinz, 05.03.07 @ 20:15

@piccoplo: selbst gemacht...
... habe ich es auch auf oststeirischem bauernhofe zur kindheit, als ich dort nahezu länger, sicher aber intensiver wohnen durfte als zuhause.
karnickel geschächtet, hendl geköpft, (bitte mich nicht ob der vierpfotenfeindlichen handlungen zu verdammen, so wars halt "damals", heute auch noch, aber wir reden ob einer gewissen political correctness nimmer so gern darüber)
schweindln ausbluten sehen ("der bluat wiara sau" stimmt schon!) und trotzdem gegessen. (bis auf meinen sohn, der, nachdem er im zarten alter vo 10a das erste mal ein schwein bei der entborstelung voyeurieren durfte, 3 monate lang kein fleisch angerührt hat. der weiß, woher's kommt!

stimmt, piccolo, bloß nix zuordnen können ("für schnitzel", salatkartoffeln", e.a.); daher: lobet der pute brust, sie schmeckt ja (wert)- neutral. der tofu unter den fleischen.
da lobe ich mir die vegetarier - aber: "salatkartoffel"?? auch nicht besser, die herrschaften, zumindest einige ihrer vertreter.

von den kekssteinen geheilt war mein erstes genießbares: weißmehlfladen - ich glaub, ich war 7 oder so.
von da an galt es, die mama niederzukochen. rebellion muß sein -> sie fördert vieles.

was ich mir von damals beibehalten habe, ist die tradition fleisch schon v o r dem garen zu salzen. texturmäßig habe ich noch kaum unterschiede festgestellt. aber:

zartes fleisch... schön, wenn man beim ersten mal schon darauf stößt.

karlheinz, 05.03.07 @ 19:52

pardon
verzeiht mir die/den sam. war ein anderes blog!

ich frage mich bloß, was hätte ich vorher versuchen sollen: kochen oder die frauen.
kommt soher kunst nicht von wollen denn vielmehr von können? oder doch nicht?
oder: woran liegt's, dass mich ein gelungenes selbstgekoches wohlig erschauern läßt?
mich wiederholend:
verdammt!

5622, 05.03.07 @ 19:48

blut und tränen
okay, mein erstes mal: papa hat metzger gelernt, den job an den nagel gehängt, weil er sich über einen schweißerjob in der vmw bei der stadtgemeinde unterkam. zu den bauern fuhr er trotzdem weiter, da hat er sich mit hausschlachtungen was dazuverdient. beim ersten mal, wie ich dabei war - ich war wohl drei oder vier jahre alt - ist das alles wie ein film abgelaufen. das große messer, mit dem er der sau die gurgel durchgeschnitten hat, sehe ich heute noch vor mir. es war immer eine merkwürdige atmosphäre. die bauern waren einerseits froh, weil es bald fleich in hülle und fülle geben wird, aber sie riefen das tier bis zum schluss liebevoll mit namen und der abschiedsschmerz war ihnen deutlich anzumerken.

mein erstes kocherlebnis war deshalb auch brutalerer natur. das war eigentlich zunächst der kübel mit einem eimer voll blut von "elfriede" - so hieß die sau - den ich in die küche zu oma schleppte. ich durfte (sollte, musste ?) ihr beim rühren helfen. ich erinnere mich noch gut daran, wie oma dabei einen blutspritzer auf die wange abbekam. das blut trocknete auf ihrer wange ein.
dieser getrocknete blutfleck brannte sich fest in mein gedächtnis. später, beim essen der blutwurst, konnte ich den blick nicht von dem blutfleck wenden. "komisch", dachte ich mir, "was man nicht für einen aufwand zum essen treiben muss"
diese erste "kocherinnerung" kann und will ich gar nicht verdrängen. ich ruf sie immer ab, wenn ich mir denk, dass das essen den menschen heute viel zu leicht gemacht wird. weil wir nicht mehr sehen, wo es herkommt, so glaub ich, kann auch so hirnverbrannte kochkunst entstehen mit allerlei grausligkeiten, über die wir uns beim futtern keine gedanken mehr machen.

so: das war mein beitrag für die runde der "anonymen gourmet-kol(er)ika". bussis an alle
pps: papa hat die besten würste der stadt gemacht. mit einem riesigen schweren eisen-monstrum, das im keller stand. eine selch hatte er auch. überflüssig zu erwähnen, dass er der beliebteste gemeindebedienstete der stadt war
;-))

karlheinz, 05.03.07 @ 19:47

@piccolo, @sam
"...befriedigender Sex steht am Anfang der Kochkunst."

steinharte kekse.
verdammt!

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